Diffusionsoffene Fußbodenheizungen: Schadensfälle vermeiden

Ein Winter mit Außentemperaturen im zweistelligen Minusbereich liegt hinter uns. Intensiver als in den vergangenen Heizperioden waren die örtlichen Heizungsfachbetriebe gefordert – insbesondere auch bei Problemen mit nicht funktionierenden, alten Kunststoffrohr-Fußbodenheizungen. Das Spülen solcher Fußbodenheizungen endete bei vielen Anlagen jedoch im Totalschaden. Fußbodenheizkreise wurden dadurch komplett verdichtet und mussten stillgelegt werden. Ist diese Vorgehensweise wirklich sinnnvoll?

Ein Mann bekommt einen Schwall Wasser ins Gesicht.
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Vorsicht ist geboten, wenn es darum geht, nicht funktionierende, alte Kunststoffrohr-Fußbodenheizungen zu spülen.

Spülen der Fußbodenheizung kann zum Totalschaden führen

"Meine Fußbodenheizung wird nicht richtig warm": Derartige Meldungen von Kunden zu Beginn der Heizperiode kommen in Sachen Dringlichkeit einer ab­gesetzten Brandmeldung gleich. Der Heizungsfachmann sollte doch sofort kommen und das Problem schnell lösen – es ist kalt.

Kundenorientiert schickt man schnell einen Monteur zur Anlage und schließt den Spülschlauch an, da es ja die letzten Male schon so gemacht und danach auch etwas besser wurde. In Abhängigkeit des Verschlammungsgrades und der fest abgelagerten Korrosionspartikel kann sich die "gut gemeinte Maßnahme" aber schnell zu einem Totalschaden der Fußbodenheizung entwickeln.

Denn in den Heizkreisläufen befinden sich inkrustiert harte und weiche Bestandteile. Spült man mit geringem Durchfluss, trägt man nur die weichen Bestandteile ab, bis klares Wasser kommt. Die hart inkrustierten Ablagerungen bleiben vorhanden. Steigert man die Spülintensität, beispielsweise mit einer Druckimpulsspülung, lösen sich abrupt auch die festen Bestandteile in unkontrollierter Form und Größe und können den Kreislauf durch Aufstau irreversibel verschließen. Dieses Gemisch aus festen und zähen Korrosionsmaterialen wird derart stark zusammengepresst, dass ein weiteres Durchkommen unmöglich ist – die Folge: ein "Rohrinfarkt".

Immer mehr solcher Fälle

Die Zahl der Kundenanrufe, die ein derartiges Problem schildern, steigt nach Angabe von Marco Fröhlich von der TGA Rohrinnensanierung AG, Fürth, kontinuierlich. Die Technikabteilung des Anbieters der "oxy-proof-system"-Sanierungstechnik sei in diesem Winter nahezu täglich mit solchen Problemen konfrontiert worden.

Objekte, bei denen annährend 70 Prozent der Fußbodenheizkreise komplett durch Spülmaßnahmen verdichtet wurden, seien eher die Regel als die Ausnahme. "Nach eingehender Prüfung solcher Anfragen konnte teilweise nur noch der Totalschaden der Kreisläufe festgestellt werden. Hätte man hier bereits im Vorfeld agiert, als noch geringe Durchflüsse vorhanden waren, könnte sich die Anlage heute wieder in einem Neuwertzustand be­finden", appelliert Fröhlich an die SHK-Fachbetriebe. Man müsse doch kritisch hinterfragen, ob diese Art der "Ertüch­tigung" vor dem Hintergrund der mög­lichen Risiken und Schadenersatz­forderungen überhaupt noch den allgemein anerkannten Regeln der Technik entspräche.

Aber wie wird die allgemein anerkannte Regel der Technik (im Folgenden a.a.R.d.T.) grundsätzlich definiert?

Eine technische Regel ist dann allgemein anerkannt, wenn sie (Quelle: Technikstandards, Mark Seibel, "Abgrenzung der allgemein anerkannten Regeln der Technik vom Stand der Technik", NJW 41/2013):

a.) der Richtigkeitsüberzeugung der vorherrschenden Ansicht der technischen Fachleute entspricht und darüber hi­naus

b.) in der Praxis erprobt und bewährt ist.

Die Definition der a.a.R.d.T. sagt jedoch noch nichts darüber aus, wie sich die bei den Fachleuten vorherrschende Ansicht und die praktisch erprobten/bewährten technischen Regeln konkret bestimmen lassen. Für die Konkretisierung dieses Standards haben technische Regelwerke, zum Beispiel vom DIN und VDI, eine besondere Bedeutung. Bei der sogenannten "DIN-Gläubigkeit" sollte man dennoch Vorsicht walten lassen, da das Einhalten der entsprechenden Vorgaben nicht zwangsläufig zum Einhalten der a.a.R.d.T. führt.

Beispielsweise können auch mündlich überlieferte technische Regeln zur Konkretisierung herangezogen werden, selbst wenn sie nicht schriftlich niedergelegt worden sind. Trotz der in Deutschland vorhandenen "Normenflut" gibt es immer noch Bereiche, in denen die anerkannten und bewährten Vorgehensweisen keinen Eingang in schriftliche Regelwerke wie etwa Normen gefunden haben, sondern beispielsweise allein nach den (überlieferten) Erfahrungen von Handwerkern zu beurteilen sind. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass technische Regelwerke beachtet werden müssen, aber auch praktische Erfahrungen von Handwerkern Einfluss auf die a.a.R.d.T. nehmen. Darüber hinaus ist mit zu betrachten, dass die a.a.R.d.T. keinen Stillstandsprozess darstellen. Sind Normen veraltet oder überholt? Gibt es neuartige Verfahrenstechniken?

Weiterführende Informationen: http://www.tga-rohrinnensanierung.de

Dienstag, 09.05.2017