Her mit der Meisterpflicht!

Vor allem Fliesenleger im Sinkflug

Weniger Qualität, weniger Ausbildung, aber höhere Schadenssummen: Die Fehlentwicklungen in den „meisterlos“ werkelnden Gewerken...

...lassen sich nicht mehr ignorieren. Jetzt aber kommt Bewegung in die unendliche Geschichte der Handwerksreform 2004. Anfang 2020 könnte es soweit sein. Eventuell tritt dann ein Gesetz in Kraft, das den Meisterzwang vornehmlich in einigen Gewerken der Baubranche wieder einführt. Bei einer Anhörung zu dem Thema im Bundeswirtschaftsministerium forderten jetzt insbesondere Vertreter des Fachverbandes Fliesen und Naturstein (FFN) recht vehement die Pflicht zum Meister im Fliesenhandwerk.

Schon in seiner im Vorfeld dazu abgegebenen Stellungnahme betonte der FFN die Themen Gesundheit für Leib und Leben und Verbraucherschutz. „Der Umgang mit Gefahrenstoffen sowie baustatische und -physikalische Kenntnisse […] sind einige der vielen Aspekte, die nur in der qualifizierten Meisterausbildung vermittelt werden und die der Meisterbetrieb in der Umsetzung beherrscht“, so der Verband. Weiter wesentliche Argumente für das Wiedereinführen der Meisterpflicht insbesondere im Fliesenleger-Handwerk seien die (derzeit mangelhafte) Ausbildungsleistung und der Kulturgüterschutz.

Auf einem Bundesparteitag warb ein Fliesenleger mit dem gefliesten Bekenntnis „Ja zum Meister“ für die Wiedereinführung der Meisterpflicht in seinem Handwerk
Quelle: ZDB/Becker
Auf einem Bundesparteitag warb ein Fliesenleger mit dem gefliesten Bekenntnis „Ja zum Meister“ für die Wiedereinführung der Meisterpflicht in seinem Handwerk

Fatale Entwicklung bei Fliesenlegern

Felix Pakleppa, Geschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB), sieht gravierende Fehlentwicklungen durch die Reform von 2004: „Sachverständigen-Gutachten belegen beispielsweise im Fliesenlegerhandwerk, dass die übergroße Anzahl der Betriebe ohne Meister- oder Gesellenqualifikation eine mangelbehaftete Ausführung liefert. In den Bauberufen, die besonders gefahrengeneigt sind, entsteht ein erhebliches Sicherheitsrisiko.“ Pakleppa nennt dazu auch Zahlen. So sei die durchschnittliche Schadenssumme im Fliesenlegerhandwerk seit 2004 von 9.000 auf rund 16.000 Euro gestiegen. Gleichzeitig leide die Ausbildung. Wurden 2004 noch 550 Meisterprüfungen pro Jahr abgelegt, sei die Zahl seitdem auf magere 100 gesunken. Die Zahl der Fliesenlegerbetriebe hingegen stieg von 12.000 in 2004 auf 70.000.

Auch Politiker ziehen inzwischen ein kritisches Fazit der Handwerksreform von 2004, wie beispielsweise Carsten Linnemann, Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung: „Wir sehen heute objektiv, dass es ein Fehler war, in so vielen Berufen den Meisterbrief abzuschaffen. Und die Qualität leidet auch darunter. Mit anderen Worten: Wir haben einen Qualitätsverlust und in einigen Gewerken auch eine signifikante Verringerung der Ausbildungszahlen. Das war damals nicht gewollt, da muss man sich ehrlich machen, heute ist es eingetreten – und deshalb müssen wir diesen Fehler revidieren.“

Mittwoch, 19.06.2019