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Wärme

Energielabel in der Heizungstechnik: Hersteller, Handel, Handwerk in der Pflicht

Freitag, 27.03.2015

Endverbraucher haben sich beim Kauf von Waschmaschinen, Glühbirnen, Fernsehern und anderen Haushaltsgeräten schon längst an Energielabel gewöhnt: Ein Energielabel informiert sie mit Hilfe einer Farbskala und der Angabe der Energieeffizienzklasse über den Energieverbrauch der Produkte. Durch die Veröffentlichung der EU-Verordnungen Nr. 811/2013 und Nr. 812/2013 am 6.9.2013 im Amtsblatt der EU wird es solche Energielabel demnächst auch in der Heizungstechnik geben. Was es dabei zu beachten gibt, zeigt unser Artikel.

Übersicht über die heiztechnischen Produkte, die den Ökodesign-Anforderungen und der Label-Pflicht unterliegen.
Quelle: BDH
Abb.1: Heiztechnische Produkte, die den Ökodesign-Anforderungen und der Label-Pflicht unterliegen.

Ab dem 26. September 2015 müssen Hersteller von Heizkesseln, Wärmepumpen, Blockheizkraftwerken (sog. Raumheizgeräte), Warmwasserbereitern und Warmwasserspeichern sowie Kombiheizgeräten ihre Produkte labeln. Hierbei spricht man auch von einem Produktlabel. Im Gegensatz zum Produktlabel, bei dem nur das einzelne/vorgenannte Produkt ­betrachtet wird, müssen im heizungstechnischen Bereich auch Energielabel beim Verkauf von sog. Produktpaketen ausgestellt werden (Raumheizgerät, Kombi­heizgerät oder Warmwasserbereiter zusammen mit weiteren Komponenten des Heizungs- oder Warmwasserbereitungssystems). In einem solchen Fall spricht man von einem Paketlabel oder auch ­einem Etikett einer Verbundanlage.

Zusätzlich zu der Energieeffizienzkennzeichnung werden Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung der vorgenannten Produkte (Ökodesign-Anforderungen) eingeführt (EU-Verordnungen Nr. 813/2013, Nr. 814/2013), welche sukzessive ab dem 26. September 2015 in ­allen EU-Mitgliedsstaaten einheitlich eingehalten werden müssen. Dies sind z.B. Vorgaben an die Energieeffizienz der Produkte (jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz, Warmwasserbereitungs-Energieeffizienz, Warmhalteverluste) oder auch Grenzwerte für bestimmte Emissionen, wie z.B. NOx und Schall.

In der Abb. 1 finden Sie eine Übersicht mit den heizungstechnischen Produkten, die den Ökodesign-Anforderungen und der Label-Pflicht unterliegen.

Energielabel von heizungs­technischen Produkten

Man unterscheidet zwischen Produkt- und Paketlabeln.

Die Produktlabel werden durch den Hersteller ausgestellt. Paketlabel müssen ausgestellt werden, wenn Raumheizgeräte, Kombiheizgeräte oder Warmwasserbereiter, für die ein Produktlabel ausgestellt wurde, mit zusätzlichen Heizungskomponenten zu einem Produktpaket zusammengestellt und durch den Handwerker zum Verkauf angeboten werden (sogenannte Verbundanlagen im Sinne der EU-Verordnungen).

Die im Produktpaket einbezogenen Heizungskomponenten, welche zu einer verpflichtenden Ausstellung eines Paket­labels führen, sind Temperaturregler, Solaranlagen nebst solarbetriebenem Warmwasserspeicher sowie weitere Wärmeerzeuger (Zusatzraumheizgeräte). Oftmals führt die Ausstellung eines Paketlabels zu einer höheren Energieeffizienzklasse. Der Handwerker ist verpflichtet, dem Endverbraucher mit dem Angebot auch die Energieeffizienzklasse des Produktpakets zu übermitteln.

Die Grafik zeigt mögliche Lastprofile zur Ermittlung der Warmwasserbereitungs-Energieeffizienz.
Quelle: BDH
Abb.2: Mögliche Lastprofile zur Ermittlung der Warmwasserbereitungs-Energieeffizienz.

Produktlabel

Durch die EU-Verordnungen Nr. 811/2013 und Nr. 812/2013 wird eine Vielzahl von Produktlabeln eingeführt, welche sich in der äußeren Form und zum Teil auch in der vorgegebenen Skalierung unterscheiden. Über Berechnungsverfahren ermittelt der Hersteller unter Berücksichtigung der energetischen Produktkenndaten die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz hs für Raumheizgeräte und Kombiheizgeräte, die Warmwasserbereitungs-Energieeffizienz hwh für Kombiheizgeräte und Warmwasserbereiter bzw. die Warmhalteverluste S für Warmwasserspeicher. Die Berechnungsverfahren sind in den beiden EU-Verordnungen, in begleitenden Mitteilungen der EU-Kommission sowie in harmonisierten europäischen Normen festgelegt.

Auf Basis der Energieeffizienz bzw. der Warmhalteverluste wird das Produkt in der vorgesehenen Skala G bis A++ (Funktion Raumheizung) und G bis A (Warmwasserbereitung und -speicherung) eingestuft.

Manche Produkte erhalten aufgrund ihrer Doppelfunktion (Raumheizung und Warmwasserbereitung) ein Label mit zwei Effizienzklassen. In den Abb. 3, 4 und 5 sind die einzelnen Energielabel dargestellt, welche ab dem 26. September durch den Hersteller verpflichtend als Produktlabel ausgestellt werden müssen.

Beispiele für Energielabel von Raumheizgeräten.
Quelle: BDH
Abb.3: Energielabel von Raumheizgeräten (jeweils bis 70 kW thermischer Nennleistung).
Beispiele für Energielabel von Warmwasserbereitern und Warmwasserspeichern.
Quelle: BDH
Abb.4: Energielabel von Warmwasserbereitern und Warmwasserspeichern (bis jeweils 70 kW thermischer Nennleistung bzw. 500 l Volumen).
Beispiele für Energielabel von Kombiheizgeräten.
Quelle: BDH
Abb.5: Energielabel von Kombiheizgeräten.

Gas- und Ölbrennwertkessel

In der Abb. 6 ist beispielhaft ein Energielabel für einen Gas- oder Öl-Brennwertkessel dargestellt und erläutert.

Graphische Erläuterung eines Energielabels für ein Raumheizgerät mit Gas- oder Ölheizkessel.
Quelle: BDH
Abb.6: Erläuterung eines Energielabels für ein Raumheizgerät mit Gas- oder Ölheizkessel.

Gas- und Ölbrennwertkessel erreichen in der Regel die Energieeffizienzklasse A. Energieeffizienzklassen über A werden erreicht, wenn entweder ein merklicher Anteil erneuerbarer Energien über Wärmepumpen genutzt oder gleichzeitig Strom mit einer Mikro- oder Mini-KWK-Anlage erzeugt wird.

Raumheizgeräte

In der Abb. 7 finden Sie eine Darstellung über die Einstufung gängiger Raumheizgeräte in die einzelnen Energieeffizienzklassen (nur Funktion Raum­heizung). Die Übersicht soll der Orientierung dienen. Die Einstufung kann je nach Produkteigenschaften zu einer anderen Energieeffizienzklasse führen.

Graphische Darstellung der Energieeffizienzklassen gängiger Wärmeerzeuger.
Quelle: BDH
Abb.7: Energieeffizienzklassen gängiger Wärmeerzeuger (Funktion Raumheizung bei Mitteltemperatur-Anwendung (55°C)).

Raumheizgeräte können für die Funktion Raumheizung (siehe Abb. 7) maximal die Energieeffizienzklasse bis A++ erreichen. Die Energieeffizienzklasse A+++ wird erst zum 26. September 2019 eingeführt. Gleichzeitig werden zu diesem Zeitpunkt die unteren Energieeffizienzklassen G bis E gestrichen, sodass man wieder das übliche Sieben-Klassen-Energielabel erhält.

Wärmepumpen

Bei den Energielabeln für Wärmepumpen wird die Energieeffizienzklasse jeweils für die Mitteltemperatur- (55 °C) und für die Niedertemperaturanwendung (35 °C) angegeben. Bei Niedertemperatur-Wärmepumpen bezieht sich die ausgewiesene Effizienzklasse nur auf die Niedertemperaturanwendung. Zur Einhaltung einer bestimmten Energieeffizienzklasse müssen bei der Niedertemperaturanwendung höhere jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz-Werte erreicht werden als bei der Mitteltemperaturanwendung.

Weiterhin wird in den Energielabeln für Wärmepumpen zwischen unterschiedlichen Klima­verhältnissen unterschieden (durchschnittlich: Standort Straßburg; kalt: Standort Helsinki; warm: Standort Athen). Die ausgewiesene Energieeffizienzklasse der Wärmepumpen nimmt aber immer Bezug auf die durchschnittlichen Klimaverhältnisse. Die Nennleistung der Wärmepumpe wird im Energielabel jedoch für alle drei Klimaverhältnisse angegeben.

Warmwasserbereiter und Kombiheizgeräte

Warmwasserbereiter und Kombiheizgeräte können für die Funktion der Warmwasserbereitung maximal die Energieeffizienzklasse A erreichen. Die Energieeffizienzklasse A+ wird erst am 26. September 2017 eingeführt. Die Funktion der Warmwasserbereitung wird durch das Symbol eines Wasserhahns ausgewiesen (s. Abb. 9). Neben dem Wasserhahn ist das Lastprofil angegeben, für das der Hersteller den Warmwasserbereiter oder das Kombiheizgerät vorgesehen hat (z.B. L in Abb. 9).

Das Symbol für die Funktion Warmwasserbereitung.
Quelle: BDH
Abb.9: Symbol für die Funktion Warmwasserbereitung.

Bei solarbetriebenen Warmwasserbereitern sowie bei Warmwasserbereitern und Kombiheizgeräten mit Wärmepumpe nimmt die ausgewiesene Energieeffizienzklasse Bezug auf die durchschnittlichen Klimaverhältnisse in Europa. Kombiheizgeräte mit Gas- und Ölheizkesseln sowie mit Wärmepumpen erhalten ein Doppellabel, in dem die Energieeffizienzklassen für die Funktion Raumheizung (s. Abb. 8) und die Funktion Warmwasserbereitung (s. Abb. 9) ausgewiesen sind.

 Symbol für die Funktion Raumheizung.
Quelle: BDH
Abb.8: Symbol für die Funktion Raumheizung.

Warmwasserspeicher

Warmwasserspeicher (Symbol s. Abb. 10) können ebenfalls nur die Energieeffizienzklasse A erreichen.

Das Symbol für Warmwasserspeicher.
Quelle: BDH
Abb.10: Symbol für Warmwasserspeicher.

Die Energieeffizienzklasse A+ wird zum 26. September 2017 eingeführt. Im Energielabel werden neben der Energieeffizienzklasse die Warmhalteverluste des Warmwasserspeichers sowie das Speichervolumen angegeben. Die Einstufung in eine Energieeffizienzklasse ist abhängig vom Speichervolumen (s. Abb. 11).

Grafische Darstellung der Energieeffizienzklassen von Warmwasserspeichern.
Quelle: BDH
Abb.11: Graphische Darstellung der Energieeffizienzklassen von Warmwasserspeichern.

So erhält beispielsweise ein Warmwasser­speicher mit einem Volumen von 150 l und einem Warmhalteverlust von 1,5 kWh/d die Energieeffizienzklasse C.

Auch im Energielabel für Warmwasserspeicher werden nur die Warmhaltever­luste des Speichers berücksichtigt. Andere konstruktive Merkmale des Speichers, wie z.B. die moderne Schichtladetechnik, werden nicht in der Bewertung erfasst. Somit deckt die Energieeffizienzklasse eines Warmwasserspeichers nur ein Kriterium eines modernen energieeffizienten Warmwasserspeichers ab. Weiterhin ist der Warmwasserspeicher Bestandteil eines Heizungs- oder Trinkwarmwassersystems. Somit ist bei der Auswahl des Warmwasserspeichers darauf zu achten, dass der Warmwasserspeicher auf das Heizungs-/Trinkwarmwassersystem abgestimmt ist.

Von Lothar Breidenbach
Geschäftsführer Technik, Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH)

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