Wandheizung und Innendämmung in Altbauten - bauphysikalisch sicher

In Altbauten lässt sich das gesamte Effizienzpotential eines Heizsystems nicht allein durch den Wärmeerzeuger-Austausch erschließen. Anzustreben sind möglichst niedrige Systemtemperaturen, die sich nur in Verbindung mit einem Flächenheizsystem und geeigneten Dämmmaßnahmen an der Gebäudehülle erreichen lassen. Soll die Fassade erhalten bleiben, sorgt eine aufeinander abgestimmte Kombination von Innendämmung und Wand­heizung für einen reduzierten Wärmebedarf und einen höheren Wohnkomfort.

Die Bundesregierung plant, im Rahmen der Energiewende den Primärenergiebedarf bis 2050 um 50 Prozent zu senken. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, soll der Primärenergiebedarf zunächst bis 2020 um 20 Prozent (gegenüber dem Jahr 2008) verringert werden – durch ­Reduktion des Energieverbrauchs und Steigerung der Energieeffizienz.

Dieser Ansatz ist grundsätzlich sinnvoll, denn gerade Immobilien, die vor 1979 gebaut wurden, verbrauchen 75 Prozent der Energie für Raumwärme und Warmwasser. Und nur etwa 70 Prozent dieser Häuser verfügen über eine Dämmung.

Verschärfend kommt hinzu, dass – laut Angaben des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie e.V. (BDH) – rund 70 Prozent aller Wärmeerzeuger in Bestandsgebäuden nicht dem aktuellen Stand der Technik entsprechen.

Mit dem Austausch des Wärmeer­zeugers alleine lässt sich das Effizienzpotential des Heizsystems allerdings nicht erschließen. Ein wesentlicher Optimierungsbaustein sind möglichst niedrigere Systemtemperaturen in Verbindung mit Flächenheizsystemen.

Beispielsweise lässt sich bei einem Gas-Brennwertkessel der Nutzungsgrad um fünf bis sieben Prozent verbessern, wenn dieser mit einer Fuß­bodenheizung (45/35 °C) anstatt mit den vorhandenen Radiatoren (70/55 bzw. 55/45 °C) betrieben wird.

Noch stärker als bei Brennwertkesseln beeinflusst das Temperaturniveau der Wärmeübergabe die Effizienz von Wärmepumpen und ­solarthermischer Heizungsunterstützung.

Flächenheizsysteme bieten aber noch einen weiteren Effizienzvorteil: Durch die höhere Strahlungstemperatur aufgrund der beheizten raumumschließenden Flächen kann im Vergleich zu Radiatoren die Lufttemperatur ohne Behaglichkeitseinbuße um bis zu 2 K abgesenkt werden. Dadurch lässt sich eine Energieeinsparung von bis zu zwölf Prozent realisieren.

Innendämmung als Problemlöser in Altbauten

Realisieren lassen sich niedrige Systemtemperaturen und der nachträgliche Einbau von Flächenheizsystemen in Altbauten meist nur in Verbindung mit einer energetischen Sanierung der Gebäudehülle. Durch entsprechend aufeinander abgestimmte Maßnahmen können die Hausbesitzer die Heizkosten dauerhaft senken und den Wert ihrer Immobilie steigern.

Doch nicht in jedem Fall ist eine nachträgliche Fassadendämmung wirtschaftlich und technisch sinnvoll, z.B. wenn der Dachüberstand zu gering ist oder der handwerkliche Aufwand aufgrund einer verwinkelten Kubatur sehr aufwendig wäre.

Hinzu kommen Gebäude, deren Fassade erhalten bleiben muss oder soll: aus Denkmalschutzgründen oder aus ästhetischen und architektonischen Gründen, wie beispielsweise bei Gründerzeitbauten oder bei Häusern mit Klinkerfassade. Der Anteil aller Gebäude, die in diese Kategorie fallen, wird auf etwa 20 Prozent geschätzt.

Um im Rahmen einer umfassenden energetischen Sanierung den Wärmeschutz der Außenwand dennoch zu verbessern, bietet sich die Innendämmung als Problemlöser an. Allerdings muss dieses Verfahren mit Vorurteilen kämpfen, denen u.a. die Hessische Energiespar-­Aktion in einer Broschüre entgegentritt: "Die Innendämmung steht zu Unrecht in dem Ruf, Feuchte- oder Schimmelschäden zu verursachen. Die Zahl solcher Schäden nach Innendämmmaßnahmen ist nicht groß und beruht stets auf einer unsachgemäßen Ausführung der Dämmung." (Quelle: Wärmeschutz der Außenwände durch Innendämmung ver­bessern, Energiespar-Information Nr. 11, www.energiesparaktion.de)

Deshalb gilt es, eine Innendämmung im Altbau sorgfältig zu planen. Dazu gehört vor allem, den Feuchtegehalt der Außenwand im Jahresverlauf zu überprüfen. Bei mangelndem Schlagregenschutz, bei Fassaden- und Außenputzschäden oder bei aufsteigender Feuchtigkeit aus dem Untergrund sind zuerst geeignete Gegenmaßnahmen zu treffen.

Innendämmung kann Feuchtigkeit aufnehmen

Im Winter stellt sich ein Temperaturunterschied zwischen der Innen- und Außenseite einer Wand ein. Entlang des Temperaturunterschiedes bildet sich auch ein Dampfdruckgefälle und in Folge ein Dampfdiffusionsstrom aus, der auf der kalten Seite der Wärmedämmung zu einer Feuchteanreicherung führt. Dampfdiffusionsdichte Aufbauten unterbinden diesen Diffusionsstrom durch den Einbau einer Dampfbremse oder eines dampfdichten Dämmstoffes. Doch schon leichte Beschädigungen der Dampfbremse/Folie können die Konstruktion insgesamt stark schwächen. Auch deshalb haben sich neuerdings dampfdiffusionsoffene und kapillaraktive Innendämmungen etab­liert.

"TecTem"-System von Knauf Aquapanel

Hier ist z. B. das "TecTem"-System von Knauf Aquapanel zu nennen, das auf einer faser- und schadstofffreien, nicht brennbaren Dämmplatte aus dem Vulkangestein Perlit basiert. "TecTem ­Insulation Board Indoor" ist in der Lage, anfallendes Kondensat durch die kapillaraktiven Eigenschaften des Materials schnell aufzunehmen. Ein weiterer Vorteil des Systems ist der diffusionsoffene Wandaufbau, der eine Austrocknung der Konstruktion nach innen und außen ermöglicht. Darüber hinaus können Feuchtespitzen der Raumluft im Dämmsystem zwischengespeichert und bei Entlastung wieder abgegeben werden. So ist immer für ein behagliches Raumklima gesorgt. Optimale Dämmstärken liegen bei etwa 5 bis 8 cm, womit eine gute Dämmwirkung bei gleichzeitig relativ geringem Wohnraumverlust erzielt wird.

Bei der Montage ist es wichtig, die Dämmplatten vollflächig zu verkleben, so dass keine Hinterströmung der Dämmung stattfindet. Zudem gilt es, auf eine wärmebrückenfreie Ausführung, insbesondere im Bereich der Fenster und Decken, zu achten. Sind Steckdosen oder Befestigungspunkte, z.B. für Regale, im Bereich der Innendämmung geplant, lassen sich entsprechende Montageblöcke einsetzen. Nach Montage der Innendämmung muss bei vorhandenen Heizkörpern die Befestigungs- sowie Anschlusssituation neu gelöst werden.

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Wandheizung verstärkt Vorteile der Innendämmung

Wesentlich einfacher ist es, das "TecTem"-System mit einem Wandheizsystem zu kombinieren. Im Zusammenspiel mit dem "Renovis"-System von ­Uponor ergibt sich eine verarbeiterfreundliche Lösung. Hauptbestandteile dieser Wandheizung sind die nur 15 mm dicken "Renovis"-Elemente, bei denen PE-Xa-Flächenheizrohre in der Dimension 9,9 x 1,1 mm bereits werkseitig in eine Gipskartonplatte integriert sind. Diese Elemente, die es in drei Größen gibt, lassen sich in Trockenausbauweise auf einer Holzlattung oder auf Standard-CD-Pro­filen 60/27 im Wand- und Decken­bereich installieren. In Verbindung mit der "TecTem"-Innendämmung kann der ­Heizungsfachhandwerker die "Renovis"-Elemente mit Knauf-"Perlfix"-Batzen auf die zuvor grundierten Dämmplatten kleben. Der Feuchtigkeitsausgleich wird dabei nicht behindert, weil die "Renovis"-Platte ebenfalls dampfdiffusionsoffen ist.

Innendämmsysteme haben noch einen weiteren Vorteil: Durch die Innendämmung erhöht sich die Temperatur auf der Wandoberfläche soweit, dass kein Feuchtigkeitsausfall mehr stattfindet. Auf diese Weise verhindert und behebt das System Schimmelpilz- und Feuchteschäden und steigert die Wohngesundheit. Eine zusätzliche Wandheizung verstärkt diese Wirkung und schützt darüber hinaus wirksam vor einer Schimmelpilzbildung an den geometrischen Wärmebrücken.

Die "Renovis"-Platten ermöglichen Heizleistungen von bis zu 120 W/m2 an der Wand und 60 W/m2 an der Decke; die maximalen Oberflächentemperaturen liegen bei der Wand bei 40 °C (ISO 7730) bzw. 29 °C (DIN EN 1264).

Durch den hohen Strahlungswärmeanteil wird mit einer Flächentemperierung eine gleichmäßigere Wärmeverteilung bei geringerer Raumlufttemperatur im Vergleich zu konvektiven Heizsystemen erreicht. Und weil Trockenbau-Flächenheizungen nur eine vergleichsweise geringe Masse besitzen und die Rohre sich nur knapp unter der Oberfläche befinden, ist in Kombination mit der passenden Regelungstechnik eine schnelle Aufheizung garantiert.

Doch nicht nur die thermische Behaglichkeit erhöht den Wohnkomfort der Bewohner: Viele empfinden es als angenehm, dass die Raumgestaltung nicht mehr durch sichtbare Heizkörper beeinflusst wird. Auch für eine nachträgliche bodentiefe Verglasung gibt es keine Hindernisse mehr.

Und an heißen Tagen lassen sich das Wand- und besonders auch das Deckensystem mit durchschnittlichen Betriebstemperaturen zwischen etwa 16 und 19 °C zusätzlich zur Raumkühlung verwenden. Voraussetzung für einen energiesparenden Kühlbetrieb ist eine reversible Luft/Wasser-Wärmepumpe oder eine Sole/Wasser-Wärmepumpe mit geothermischer Nutzung, die fast ohne zusätzlichen Energieaufwand auch eine passive Kühlung ermöglicht.

Um eine angenehme Kühlung und eine möglichst hohe Heizkosteneinsparung ohne Komforteinbußen zu erzielen, ist die Einbindung eines Regelungssystems notwendig. So kann z. B. die neue, selbstlernende ­Regelung Uponor-"Smatrix" mit Autoabgleich das ­Flächenheiz- und -kühlsystem automatisch und kontinuierlich optimieren. Insbesondere im Renovierungsfall benötigen Planer und Fachhandwerker dadurch keine Daten für die Berechnung der Wassermengen für den Heiz- und den Kühlfall. Außerdem wird durch den kontinuierlichen Autoabgleich die Hydraulik des Systems innerhalb weniger Stunden umgestellt.

Die Kombination der Innendämmung "TecTem" mit dem Flächenheizsystem "Renovis" bietet Modernisierern, Architekten, Planern und Fachhandwerkern noch weitere Vorteile: Die durchdachten und aufeinander abgestimmten Komponenten ermöglichen eine raumweise sowie bei Bedarf auch eine etappenweise Sanierung bei vergleichsweise kurzen Montagezeiten. So bleibt die Wohnung oder das Haus auch während der Arbeiten weiterhin bewohnbar.

Auch ein nachträglicher Ausbau eines ungedämmten Spitzbodens zum Wohnbereich lässt sich auf diese Weise unproblematisch umsetzen. Praktisch ist außerdem, dass sich das "Renovis"-System auf fast allen vorhandenen Untergründen befestigen lässt, selbst wenn sich diese in einem schlechten Zustand befinden. Eventuell not­wendige Elektro-, Trinkwasser- oder Lüftungsinstallationen lassen sich im Konstruktionshohlraum unterbringen, wodurch sich die Gesamtinstallationszeit zusätzlich verkürzt.

Fußbodenheizsystem kann Restheizlast decken

Doch was tun, wenn die Heizleistung der Flächenheizung an der Außenwand und eventuell im Deckenbereich nicht ausreicht, um die Heizlast eines Raumes zu decken?

Zum einen besteht die Möglichkeit, auch die Innenwände mit Wandheizelementen zu bestücken. Allerdings ist dies mit Blick auf die Aufstellmöglichkeit von breiten und hohen Möbelstücken in der Praxis oft nicht oder nur teilweise möglich.

Alternativ bietet sich deshalb eine Fußbodenheizung an, sofern zum einen der Bodenbelag erneuert oder renoviert werden kann bzw. muss und zum anderen eine gewisse Aufbauhöhe vorhanden ist. Während ein klassisches Trockenbausystem, wie Uponor-"Siccus", eine Mindestaufbauhöhe von 55 mm (+ Belag) benötigt, sind spezielle Niedrigaufbausysteme für die Renovierung, wie Uponor-"Minitec", wesentlich genügsamer.

Das nur 1 cm hohe "Minitec"-Folien­element, welches die PE-Xa-Rohre aufnimmt, lässt sich bei Bedarf sogar auf einem vorhandenen Estrich, Holz- oder Fliesenbelag verlegen. Die Klebeschicht auf der Rückseite des Elements garantiert den festen Verbund zum Untergrund während der Montage. Die Ausgleichsschicht wird bis knapp über die Noppen eingebracht, so dass sich eine Aufbau­höhe von minimal nur 15 mm ergibt. Je nach Oberbelag erreichen die Gesamt­höhen etwa 17 bis 30 mm. Ist sogar das noch zu hoch, kann das Uponor-"Comfort Pipe" für die Fußbodenheizung mittels Frästechnik direkt in den bestehenden Estrich verlegt werden. Zent-Frenger Energy Solutions bietet dies für den Fachhandwerker als komplette Dienst­leistung an.

Ist eine Fußbodenheizungsinstallation gar nicht machbar, gibt es andere Möglichkeiten, um eine Restheizlast zu decken. Dazu gehören z. B. ein Holz- oder Pellet-Kaminofen oder ein Niedertemperatur-Heizkörper (an der Innenwand). Als Problemlöser empfehlen sich auch spezielle Konvektor-Heizflächen mit integriertem Gebläse sowie teil- oder vollelektrisch betriebene Wohn- und Badheizkörper.

Fazit

Auch bei Gebäuden, bei denen die Fassade erhalten werden muss oder soll, ist eine unkomplizierte energetische (Teil-)Sanierung möglich: in Verbindung mit einer dampfdiffusionsoffenen, kapillar­aktiven Innendämmung und einer da­rauf abgestimmten Wandheizung. Diese bauphysikalisch sichere Systemlösung sorgt mit ihrem hohen Strahlungsanteil, ihren angenehmen Wandtemperaturen und ihrer ­integrierten Feuchteregulierung für einen höheren Wohnkomfort der Bewohner und für geringere Heizkosten. Denn bedarfsgerecht ausge­legte Brennwertgeräte und Wärme­pumpen arbeiten in Verbindung mit Flächenheizsystemen noch energiesparender. ­

Zudem ermöglichen in Alt­bauten oft erst Dämmmaßnahmen den effizienten Einsatz von solarer Heizungsun­terstützung und von Wärmepumpen­systemen, wodurch sich auch die Tür zu Fördermitteln des BAFA-Markt­anreizprogramms öffnet. Angenehmer Nebeneffekt für SHK-Fachbe­triebe: Die dargestellten Maßnahmen steigern spürbar den Umsatz des Heizungsmodernisierungsauftrags und die Kundenzufriedenheit.

Donnerstag, 28.05.2015