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Neuorganisation bei Brennstoffzellenheizgeräten

Beklemmende Ruhe im Marktauftritt auf der Messe SHK Essen

Es war äußerst ruhig auf der Messe SHK Essen 2018, jedenfalls was das Thema Brennstoffzellenheizgeräte betrifft. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass einerseits in Sachen Elcore nach der Insolvenz noch viele Fragen offen sind, und sich andererseits BDR Thermea und Bosch Thermotechnik in einem Wechsel ihres Technologiepartners für die Brennstoffzelle befinden.

Eindrücke von der SHK Essen 2018.
Quelle: Rainer Schimm/Messe Essen
In puncto Brennstoffzellenheizgeräte war es ausgesprochen ruhig auf der diesjährigen SHK Essen.

Es herrschte erstaunliche, ja direkt beklemmende Ruhe auf der Messe SHK Essen in puncto Brennstoffzellenheizgeräte für die Hausenergieversorgung. Dabei war das vergangene Jahr für die Hersteller hoffnungsvoll gestartet. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) unterstützt über das Förderprogramm 433 "Energieeffizient Bauen und Sanieren – Zuschuss Brennstoffzelle" die Investition in ein Brennstoffzellenheizgerät mit einer elektrischen Leistung von 0,25 kW bis 5 kW mit einem Grundbetrag von 5.700 Euro und einem zusätzlichen leistungsabhängigen Betrag von 450 Euro je angefangener 100 W elektrische Leistung. Für eine Anlage mit beispielsweise 1 kW kommt so immerhin ein Zuschuss von 10.200 Euro zusammen.

Die Einführung dieses Technologieeinführungsprogramms für die Brennstoffzellenheizung bezeichnet die IBZ (Initiative Brennstoffzelle) denn auch als einen Meilenstein. "Das Programm wird sehr gut vom Markt angenommen. Das zeigen die Stückzahlen der ersten Förderperiode, denn mit über 1.500 Einheiten im Jahr 2017 wurde der geplante Absatz erreicht", unterstreicht Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer des BDH (Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie).

Die IBZ hat sich in diesem Jahr eine neue Organisationsstruktur gegeben, um der Weiterentwicklung des Marktes und den damit einhergehenden neuen Aufgaben Rechnung zu tragen. Die Vorbereitung der Markteinführung sei mit dem Technologieeinführungsprogramm abgeschlossen. "Nun verschiebt sich der Schwerpunkt von der technologischen Entwicklung und der Pilotphase hin zu einer koordinierten Marktentwicklung mit einer effizienten Kommunikationsoffensive", erläutert Dr. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Erdgas.

Als Kompetenzzentrum für Brennstoffzellengeräte in der Hausenergieversorgung engagiert sich die IBZ seit 2001 für eine positive Marktentwicklung in Deutschland. Im Zuge der Neuorganisation wird sie jetzt getragen vom BDH und Zukunft Erdgas. Gemeinsam will man sich um den Markthochlauf kümmern. Die bisherigen Arbeitskreise der IBZ bleiben auch in der neuen Aufstellung erhalten. Auch die drei Arbeitskreise Marktkommunikation, Politik und Technik werden fortgeführt. Nach außen wird die IBZ nun von zwei Sprechern vertreten: für die Kommunikation im politischen Raum ist Lücke erster Ansprechpartner, die Marktkommunikation liegt in den Händen von Kehler.

Doch trotz der guten Absatzzahlen gibt es derzeit keinen Grund zu überschwänglicher Freude. Nachdem Vaillant schon Anfang vergangenen Jahres alle Aktivitäten im Bereich Brennstoffzellenheizgerät eingefroren hat, musste Elcore (eine Tochter von Elcomax) Ende des Jahres 2017 gar einen Insolvenzantrag stellen. Am 1. Januar dieses Jahres wurde schließlich das Insolvenzverfahren eröffnet, die Gesellschaft dadurch aufgelöst. Dabei hatte sich erst ein Jahr zuvor noch der Energiekonzern E.ON mit einer Minderheitsbeteiligung an Elcore beteiligt, wovon man sich bei Elcore wichtige Impulse für eine stabile Weiterentwicklung des Unternehmens versprach.

Ihr Brennstoffzellen-Blockheizkraftwerk Elcore 2400 hatte Elcore mit einer elektrischen Leistung von 305 W und einer thermischen Leistung von 700 W auf den Grundbedarf eines herkömmlichen Einfamilienhauses abgestimmt. Zuletzt hatte man eine neue Version präsentiert, die maximale Vorlauftemperatur auf 70 °C und die zulässige Rücklauftemperatur auf 50 °C gesteigert, um den Einsatzbereich auf bestehende Gebäude mit herkömmlichen Heizkörpern und höheren Systemtemperaturen zu erweitern.

Zum Zeitpunkt der SHK Essen war bekannt, dass Freudenberg Anfang des Jahres Teile von Elcore übernommen und der Geschäftsgruppe Freudenberg Sealing Technologies zugeordnet hat. Freudenberg selbst forscht als Komponentenhersteller seit rund 20 Jahren an der Verbesserung der Brennstoffzelle. Die Unternehmensgruppe ist bereits mit vier Produkten am Markt etabliert: Gasdiffusionsschichten, Dichtungen im Stack der Brennstoffzelle, Filter und Befeuchter im Gesamtsystem. Wie bestätigt wurde, kann man derzeit keine Brennstoffzellengeräte kaufen, eventuell werde aber in der zweiten Jahreshälfte die Produktion wieder aufgenommen.

Zu alledem wurde jetzt auch bekannt, dass sich sowohl Bosch Thermotechnik (mit seinen beiden Marken Buderus und Junkers Bosch) als auch BDR Thermea (mit den Töchtern SenerTec, Brötje und Remeha) in Bezug auf ihre Brennstoffzellenheizgeräte in einem Wechsel ihres Technologiepartners für die Brennstoffzelle befinden. So waren beide Unternehmen in den vergangenen Monaten mit der Nachfolgeregelung für ihren Brennstoffzellenpartner beschäftigt. Doch aktuell würden bereits Alternativen aufgebaut und die Systeme getestet. Derzeit befinde man sich in einer Übergangsphase. Die Versorgung sei gesichert, der Markt könne auf jeden Fall bedient werden.

Bosch Thermotechnik betont, dass man der Technologie treu bleibe, aber dies sei ein Nischenthema. So hatte man auf der SHK Essen sowohl bei Buderus als auch bei Junkers keine Brennstoffzellenheizgeräte gezeigt – doch seien diese im Katalog bestellbar. Die von Bosch Thermotechnik angebotenen Brennstoffzellen-Energiezentralen Buderus Logapower FC10 und Junkers Bosch Cerapower FC10 basieren aktuell noch auf Brennstoffzellentechnologie aus einer Kooperation mit Aisin Seiki. Die Brennstoffzellen weisen eine modulierende Leistung von 700 W elektrisch und 620 W thermisch auf.

Bosch Thermotechnik betont, dass in den Energiezentralen neben dem Brennstoffzellenmodul auch noch ein Gasbrennwert-Hybridsystem sowie ein Pufferspeicher und ein Schichtladespeicher für die Bevorratung des erwärmten Trink- und Heizwassers integriert sind. Damit mache man die dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) für Ein- und Zweifamilienhäuser im Neubau und Bestand verfügbar.

Freitag, 08.06.2018

Von Robert Donnerbauer
Redaktion, Heizungs-Journal Verlags-GmbH