Erneuerbare Energien

Von Jugendstil bis Mauerfall

Ein ungewöhnliches Wohnprojekt mit substantieller Heiztechnik

Freitag, 12.04.2024

Die Aufgabe, bestehende Gebäude einem neuen Zweck zuzuführen – etwa leere Bürogebäude in Wohnhäuser umzufunktionieren –, wird ...

Das ehemalige Verwaltungsgebäude der AG Sächsische Werke kann auf eine hundertjährige Geschichte zurückblicken.
Quelle: August Brötje GmbH
Das ehemalige Verwaltungsgebäude der AG Sächsische Werke kann auf eine hundertjährige Geschichte zurückblicken.

... in der Stadtplanung immer bedeutender. Eine große Herausforderung für alle Beteiligten, auch für die Technische Gebäudeausrüstung (TGA), stellen insbesondere denkmalgeschützte Gebäude dar. Ein gelungenes Umsetzungsbeispiel und zugleich beeindruckendes Ergebnis liefert hier das jüngst fertiggestellte Projekt „Gaußstraße 1-3“ in Chemnitz. Dort wurde ein ehemaliges, sehr geschichtsträchtiges Verwaltungsgebäude zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut.

Die Stenderprojekt Immobilien und Bauträger GmbH mit Sitz in Chemnitz ist ein Projektentwickler für denkmalgeschützte Immobilien. Das Unternehmen hat sich auf die Sanierung und Renovierung von Einzeldenkmälern im Raum Chemnitz und Zwickau spezialisiert. Gründer und Geschäftsführer ist Rüdiger Stender. Nach fast 30 Jahren Tätigkeit am Markt kann sein Team mittlerweile zahlreiche prestigeträchtige Sanierungsreferenzen denkmalgeschützter Objekte im besagten Raum vorweisen.

Das neueste Umbauprojekt, das im Dezember 2022 mit dem Einzug der ersten Bewohner abgeschlossen wurde, ist das 1925/26 errichtete Verwaltungsgebäude der Aktiengesellschaft (AG) Sächsische Werke an der Gaußstraße in Chemnitz. Die Sächsischen Werke waren 1923 gegründet worden und in den 20er- und 30er-Jahren insbesondere im Braunkohlebergbau und der Stromerzeugung tätig, bis zu ihrer Liquidation 1947. Diese Hauptbetätigungsfelder spiegeln sich beispielsweise in vielfältigen figurativen Zierformen an der Jugendstilfassade wider, mit Motiven und Symbolen der Kohleförderung und der Elektroindustrie.

Nach der Schließung der Sächsischen Werke wurde das Gebäude zu DDR-Zeiten von der Wismut AG (ab 1954 SDAG Wismut) genutzt. Die SDAG war eine „Sowjetisch-deutsche Aktiengesellschaft“ und „Wismut“ war ein Tarnname für den von ihr durchgeführten Uranabbau, einem dunklen Kapitel in der DDR-Geschichte. Nach der Wende wurde das Gebäude dann von der Knappschaft genutzt.

Ein Beispiel dafür, wie mit den Vorgaben des Denkmalschutzes umgegangen werden musste, gibt die Rückansicht des Mehrfamilienhauses: Für den Ab- und Anbau von Balkonen wurden Sondergenehmigungen benötigt.
Quelle: August Brötje GmbH
Ein Beispiel dafür, wie mit den Vorgaben des Denkmalschutzes umgegangen werden musste, gibt die Rückansicht des Mehrfamilienhauses: Für den Ab- und Anbau von Balkonen wurden Sondergenehmigungen benötigt.

Wohnen mit Stil

Dieses geschichtsträchtige Einzeldenkmal wurde für damalige Maßstäbe besonders repräsentativ und großzügig konzipiert. Der Eingangsvorbau zum Beispiel weist schon von außen hin auf die noble Innenausstattung mit ihren Säulen, Stuckdecken und edlen Holzvertäfelungen. In der Summe handelt es sich um ein einzigartiges Baudenkmal aus der Zeit des expressionistischen Jugendstils.

Ziel des Sanierungsprojekts war nun, das Gebäude in ein Mehrfamilienhaus mit 18 Wohnungen zu verwandeln. Die Bandbreite der geplanten Einheiten reicht von einer 2-Zimmer-Wohnung mit etwa 82 m2 bis zu einer 5-Zimmer-Wohnung mit etwa 127 m2. Insgesamt stehen heute 1.910 m2 Wohnfläche zur Verfügung, die mit einer ungewöhnlichen Atmosphäre faszinieren: Sie werden modernem Wohnkomfort sowie einem exklusiven Interieurdesign gerecht und zollen zugleich dem Denkmalschutz Respekt.

Auf dem etwa 3.890 m2 großen Grundstück ist außerdem eine Garagen- und Carportanlage mit 36 Pkw-Stellplätzen entstanden, des Weiteren wurden zwei Aufzüge installiert. Die Bauzeit begann im April 2020 und endete im Dezember 2022 mit dem Einzug der ersten Bewohner.

Beteiligte und Förderprogramme

Mit der Planung und Gestaltung wurde das Architektenbüro plan + projekt | puehn aus Lichtenstein betraut. plan + projekt | puehn ist ein Büro, das sich unter anderem auf das Thema „Tragwerksplanung“ spezialisiert hat, die hier eine große Rolle spielte, denn das Gebäude wurde im Zuge seiner Sanierung komplett entkernt.

Der Auftrag zur TGA-Bauleitung/Bauausführung (Heizung, Sanitär und Lüftung) ging an die Weigel & Unger Heizungs- und Sanitärtechnik aus Chemnitz. Zu ihren Aufgaben gehörte es, eine Sole-Wärmepumpe zu installieren und diese als Trinkwasser-Vorwärmsystem in die Gesamtanlage einzubinden.

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