Erneuerbare Energien

Lieferkapazität bei Wärmepumpen kontinuierlich gestiegen

Interview mit Klaus Ackermann, Geschäftsführer der Nibe Systemtechnik GmbH in Celle

Dienstag, 02.01.2024

Die Umstellung auf Kältemittel mit geringerem Treibhauspotential wird uns die kommenden Jahre beschäftigen, ...

Nibe wächst und baut wie nie zuvor – 40.000 neue Quadratmeter in Markaryd (Schweden). Neben einem neuen Innovationscenter für Forschung und Entwicklung mit allein 5.000 Quadratmeter werden eine zusätzliche Wärmepumpenfabrik sowie ein größeres Besucherzentrum errichtet.
Quelle: Nibe Systemtechnik
Nibe wächst und baut wie nie zuvor – 40.000 neue Quadratmeter in Markaryd (Schweden). Neben einem neuen Innovationscenter für Forschung und Entwicklung mit allein 5.000 Quadratmeter werden eine zusätzliche Wärmepumpenfabrik sowie ein größeres Besucherzentrum errichtet.

... erläutert Klaus Ackermann, Geschäftsführer der Nibe Systemtechnik GmbH in Celle, im Gespräch mit dem HeizungsJournal. Ein weiteres Trendthema im Bereich Wärmepumpen sei die Digitalisierung. Die Lieferkapazität sei in den letzten Monaten kontinuierlich gestiegen, Lieferungen wieder planbar.

Herr Ackermann, die Heizungsindustrie durchlebt turbulente Zeiten. Was hat Ihr Geschäft in diesem Jahr am meisten beeinträchtigt – Engpässe bei Ihren Zulieferern oder die Politik?

Beides ist relevant. In der Gesamtschau sind wir trotz aller aktuellen Debatten optimistisch, dass in der Politik die Weichen für eine klimafreundliche Beheizung mit mehr Wärmepumpen gestellt werden. Als Konsequenz planen und investieren wir im Unternehmen entsprechend. Viel Energie mussten und müssen wir jedoch weiterhin in eine bestmögliche Organisation der Auftragsabwicklung stecken.

Wie gestaltet sich denn derzeit die Situation bei Ihren Lieferketten?

Lieferungen sind heute wieder planbar. Viele Vorkomponenten sind sogar ab Lager verfügbar. Es gibt jedoch nach wie vor einzelne Komponenten, die noch unzureichend vorhanden sind und auf deren Beschaffung wir uns im Tagesgeschäft konzentrieren. Gegenüber den Vorjahren liefern wir auf das gesamte Jahr betrachtet zwar mehr Wärmepumpen in den Markt, können aber die hohe Nachfrage derzeit nicht vollständig abdecken. Die Lieferkapazität ist in den letzten Monaten kontinuierlich gestiegen und wird dies weiterhin tun. Bei gleichbleibendem Auftragseingang erwarten wir für Neubestellungen zum Jahreswechsel Lieferzeiten von circa drei Monaten.

Und wie haben Sie die diesjährigen Entscheidungen der Politik in Bezug auf den Heizungssektor erlebt, insbesondere auf die politisch gewollte Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG)?

Die Änderung der in Deutschland überwiegend verwendeten fossilen Heiztechnologie ist notwendig. Das neue GEG setzt dies folgerichtig um. Überrascht wurde ich von der Heftigkeit der politischen Debatte und der medialen Überhöhung. Diese war häufig auch von politisch Verantwortlichen nicht von großer Sachkenntnis geprägt und hat den Inhalt des GEG unzulässig verkürzt. Ein Heizungs- oder Technologieverbot stand dort im Übrigen niemals zur Debatte.

Ein Blick zurück auf das Geschäftsjahr 2022: Die Nibe Systemtechnik GmbH gehört zum Geschäftsbereich Nibe Climate Solutions, der seinen Umsatz um fast 30 Prozent auf über 26 Milliarden SEK (über 2,2 Milliarden Euro) steigern konnte. Wie ist Ihr Geschäft in Deutschland gelaufen?

2022 haben wir zweifelsfrei mit unseren Kunden gelitten. Wir mussten den durch die gestiegene Nachfrage entstandenen Mangel an Produkten und Lieferinformationen bestmöglich verwalten. Das macht keine Freude. Im Jahresergebnis konnten wir unseren Wärmepumpenabsatz zwar moderat steigern, sind jedoch deutlich unter den Möglichkeiten unserer bereits vorhandenen Produktionskapazitäten geblieben.

Wie schätzen sie Ihre Marktposition im deutschen Markt ein?

Wir sehen uns als führende Marke für Handwerker, die sich als Wärmepumpenspezialisten verstehen. In Deutschland sind wir anders als in anderen Märkten nicht marktführend, in den „Top 10“ jedoch sicher dabei. Bei Endkunden sind wir häufig (noch) unbekannt. Wir sind jedoch bereits seit 20 Jahren in Deutschland aktiv und haben mehr als 100.000 Wärmepumpen installiert. Wir sollten eventuell etwas mehr darüber reden.

Die Zahl der Anbieter von Wärmepumpen hat in diesem Jahr weiter zugenommen. Besonders Marken aus dem asiatischen Raum machen dabei auf sich aufmerksam. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Das halte ich für eine natürliche und berechtigte Entwicklung. Es gibt aktuell viele Versuche auch mit teils günstigen Angeboten, Absatz zu skalieren. Dies gibt es auch in anderen Branchen. Wie groß dieses Marktsegment wird, wird sich zeigen. Es wird aus meiner Sicht nicht dominierend. Der Vergleich mit der Photovoltaik-Branche greift hier zu kurz. Insbesondere in der Installation im Bestand ist eine umfassende kompetente Beratung durch qualifizierte Handwerksbetriebe Grundlage einer sicheren Installation. Den gleichen Anspruch haben wir dann auch an die Qualität und die Anpassungsfähigkeit der verwendeten Produkte. Insbesondere bei den härteren Anforderungen einer Anlage im Bestand mit Heizkörpern lassen sich Angebote ausreichend differenzieren. Ich glaube, dass europäische Hersteller dazu in der Lage sind und sich dem Wettbewerb stellen können. Wir selbst sind dort zuversichtlich.

Von Robert Donnerbauer
Redaktion, Heizungs-Journal Verlags-GmbH
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