KWK

Indifferente Lage bei KWK

Hersteller geben Antworten auf aktuelle Fragen zur Marktsituation

Freitag, 31.05.2024

Wie steht es um die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)?

Quelle: Adobe Stock

Das HeizungsJournal hat bei Herstellern um Einschätzung der aktuellen Situation im Markt gebeten. Rede und Antwort standen diesmal Hagen Fuhl, Leiter Normungs- und Öffentlichkeitsarbeit/Public Affairs bei SenerTec Kraft-Wärme-Energiesysteme, Stefan Seeliger, Geschäftsführer von Wolf Power Systems, Jan Pille, Bereichsleiter Vertrieb/Service bei RMB/Energie, und Vitalij Klassen, Produktmanager für KWK-Systeme und Stromspeicher bei Buderus Deutschland.

Hagen Fuhl, Leiter Normungs- und Öffentlichkeitsarbeit/Public Affairs bei SenerTec Kraft-Wärme-Energiesysteme (BDR Thermea Group).
Quelle: SenerTec
Hagen Fuhl, Leiter Normungs- und Öffentlichkeitsarbeit/Public Affairs bei SenerTec Kraft-Wärme-Energiesysteme (BDR Thermea Group).

Der Absatz von Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung – KWK (sprich: Blockheizkraftwerke – BHKW und Brennstoffzellenheizgeräte – BZH) bis zu einer elektrischen Leistung von 50 kW war in Deutschland nach einem kurzen „Hoch“ im Jahr 2020 kontinuierlich rückläufig. Wie haben Sie das Marktgeschehen im Jahr 2023 erlebt?

Fuhl (SenerTec): Die monatelangen Diskussionen bezüglich des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) haben den Markt deutlich verunsichert. Viele Neuinvestitionen wurden einfach nicht getätigt, da man abgewartet hat, wie das GEG letztendlich aus-sehen wird. Unter diesen Vorzeichen konnte sich der KWK-Markt in 2023 nur schleppend entwickeln, obwohl die KWK nach wie vor über das KWKG gefördert wird. Erschwerend kam bei Brennstoffzellenheizgeräten noch hinzu, dass die ursprüngliche KfW-Förderung 2022 ausgelaufen ist und ab 2023 durch eine neue BEG-Förderung, die den Einsatz von 100 Prozent grünen Gasen voraussetzt, abgelöst wurde. Diese neuen erschwerenden Fördervoraussetzungen haben den Absatz von Brennstoffzellenheizgeräten merklich eingetrübt. Ähnlich wie im Heizungssektor war auch bei der KWK das Austauschgeschäft (also Altanlage gegen eine modernere Neuanlage) dominierend. So hat die Absicht, vor Inkrafttreten des GEG noch schnell Tatsachen zu schaffen, den Markt zum Ende hin nochmals befeuert.

Seeliger (Wolf Power Systems): Der Absatz von erdgasbetriebenen BHKW ist nach dem Rückgang in den Jahren 2021 und 2022 nochmals deutlich stärker eingebrochen. Wir haben im Bereich von erdgasbetriebenen BHKW mit einer elektrischen Leistung kleiner/gleich 50 kW im Jahr 2023 einen Umsatzrückgang von bis zu 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Seit Beginn der Erdgaskrise im Jahr 2022 und aufgrund der durch die aktuelle Bundesregierung veränderten politischen und gesetzgeberischen Randbedingungen ist eine deutliche Verunsicherung bei unseren Kunden zu bemerken.

Die Änderungen im GEG als auch weitere relevante Gesetze, so das Gesetz zu „Sofortmaßnahmen für einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und weiteren Maßnahmen im Stromsektor“, das Gesetz für die Erhaltung, die Modernisierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWKG), das Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG) sowie das Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (Wärmeplanungsgesetz – WPG), zeigen einen Regulierungsansatz, der inhaltlich bei vielen potentiellen Kunden und Investoren zur Zurückhaltung bei dringenden und anstehenden Investitionsentscheidungen führt. Wir sehen aktuell weniger Stornierungen, sondern häufig Verschiebungen von Investitionsentscheidungen. Dies betrifft auch die involvierten Planer und Ingenieurbüros. Wenig hilfreich ist dabei, dass die Gesetze teilweise handwerklich Fragen offenlassen und scheinbar einem permanenten Änderungsbedarf unterliegen. Es ist daher aus unserer Sicht absolut nachvollziehbar, dass unsere Kunden aktuell keine sichere Basis für nachhaltige und zukunftssichere Entscheidungen vorfinden und Bestellungen verschieben. Dies merken wir empfindlich im Auftragseingang und Absatz.

Pille (RMB/Energie): Das Marktgeschehen wurde maßgeblich von der öffentlichen Diskussion um die geplante Novellierung des GEG beeinflusst. Diese Diskussion führte zu einer spürbaren Verunsicherung sowohl auf dem Heizungsmarkt als auch bei den Endkunden. Die Situation verschärfte sich, als der Gesetzentwurf im Februar 2023 vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangte. Der von den Medien als „Heizhammer“ bezeichnete Entwurf wurde in allen Interessensgruppen ausgiebig diskutiert und interpretiert, was zu einem deutlichen Rückgang der Nachfrage und der Auftragslage führte. Obwohl sich die Nachfrage bis zur Verabschiedung des Gesetzes im September 2023 etwas stabilisierte, blieb sie dennoch unter dem Niveau des Jahres 2022.

Von Robert Donnerbauer
Redaktion, Heizungs-Journal Verlags-GmbH
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