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Die Lust am Beruf wecken

Die Gewerblichen Schulen Waldshut zeigen, wie moderne Ausbildung im SHK-Bereich geht.

Wer den "Stand der Technik" in Sachen Aus- und Weiterbildung im Bereich der Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik sehen (und bewundern) möchte, der muss sich an die Gewerblichen Schulen Waldshut wenden. Denn was in Waldshut-Tiengen in Sachen SHK-Technik gezeigt und für Unterrichtszwecke genutzt wird – von "A" wie "Abwasser-Turm" bis "Z" wie "Zentrale Wohnraumlüftung" –, ist wirklich erste Sahne. Die HeizungsJournal-Redaktion konnte sich Anfang Mai 2019 vor Ort ein eigenes Bild machen. Fazit: Nachahmung dringend empfohlen!

Erinnern Sie sich noch an Ihre Zeit an der Berufsschule...? Erinnern Sie sich noch an Ihre Ausbildung zum Heizungs- und Lüftungsanlagenbauer, zum Gas- und Wasserinstallateur oder zum Anlagenmechaniker SHK…? Erinnern Sie sich noch an die Stunden in der Werkstatt mit Schraubstock und Feile…? Wenn ja, welche Gedanken, Bilder und Assoziationen werden da vor Ihrem geistigen Auge wieder lebendig…? Sind Ihre Erinnerungen positiv besetzt oder blicken Sie eher mit einem "leichten Schaudern" auf diesen Lebens- und Berufsabschnitt zurück...? Fest steht jedenfalls, dass die angehenden Anlagenmechaniker und Anlagenmechanikerinnen SHK, die an den Gewerblichen Schulen Waldshut im beschaulichen Waldshut-Tiengen, quasi direkt am Rhein und damit an der schweizer-deutschen Grenze gelegen, ihre Ausbildung machen bzw. zukünftig angehen werden, mit freudigen Gesichtern und lachenden Augen zurückblicken werden.

Schüler probieren einen
Quelle: Berthold Horstmann GmbH/Frank Weigert
Bei der Realisierung der neuen Labor-, Werkstatt- und Unterrichtsräume für den Ausbildungszug "Anlagenmechaniker SHK" an den Gewerblichen Schulen Waldshut ging es nicht primär darum, an allen nur erdenklichen Stellen Kosten einzusparen, sondern es ging darum, gute Ideen und weitreichende Visionen für die Ausbildung im SHK-Fach zu entwickeln und umzusetzen. Im Bild: Der vom Lehrsysteme-Hersteller Berthold Horstmann GmbH realisierte "Abwasser-Turm". Hier können diverse Szenarien der Abwasser-Hydraulik von den Auszubildenden erprobt und erlebt werden – digital gesteuert, versteht sich.

Und dies hat auch ganz triftige und objektiv messbare Gründe. Gründe, die man sofort erkennt, wenn man das Schulgebäude als Besucher zum ersten Mal betritt: Es herrscht eine freundlich-helle Atmosphäre, die unter anderem darauf basiert, dass in den Gewerblichen Schulen Waldshut diverse Vollzeit- und Teilzeit-Schularten angeboten werden und sich so zum Beispiel Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs, der Technikerschule und des Technischen Gymnasiums mit den Schülerinnen und Schülern der Berufsschulklassen durchmischen. Sprich: Es herrscht hier keine schulische Monokultur, sondern eine lebendige und offene Lernkultur mit "neun Schularten unter einem Dach". Ein Ort, an dem sich aktuell fast 1.200 Schüler (ca. 50 Prozent in Berufsschulen) entwickeln und entfalten können und auch dürfen!

Eine Schule mit Vision

Das ist nämlich so – explizit – im Leitbild der Schule verankert. Dieses stellt sozusagen als "Acht-Punkte-Papier" das Grundgesetz des Zusammenseins, -lebens und -arbeitens an den Gewerblichen Schulen Waldshut dar. "Unsere Schule lebt von fachlicher und fächerübergreifender Zusammenarbeit…", "Wir haben Mut, aus Fehlern zu lernen und neue Wege zu gehen" oder "Uns ist eine zeitgemäße Ausstattung für die technische und allgemeine Bildung sowie für eine positive Lernatmosphäre wichtig" – steht hier beispielsweise geschrieben.

Dass das keine bloßen Floskeln und leeren Worthülsen sind und dass sich dieses "Acht-Punkte-Papier" von manch anderem (schul-)politischen Programm komplett unterscheidet – das heißt, real gelebt wird –, das zeigt sich äußerst eindrucksvoll in einer aktuellen Groß-Investition durch den Schulträger Landkreis Waldshut an der Berufsschule. Konkret: im brandneu gestalteten Labor für den Ausbildungszug zum Anlagenmechaniker/ zur Anlagenmechanikerin SHK! Denn hier zeigt sich die eben zitierte "fachliche Zusammenarbeit", hier zeigt sich der "Mut, neue Wege zu gehen", hier zeigt sich die "zeitgemäße Ausstattung"!

Ein Schüler an einer Montagewand für die sanitäre Vorwandinstallation.
Quelle: Berthold Horstmann GmbH/Frank Weigert
Die Schülerinnen und Schüler müssen selbst ran und sich an konkreten Aufgabenstellungen versuchen – "handlungsorientierter Unterricht" heißt das in der Theorie. Ganz praktisch kann das in Waldshut-Tiengen beispielsweise mit den Montagewänden für die sanitäre Vorwandinstallation umgesetzt werden.

Hier zeigt sich aber auch (mal wieder), dass sehr engagierte Menschen hinter einem solchen Vorhaben und Langzeit-Projekt stehen müssen, die eine intrinsische Motivation besitzen und ein wahrhaftiges Interesse am Thema, am Beruf, an der Branche und an den Schülerinnen und Schülern, an den Auszubildenden haben.

Ein Lehrer mit Schwung

Ein solcher Mensch ist Rainer Albicker.

"Wer sehen will, wie gute und nachhaltige Schulentwicklung in der Realität geht, der muss uns an den Gewerblichen Schulen in Waldshut besuchen", fasst er, der seit 19 Jahren als Gewerbelehrer tätig ist, das Projekt "Neues SHK-Labor" im Gespräch mit der HeizungsJournal-Redaktion kurz und prägnant zusammen. Wobei die vergangenen knapp drei Berufsjahre (von den ersten Überlegungen und Planungen über den Startschuss des Projekts bis hin zur offiziellen Eröffnung Mitte Mai 2019) sicherlich zu seinen spannendsten zählen dürften – im positiven Sinne, natürlich!

Mit "guter und nachhaltiger Schulentwicklung" meint Albicker konkret die "nicht alltägliche und nicht selbstverständliche Win-win-Situation im Zusammenwirken der unterschiedlichen beteiligten Personen, Firmen und Institutionen. In diesem Projekt haben der Landrat, das Schulamt, die Schulleitung, das Lehrerkollegium sowie der Lehrsysteme-Hersteller Berthold Horstmann GmbH vorbildlich, ja: mustergültig, zusammengearbeitet. Außerdem haben sich die Kreishandwerkerschaft, die Handwerkskammer sowie einige Hersteller aktiv am Projekt beteiligt."

Unterricht in einer Berufsschule.
Quelle: Berthold Horstmann GmbH/Frank Weigert
Als "Juwel der Schule" bezeichnen Rainer Albicker (li.) und seine Lehrer-Kollegen das neue Labor. Nicht nur, weil hier von "A" wie "Abwasser-Turm" über "H" wie "Hydraulik-Lehrstand", "P" wie "Pellet-Brennwerttechnik", "S" wie "Solarthermie" bis hin zu "W" wie „Wasseraufbereitung“ und "Z" wie "Zentrale Wohnraumlüftung" viele Praxis-Situationen des Berufsbilds real abgebildet werden können. Vor allem macht die Unterrichtszeit hier allen Spaß und es wird der "Spieltrieb" gefördert und gefordert.

Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Jedoch: Das Ergebnis dieser konstruktiven Kollaboration lässt sich ja mittlerweile live und in Farbe begutachten, anfassen und erleben. "Bei der Realisierung der neuen Labor-, Werkstatt- und Unterrichtsräume ging es erfrischenderweise nicht primär darum, an allen nur erdenklichen Stellen entsprechend Kosten einzusparen, sondern es ging tatsächlich darum, gute Ideen und weitreichende Visionen für die Ausbildung im SHK-Fach zu entwickeln und umzusetzen", so Albicker voller Freude und ergänzt: "In Summe ist das auch ein sehr starkes Bekenntnis des Landkreises zum Lehrberuf Anlagenmechaniker SHK!"

Rainer Albicker und Jörg Gamperling.
Quelle: HeizungsJournal
Gewerbelehrer Rainer Albicker (r.) und HeizungsJournal-Chefredakteur Jörg Gamperling machen die Probe aufs Exempel und messen die Luftqualität in der "Spielwiese SHK-Labor". Sämtliche Messwerte werden dabei digital erfasst, in Diagrammen auf der Großbild-Leinwand live visualisiert und können schließlich von den Schülerinnen und Schülern diskutiert werden.

Weiterführende Informationen: https://www.gs-wt.de/

Mittwoch, 05.06.2019

Von Jörg Gamperling
Chefredaktion HeizungsJournal