Warum Heizen mit Strom zunehmend attraktiv für PV-Anlagenbesitzer wird

Nach 20 Jahren ist jetzt Schluss mit der Einspeisevergütung für Strom aus PV-Anlagen, die Rahmenbedingungen rund um die Nutzung des PV-Stroms haben sich damit erheblich verändert. Es ist für Besitzer einer Photovoltaik-Anlage also lohnenswert, sich rechtzeitig mit den zukünftigen Einsatzoptionen der selbst erzeugten elektrischen Energie auseinanderzusetzen.

Ein Haus mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach.
Quelle: Solare Datensysteme GmbH
Das "Prosumer"-Haus von Mario Murillo mit einer 9,8-kWp-PV-Anlage generiert jährlich im Schnitt 11,5 MWh Strom.

Mit dem "100.000-Dächer-Programm" der Bundesregierung startete vor fast 20 Jahren langsam der PV-Boom in Deutschland. Die Installation einer PV-Anlage auf dem eigenen Dach wurde mit Krediten der KfW attraktiv. Dazu kamen Einspeisevergütungen von deutlich über 50 Cent pro Kilowattstunde, die die Abgabe des Stroms ins öffentliche Netz sehr rentabel machten.

Doch die hohe Einspeisevergütung war und ist nicht unbegrenzt – nach 20 Jahren ist Schluss. Für alle Anlagen, die vor 2000 installiert wurden, gilt das Jahr 2000 als Startzeitpunkt für den Erhalt der Einspeisevergütung. Folglich läuft die Förderung für die ersten PV-Anlagen in knapp zwei Jahren, also 2020, aus. Der Strom kann dann wei­terhin eingespeist werden, allerdings zu wesentlich schlechteren Konditionen.

Mittlerweile gibt es aber zahlreiche Alternativen zum Verkauf der PV-Energie an den Netzbetreiber. Eine davon ist das Heizen mit Strom.

Stromheizung (wieder) en vogue

Vor einem baldigen Auslaufen der hohen Einspeisevergütung steht auch Mario ­Murillo aus dem baden-württembergischen Balingen. Seine 9,8-kWp-PV-Anlage speist zuverlässig in das öffentliche Netz ein, wofür er eine entsprechende Vergütung erhält. Da diese aber endlich ist, hat sich Murillo frühzeitig Gedanken gemacht, wie er nach Ablauf der 20 Jahre seinen PV-Strom einsetzen wird. Er entschied sich für ein strombetriebenes Heizsystem – eine Tecalor-Haustechnikzentrale auf Basis ­einer Luft/Wasser-­Wärmepumpe in Kombination mit einer Flächenheizung.

Aktuell macht er sich dafür ein Auslaufmodell zunutze – den sogenannten Niederstromtarif. Die Antriebsenergie für seine Wärmepumpe bezieht Murillo mit Niedertarifstrom, besser bekannt unter "Nachtstromtarif" oder "Wärmepumpentarif". Ihren Ursprung haben diese besonderen Tarife aus der Zeit, als Nachtspeicheröfen noch gängig waren. Diese nahmen in den Schwachlastphasen Strom ab und speicherten diesen in Form von Wärme. Die Nachtspeicherheizungen sind größtenteils verschwunden, da sie die elektrische Energie nur ineffektiv (sprich: 1:1) in Wärme umwandeln. Geblieben sind die Tarife – allerdings meist mit einer begrenzten Laufzeit und nur bei wenigen Stromanbietern.

Antriebsenergie vom Dach

Wer seinen PV-Strom, wie Mario Murillo, zum Betrieb einer Wärmepumpe nutzen will, muss natürlich den Faktor "Sonne" mit einbeziehen. Diese Kraft steht nicht jederzeit in vollem Umfang zur Verfügung. Deswegen dient die Wärmepumpe bzw. die Warmwasserheizung als "Energiespeicher", der dann geladen wird, wenn ausreichend Sonnenstrom vorhanden ist und kein anderer Verbraucher diesen benötigt.

Um eine reibungslose und effiziente Versorgung der Wärmepumpe mit Sonnenenergie zu gewährleisten, gibt es Energie-Management-Systeme, wie zum Beispiel den "Solar-Log" von Solare Datensysteme GmbH. Das System erfasst die produzierte PV-Leistung und den aktuellen Verbrauch im jeweiligen Gebäude. Es ermittelt aus diesen Werten, ob ein Energieüberschuss – also die Einspeisung ins Netz – vorhanden ist und wenn ja, wie hoch dieser ist.

Ein Mann steht vor einem Photovoltaik-Anlagen-Überwachungssystem.
Quelle: Solare Datensysteme GmbH
Die Überwachung der PV-Anlage übernimmt in Marillos Haus ein "Solar-Log", der in Zukunft auch für das Energiemanagement eingesetzt wird.

Liegt ein Überschuss vor, kann die Wärmepumpe automatisch vom Energiemanager aktiviert werden. Das Zuschalten der elektrischen Wärmepumpe ist dabei an bestimmte Parameter gekoppelt, wie ein voreingestellter Schwellwert, eine Tageszeit oder Mindestlaufzeit. Diese Parameter lassen sich individuell an die verwendete Wärmepumpe und das Komfortbedürfnis des Eigen­tümers anpassen.

Wärmepumpenbetrieb über ein Energie-Management-System

Um die Wärmepumpe mit dem "Solar-Log" zu koppeln und ansteuern zu können, gibt es zwei Wege. Die erste Option, welche oftmals für ältere Wärmepumpenmodelle infrage kommt, ist die Kopplung über das EVU-Sperrsignal. Dieses Signal kann durch den "Solar-Log" generiert werden. Je nach PV-Überschuss und ­eingestelltem Schwellwert gibt das Gerät dann die Wärmepumpe frei oder sperrt sie.

Donnerstag, 18.10.2018

Von Vivian Bullinger
Solare Datensysteme GmbH