Blockheizkraftwerk generiert Mehrwert – so geht Sektorenkopplung

Sektorenkopplung durch Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) - kostet nichts und spielt Gewinn ein. Wie das geht? Ein Magdeburger Fachbetrieb macht es vor.

"Ich bin nach wie vor darüber verwundert, wie wenig Blockheizkraftwerke (BHKW) im Gewerbebereich eingesetzt werden. Das verstehe ich nicht. Die Klassiker, wie Hotels, Altenheime, Mehrfamilienhäuser, die laufen anständig. Das verarbeitende Gewerbe dagegen hält sich zurück. Dabei kostet der Gewerbestrom im Minimum auch um 20 Cent/kWh. Ich bin selbst ein verarbeitender Betrieb. Verschiedene Dienstleistungen sind die zweite Säule, auf der wir stehen, neben Planung, Handel und Installation der Mini-KWK von EC Power. Unter anderem sandstrahlen wir Blech- und Karosserieteile, etwa von Oldtimern. Selbst die modernsten Kompressoren sind Stromschlucker. Dazu kommen noch weitere Maschinen und Elektrowerkzeuge. Bei mir kommen Strom und Wärme aus einer KWK. Nicht, weil ich einige Vergünstigungen als KWK-Unternehmen habe. Die Bilanz ist doch schnell gezogen: Die Betriebe müssen nur auf ihre Stromrechnung schauen und die halbieren. Dann ist das BHKW ein Geschenk."

Horst Winkler, der sich wundert, führt die KWM Energie & Umwelt GmbH & Co. KG in Magdeburg. "Ich bin Vertriebspartner von EC Power geworden, weil ich die KWK-Vorteile in meiner eigenen Halle täglich erfahre." Die Tätigkeiten seines verarbeitenden Betriebs liegen im Tankanlagenbau, in der Abwasserreinigung mit biologischen Klein-Kläranlagen, im Sandstrahlen und in der Fassadenreinigung.

Horst Winkler
Quelle: Bernd Genath
"Man muss sich mit dem Kunden beschäftigen und eine Systemlösung anbieten, statt ein Produkt verkaufen zu wollen", betont Horst Winkler.

Eine Antwort darauf, warum seine Kollegen "Geschenke" dieser Art nicht auspacken, gibt er selbst: "Weil sie sich mit der Optimierung ihrer Dienstleistung befassen, mit den Stundenverrechnungssätzen, nicht mit der Minimierung der Betriebskosten. Und weil sie alle gerne über Umwelt reden, im Sanitär-, Heizungs-, Kälte- und Klimabereich als Umweltschützer auftreten und Umweltschutz verkaufen, aber nicht Umweltschutz praktizieren. Weder nach innen mit der Kraft-Wärme-Kopplung noch nach außen. Draußen bauen sie lieber Gas-Brennwertkessel ein, weil sie sich damit auskennen. Zu Lasten der Umwelt." Dabei liege für Installationen mit den "XRGI"-BHKW von EC Power für jeden Kessel der bekannten Marken ein abgesegnetes Anschluss- und Hydraulikschema vor.

"Das Geld liegt auf der Straße", so Horst Winkler, "man muss es nur aufheben." Er erklärt seinen eigenen Erfolg – ein gut gehender Betrieb, den er vor etwa 20 Jahren nach der Wende und nach einigen Wanderjahren als Schlosser durch deutsche Industrieunternehmen in Magdeburg aufgebaut hat – damit, dass er sich immer bemüht hat, Ideen zu verkaufen, nicht Produkte. Mit Ideen meint er Konzeptionen, für deren Umsetzung das BHKW das oder ein entscheidendes Werkzeug ist, nicht aber der Kern des Angebots.

"Das klingt jetzt etwas unscharf. Ich mache es deutlich: Ein Hotelier hier am Radwanderweg an der Elbe tat sich schwer mit der Entscheidung für ein »XRGI«-BHKW. Ich konnte ihm viel vorrechnen, aber wer traut schon den Zahlen eines Verkäufers. Als ich ihm aber sagte, der KWK-Strom für die Batteriefüllung eines E-Bikes kostet im Verhältnis zu Kaffee und Kuchen gar nichts und er soll mit »Ihr E-Bike können Sie bei uns mit umweltfreundlichem Strom kostenlos aufladen« werben, brachte das den Durchbruch".

Die besseren Argumente

Man müsse die richtigen Argumente finden. "Der Preis alleine ist es doch nicht immer. Als wir hier mit Sandstrahlen anfingen, gingen wir auf die Serie. Was weiß ich – 100 Schränke abstrahlen oder so. Die erste Frage, die man bei solchen Anfragen gestellt bekommt, ist immer die: Was kostet das? Man macht einen Preis, um den Auftrag zu bekommen, dann geht irgendetwas daneben, es kommen Reklamationen und Sie zahlen zu. So läuft doch vielfach das übliche Geschäft. Was machen wir heute? Nur noch Einzelteile. Alte Autos, alte Motorräder, alte Kotflügel, alte Tresore. Wissen Sie, was da die erste Frage ist? Wann kann ich das abholen? In drei Tagen? Prima. Mit glücklichem Gesicht zahlen die Oldtimer-Kunden drei Tage später bar. Die schnelle und saubere Arbeit beschert uns Kundschaft, nicht ein Tiefpreis."

Für den ehemaligen Betriebsschlosser der Deutschen Reichsbahn ist nicht der Staat der intelligente Denker und Lenker. "Die Vergangenheit hat uns da ja wirklich eines Besseren belehrt. Was soll ein Staat auch tun? Er will die Elektromobilität nach vorne bringen, aber zuständig dafür ist die Wirtschaft selbst. Wir müssen Systeme stecken und Systeme verkaufen. Als Beispiel aus der Elektromobilität habe ich gerade das Hotel an der Elbe genannt. Eine andere, beiden Seiten Nutzen bringende Symbiose sind KWK und Kälte. Kälte kostet. Wie viele Dienstleistungsbetriebe, Lebensmittelunternehmen usw. benötigen alle drei Dinge – Strom, Wärme und Kälte – gleichzeitig? Mit Absorptions-Kältemaschinen halbieren sich die Kältekosten und das BHKW läuft länger. Zuschüsse gibt es auch noch. Darüber muss man reden. Man muss die Argumente an den Kunden herantragen. Wie gesagt, die Umwelt ist das letzte Argument. Nicht mehr als ein Zubrot", betont Winkler.

Zusatznutzen "Vermietbarkeit", Zusatznutzen "Attraktivität", Zubrot "Umwelt": "Vermieter müssen Tiefgaragen bauen, Stellplätze. Also biete ich den Immobilienbetreibern und Projektentwicklern oder Unternehmen an, Ladesäulen und BHKW zu installieren. Denn einige ihrer Mitarbeiter würden sich ja gerne ein E-Auto kaufen, nur können sie es zuhause nicht betanken. Nach acht Stunden an der Ladestation im Betrieb hat zum Beispiel der Renault wieder Energie für die nächsten 200 km. Woher kommt der Strom? Natürlich aus einer BHKW-Anlage. Darüber rede ich mit den potentiellen Kunden."

Ihnen, den Kunden, zeigt die KWM Energie & Umwelt GmbH & Co. KG, wie es geht. Als Servicefahrzeuge schaffte sie sich drei E-Renaults des Typs "ZOE" an. Im Hof schraubte sie unter einem Carport eine Ladestation an die Hauswand. Eine Ladestation ist der Kompromiss zwischen der üblichen Haushaltssteckdose (Schuko-Steckdose) und der Ladesäule. Der Unterschied liegt in der übertragbaren Leistung, bei der Schuko-Steckdose sind es höchstens 3,6 kW, bei einer Ladestation mit Typ-2-Stecker dauerhaft bis zu 7,2 kW (kurzzeitig auch mehr), bei der Ladesäule sind es elektrische Leistungen ab 10 kW aufwärts. Horst Winkler verzichtete auf die Schnellaufladung via Ladesäule für 6.000 bis 8.000 Euro. Er entschied sich für eine Ladestation zum Preis weit unter 1.000 Euro.

Ein Mann lädt ein Elektroauto auf.
Quelle: Bernd Genath
"Tankkosten? Nein danke!" Besucher des Betriebs KWM Energie & Umwelt, Magdeburg, erhalten eine kostenlose Batteriefüllung mit BHKW-Strom und werden so auch auf KWK für das eigene Unternehmen aufmerksam gemacht.

Kraftstoff für E-Autos vom BHKW

Die Ladestation bezieht den Treibstoff für die Mini-Flotte der Firma KWM aus dem "XRGI 9" von EC Power. Das Ladegerät im Fahrzeug wandelt dessen 9 kW in Gleichstrom für die Autobatterien um. An einer simplen Schuko-Steckdose mit ihren 3,6 kW müsste das 40-kWh-Batteriepaket des Renault-"ZOE" zwölf Stunden lang hängen, um wieder voll zu sein. Die Ladestation kommt mit halber Ladezeit aus. Ladesäulen auf Gleichstrom- oder Wechselstrom-Basis mit Ladeleistungen, je nach Typ, bis 50 kW und mehr schaffen es in weniger als einer Stunde – dies hat aber eben seinen Preis. Kommunen, Supermärkte, Möbelhäuser usw. müssen schon wegen der relativ kurzen Besuchszeiten der Bürger oder Kunden Schnelllader installieren, während für Tiefgaragen und für den eigenen Betriebshof Zapfpunkte für 500 oder 600 Euro ausreichen.

Sollte man also im Falle eines E-Autos beziehungsweise langer Ladezeiten den Heizwasserpuffer im Haus größer dimensionieren? "Oft nützt das relativ wenig", schüttelt der Handwerker den Kopf, "vielleicht im Einzelfall, doch wie groß wollen Sie den Puffer machen? Über das »XRGI« wäre er relativ schnell gefüllt und dann stehen Sie vor allem im Sommer ohne Wärmeabnahme wieder vor der Frage: Wohin mit der Wärme? Entscheidend ist die richtige Dimensionierung des BHKW. Eine Batterie zur Ergänzung als kurzfristige Entkopplung des Bedarfs vom Angebot ist eine gute Lösung. Ich gehe davon aus, dass die in absehbarer Zeit preiswerter werden. Was sich ebenfalls anbietet, ist die schon angesprochene Kältemaschine, wenn Bedarf an Kälte besteht. Dann kann das BHKW im Sommer für den Eigenbedarf Kälte und für den Eigenbedarf – ich meine damit das E-Auto – Strom produzieren. Solche Gedanken müssen wir uns machen! Wärme, Strom, Kälte, Antriebsenergie für das E-Auto, Batterie, thermische Speicher – wir müssen systemisch denken und Systeme verkaufen. Der Verbund der verschiedenen Abnehmer und das Hinzukommen der E-Mobilität eröffnen der Kraft-Wärme-Kopplung mittels BHKW ganz neue Chancen. Nur fehlen uns dazu leider die Planer und Fachkräfte."

Ein Blockheizkraftwerk
Quelle: Bernd Genath
Das Blockheizkraftwerk "XRGI 9" von EC Power hat Wartungsintervalle von 10.000 Betriebsstunden. Der erzeugte Strom hat für das Unternehmen einen vierfachen Nutzen: zum Ersten für den eigenen Maschinenpark, zum Zweiten zur Demonstration eines BHKW-Betriebs für das Kundengespräch, zum Dritten als Stromerzeuger für die halböffentliche Ladestation, zum Vierten als Kraftstoff für die Servicefahrzeuge.

Vermutlich auch Grundlagen der Dimensionierung der verschiedenen Komponenten der verschiedenen Kombinationen. Die Versorgungstechnik für die E-Mobilität, nach den Brüsseler Richtlinien neuerdings ein Aufgabengebiet der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA), ist noch ein zu junges Gebiet, um sich schon auf einen anerkannten Stand der Technik abstützen zu können. Wie teuer ist der Kraftstoff aus dem "XRGI-Tank"? "Umgerechnet 60 Cent der Liter", antwortet Horst Winkler.

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Aufs falsche Pferd gesetzt

In das BHKW-Geschäft stieg KWM Energie & Umwelt vor gut zehn Jahren ein. Absolutes Neuland war Kraft-Wärme-Kopplung für den Betrieb insofern nicht, als zu DDR-Zeiten bereits in Magdeburg mit der "SKL" ein in Ostdeutschland führendes Werk, respektive Kombinat, für Generatoren und Wärme-Kopplungs-Anlagen existierte. Winkler kam in jenen Jahren mit den Maschinen in Kontakt. Über einen ehemaligen "SKL"-Mann stieß er nach seiner Orientierungsphase nach der Wende wieder auf die KWK und entdeckte die Vorzüge.

"Nur setzte ich damals auf das falsche Pferd. Ich wählte das Produkt eines bekannten Notstromaggregat-Herstellers, der gerade selbstentwickelte Klein-BHKW auf den Markt brachte, weil er sich sagte: Wer Notstromaggregat kann, kann auch KWK. Das Unternehmen ging später in die Insolvenz, unter anderem deshalb, weil es nicht KWK konnte. Ich habe zehn Maschinen installiert und zehn Mal teuer dazulernen müssen. Nichts war beständig, weder der Motor, noch die Elektrik, noch die anderen Komponenten. Ein oder zwei Einbauten schleppe ich heute noch als Hypothek durch die Bücher. Ich hatte mir die preiswertesten Typen ausgesucht und wie das so im Leben ist, kann preiswert mitunter sehr teuer sein."

Das sei jetzt aber im Prinzip abgehakt. "Den Schwenk zu EC Power machten wir wegen der Qualität, die sich in Fachkreisen herumgesprochen hat, wegen des niedrigen Wartungsaufwands – das Wartungsintervall beim »XRGI 9« beträgt 10.000 Stunden – und wegen der Leistungspalette. Gerade dieser mittlere Bereich ist jener, mit dem Sie die Kunden überzeugen können. Kleinaggregate, wie die unseres ersten Lieferanten mit 4 kWel, spielen nicht den Ertrag ein. Für die Kunden entscheidet nicht die Umwelt. Die wollen wissen, was zwischen Daumen und Zeigefinger übrig bleibt und was Mehrwert schafft. Alles andere interessiert sie nicht oder nur wenig", stellt Winkler klar. Nebenbei, ein weiterer Qualitätsindikator dürfte der sein, dass der Systemtechnikhersteller Buderus und neuerdings auch Vaillant, nach Einstellung der eigenen BHKW-Produktion, EC Power-BHKW verkauft bzw. empfiehlt. Ebenso wie die Handelshäuser der GC-Gruppe.

Für den geringen Wartungsaufwand hat Sohn Toni Winkler, heute Mit-Geschäftsführer und mittlerweile der Spezialist für die "XRGI"-BHKW, einen überzeugenden Grund: "Sehen Sie, der Markt ist ja nicht so riesig. Wenn der sich auf viele Hersteller verteilt, entfallen auf den einzelnen nur ein paar 100 Maschinen. Wegen des Wettbewerbs lässt der Ertrag daraus nicht zu, erheblich in Forschung und Entwicklung zu investieren. EC Power dagegen ist Marktführer in seinem Bereich. Von den Maschinen mit 6 bis 20 kWel arbeiten einige tausend in Deutschland und Europa. Da fließt ein Feedback ins Werk und es ist offensichtlich Geld da, um darauf zu reagieren."

Toni Winkler
Quelle: Bernd Genath
"Der Leasingvertrag für ein »XRGI« ist ein Mietvertrag. Er erscheint also nicht in der Bilanz, berührt mithin nicht die Bonität. Verglichen mit den Kosten für Gewerbestrom bleiben zum Schluss, wenn alles bezahlt ist, sogar noch 1.000 oder 2.000 Euro übrig", so Toni Winkler von KWM Energie & Umwelt.

Das sehe man Jahr für Jahr an den Detailverbesserungen der einzelnen Komponenten. "Aktuell wurden gerade die Wärmeverteiler noch mehr auf die Anforderungen zugeschnitten. Alles ist intelligent und modular aufgebaut. Darüber hinaus kommen sie aufgrund des Baukastensystems in jeden Keller hinein, was sich ganz besonders bei Bestandsmaßnahmen auszahlt. Wie gesagt, wenn man mittlerweile einige tausend Maschinen unters Volk gebracht hat, weiß man, wie man zu bauen hat. Das sieht man auch an der Modulationsfähigkeit. Die meisten Wettbewerber fahren einstufig. Erst ab 50 oder 100 kWel lassen deren Maschinen eine gleitende Fahrweise zu."

"Smart Grid"-fähig ab 7 kWel

Nach Vaters und Sohns Ansicht könnte das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG), das 2016 in Kraft getreten ist, zusätzliche Marktimpulse geben. Das bezieht sich auf "Smart Grid" und "Smart Metering", auf intelligente Netze und intelligenten Verbrauch, die das Gesetz verordnet: Verbrauch dann, wenn der Strom am preiswertesten ist. Das tariforientierte Einschalten der Elektrogeräte und -maschinen bis hin zur Wärmepumpe gilt als einer der Schlüssel zur Energie- und Wärmewende.

Nur besteht die in Deutschland bekanntlich mehr in Absichtserklärungen und fernen Zielsetzungen der Regierenden als in konkretem Handeln. Während andere EU-Staaten den flächendeckenden Einsatz von "Smart Metern" vorbereiten oder teilweise schon vollzogen haben, hatte hierzulande bis Ende 2018 das zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) noch kein einziges Gateway – eine Art notwendiges Modem für "Smart Metering" – zertifiziert. Die Behörde schiebt die Verspätung auf den Datenschutz, der hier einfließt. Doch soll der "Rollout" solcher amtlich geeichten Kommunikationseinheiten jetzt starten.

Für die KWK heißt das: Sie muss ab diesem Jahr ab 7 kWel gateway- beziehungsweise "Smart Grid"-fähig sein, um mit gezieltem Ein- und Ausschalten durch die Netzbetreiber zur Netzstabilisierung beitragen zu können. Die variierende Einspeisung von Wind- und PV-Strom zwingt dazu, in erheblichem Maß positive (Einspeiser, Erzeuger) wie negative Regelenergie (Ausspeiser, Verbraucher) in die Elektrizitätsversorgung einzubinden. KWK bietet sich für beide Formen des Belastungsausgleichs an. Damit wird sie von den Engpässen im Netz preislich profitieren.

Leasing erwirtschaftet Überschuss

Horst Winklers Credo, individuelle Systemlösungen zu erarbeiten statt Produkte zu verkaufen, schließt übrigens Konzepte zur Finanzierung ein: "Wenn Sie einem sanierungswilligen Kunden sagen, die Zweier-»XRGI«-Kaskade kostet je nach Typ komplett 60.000 oder 80.000 Euro, legt der erst einmal die Stirn in Falten. Wenn Sie ihm dann aber sagen, die müssen Sie nicht vorstrecken, wir empfehlen Ihnen zu leasen, ist die Welt plötzlich eine andere – die monatliche Leasingrate liegt unter den Stromeinsparungen und die Zahlungen gehen auch nicht in die Bilanz ein, weil es sich gegenüber einem Bankkredit um einen Mietvertrag handelt."

Überschlägig sieht die Rechnung so aus: Ein "XRGI 15" mit 15 kWel kostet nach Abzug der BAFA-Förderung rund 30.000 Euro. Die Leasingrate dafür liegt bei etwa 5.000 Euro pro Jahr oder um 400 Euro monatlich. Die Einsparungen von 10 Cent/kWh (gegenüber Gewerbe-Netzstrom) summieren sich bereits bei 5.000 Vollbetriebsstunden, ergo 75.000 kWh/a, auf 7.500 Euro/a. Das meint der KWK-Spezialist mit "Geschenke, die unbegreiflicherweise nur wenige auspacken. Geschenke in Höhe von immer noch 1.000 oder 2.000 Euro, wenn ich die Gasrechnung auf 1/3 Strom und 2/3 Wärme aufteile".

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Quelle: Bernd Genath
Bei den "XRGI"-Typen von EC Power sind die einzelnen Funktionen, wie Wärmeverteilung (im Bild) und Elektronik, in separaten Modulen untergebracht. Das erleichtert das Einbringen im Keller, das reduziert den Platzbedarf und das lässt zu, die empfindliche Elektronik abseits der Wärme abstrahlenden Maschine anzubringen. Das Kühlwasser des BHKW zirkuliert durch die Frischwasserstation für die Warmwasserversorgung der Sanitärräume. Der Motor des "XRGI" profitiert davon, da der relativ kühle Rücklauf aus der Frischwasserstation einer Überhitzung vorbeugt.

Ein Wermutstropfen: Diese Variante gestattet das Immobilienrecht nur für die Sanierung. Weil eine Heizungsanlage fest zum Haus gehört, folglich nicht gemietet werden kann. In der Bestandsimmobilie ist aber in der Regel ein Wärmeerzeuger redundant vorhanden. "Der Zusatz »im Bestand« ist deshalb wichtig, weil die Gesetzgebung das Leasen von Heizungsanlagen für bewohnte Neubauten nicht zulässt, es sei denn über die Schleife Contracting. Denn Mieter und Mitarbeiter haben einen Anspruch auf Wärme. Deshalb gehört eine »unselbständige« Wärmeerzeugungsanlage zum wesentlichen Bestandteil eines Gebäudes, weil sie seiner Funktion dient. Sie wird mit dem Objekt abgeschrieben", erklärt Holger Schallert von Schallert Financial Services. Seine Gesellschaft arbeitet als Makler im Leasingbereich schon seit einigen Jahren mit KWM Energie & Umwelt zusammen. Da die Bestandsimmobilie aber in der Regel über eine mit ihr fest verbundene Heizungsanlage verfügt, gilt im Sanierungsfall amtlich die KWK als selbständige Einheit – als Zubehör. Zubehör ist nicht dringend erforderlich, darf mithin gemietet, sprich geleast werden.

Der Leasing-Vertrag ist ein reiner Nutzungsvertrag: Nebenkosten, wie Wartung und Versicherung, bleiben beim BHKW-Nutzer. Die sind aber bereits in der genannten Einsparung von 10 Cent/kWh berücksichtigt. In Deutschland summiert sich der für KWK infrage kommende Bestand im Nichtwohnungsbau – Gewerbeobjekte, Hotels, Altenheime, Krankenhäuser, Büro und Verwaltung etc. – nach Schätzung der Immobilienwirtschaft auf etwa 4 Millionen Einheiten.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2017 weisen im Bestand nicht mehr als 42.900 Klein-BHKW bis 50 kWel aus, das heißt, die Branche hebt nur rund ein Prozent des Potentials. Laut Holger Schallert, ehedem im Vorstand des Bundesverbands Kraft-Wärme-Kopplung e.V. (B.KWK), Berlin, dürften von diesen Einheiten etwa 6.000 bis 8.000 geleast sein.

Er sieht den Grund für die generell geringe Verbreitung und die angekoppelte niedrige Leasingquote "am fehlenden Marketing. Und das in einer Zeit, wo alle über Feinstaub, Kohle, Dieselabgase reden. Das Kundenpotential kennt einfach die Kraft-Wärme-Kopplung nicht. Und nicht die nachweisbaren Betriebskosteneinsparungen, ohne jegliche Investition. Hinzu kommen zudem noch bei einer Betrachtung über zehn oder zwölf Jahre die erheblichen Mehrerträge nach Ablauf des Leasingvertrags."

Freitag, 10.05.2019