KWK essentiell für Versorgungssicherheit und Klimaschutz

Führende KWK-Verbände haben anlässlich des Kongresses interCOGEN (27./28. Juni 2018) die Zusammenarbeit intensiviert, um die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) zu stärken. Sie fordern stabile politische Rahmenbedingungen und eine schnelle Lösung im Streit um das sogenannte "100-Tage-Gesetz" – ein Referentenentwurf zur Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG). Von besonderer Relevanz seien die Vorschläge des Entwurfs für die KWK.

Windräder bei einem Feld.
Quelle: elxeneize / https://de.fotolia.com/
Ein Ausbau von gasbasierten KWK-Systemen mit Wärmespeichern passt zum Ausbau der Stromerzeugung aus fluktuierenden Erneuerbaren Energien wie Windkraft.

Die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) wird für Klimaschutz und Versorgungssicherheit eine wichtige Rolle spielen. Dabei werden vor allem flexibel betriebene KWK-Anlagen einen nachhaltigen und effizienten Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten, indem sie den Ausgleich zu den fluktuierend einspeisenden erneuerbaren Energien schaffen. Auf der interCOGEN, Messe und Kongress zum Thema KWK, trafen sich am 27. Juni 2018 Vertreter der führenden Branchenverbände in Karlsruhe und vereinbarten, künftig noch enger zusammenzuarbeiten.

Mit dabei waren unter anderem der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung e.V. (B.KWK), AGFW | Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e.V., der Verband für Wärmelieferung e.V. (VfW), die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF), die KWK kommt UG sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND).

Nach Meinung des Verbändebündnisses ist die ­andauernde Hängepartie um das "100-Tage-Gesetz" Gift für die Branche. Die Bundesregierung muss nun ins Handeln kommen und die KWK "weiterentwickeln und umfassend modernisieren", wie sie im Koalitionsvertrag versprochen hat. Um die Möglichkeiten der KWK zu entfalten, braucht es dringend stabile ­po­litische Rahmenbedingungen. "Wir wollen heraus­stellen, welch großes Potential in der KWK steckt. Als Effi­zienztechnologie leistet sie schon heute einen un­verzichtbaren Beitrag in verschiedensten Anwendungsgebieten, von der »kleinen« KWK in der Objektversorgung über Industrieanwendungen bis zur Fernwärmeversorgung. Dabei senkt sie CO2-Emissionen und gewährleistet ­Versorgungssicherheit von Strom und Wärme – ge­rade in Zeiten von Dunkelflauten. Notwendig für den weiteren Ausbau der KWK sind jedoch ziel­gerichtete und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Wenn die Hängepartie um das »100-Tage-Gesetz« so weitergeht, wird die Luft schnell dünn werden für die Branche", so die mitwirkenden Verbandsvertreter.

KWK, die "Sektorenkopplerin"

Zusätzlich hatte der B.KWK im Frühjahr 2018 eine Kurzstudie mit dem Titel "Perspektiven der Kraft-­Wärme-Kopplung in der Energiewende" präsentiert. Für die ­Studie haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für ­Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung (IFAM) zwei Szenarien der Sektorenkopplung für Strom und Wärme verglichen: eine weitgehende Ablösung von Heizkesseln durch Elektro-Wärmepumpen und einen verstärkten Ausbau von Systemen der KWK. Die Kurzstudie bezieht sich auf ein weit fortgeschrittenes Stadium der Energiewende im Jahr 2050. Verwendet wurden für die Szenarioanalyse stundenscharfe Zeitreihen für Strom und Wärme aus er­neuerbarer und konventioneller Erzeugung, Stromspeicherung, Lastmanagement etc. Dadurch wurde es möglich, das Zusammenspiel der beiden jeweils do­minanten Wärmeversorgungs-Systeme in hoher zeit­licher Auflösung zu beurteilen.

Dazu aus der Zusammenfassung der Studie: "Aus den in dieser Kurzstudie vorgestellten Simulationen geht ­hervor, dass die forcierte Wärmepumpenstrategie einige gravierende Nachteile mit sich bringt. Die direkte Nutzung von Windkraft und Photovoltaik kann wegen der Zeitstruktur des Strombedarfs der Wärmepumpen nur begrenzt zur Bedarfsdeckung beitragen, auch wenn hierfür ein verstärkter Ausbau der fluktuierenden Erneuer­baren Energien unterstellt wird. Erhebliche Strommengen müssten durch den Betrieb von konventionellen (evtl. fossil befeuerten) Kraftwerken oder durch Importe abgedeckt werden. Ob die im Rahmen des Wärmepumpen-­Szenarios benötigten Strommengen importiert werden könnten, konnte im Rahmen dieser Studie nicht geprüft werden. Die Wärmepumpen verursachen in annähernd 1.000 Stunden eine Last von über 18 GW […] bei einem Maximalwert von 53 GW. Da Maximalwerte regional und überregional synchron zu erwarten sind, verbergen sich hierin auch hohe Anforderungen an den Netzausbau. Dagegen zeigt sich bei einer intensivierten KWK-Strategie, dass die Residuallast über das ganze Jahr zu einem deutlichen Ausgleich geführt werden kann. Dies gilt für den dargestellten Fall, dass die KWK-Systeme flexibel eingesetzte Wärmepumpen und Elektroheizer beinhalten […]. Sowohl die hier modellierten Großwärmepumpen als auch die Elektroheizer würden nur bei negativer Residuallast (Stromüberschüsse) und das KWK-Modul lediglich bei positiver Residuallast (Strommangel) laufen."

Weiterführende Informationen: https://www.bkwk.de

Dienstag, 11.09.2018