Das Standard-Heizsystem gibt es nicht (mehr)

Interview mit Peter Kiewardt von Remeha

Die Wahl des richtigen Wärmeerzeugers ist nicht immer leicht getroffen. Setzt man auf neue Techniken oder doch eher auf das „Altbewährte“? Peter Kiewardt ist Leiter regenerative Systeme bei Remeha und bezieht im Interview mit dem HeizungsJournal Stellung zu aktuellen Trends sowie zu den vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten von Wärmeerzeugern.

Herr Kiewardt, der Heizungsmarkt lebt im und vom ständigen technischen Wandel. Das können Sie sicher bestätigen. Was dürfen wir in den nächsten Jahren denn technologisch erwarten? Wo sehen Sie die Heizungsbranche in fünf Jahren?

Die Umsetzung der Energiewende ist sicherlich das Thema in den nächsten Jahren. Hier stehen unsere Kunden vor einer großen Herausforderung. Ein Punkt ist es, die richtige Planung der Wärmeerzeuger umzusetzen. Ein weiterer wichtiger Bereich ist der Fachkräftemangel. Genau bei diesen beiden Themen bieten wir unseren Kunden durch eine sehr gute Planungsunterstützung und ein breites Programm an Systemen bestmögliche Unterstützung.

Bleiben wir vorerst beim Meta-Thema Energiewende. Sicherlich spielt hier die individuelle Anpassungsfähigkeit der Heizanlage vor Ort eine übergeordnete Rolle. Sie sprachen eben die Wichtigkeit der Planung an. Wo liegt aus Ihrer Sicht der aktuelle Stand von Hybridanlagen?

Sicherlich ist ein hybrides Heizsystem eine gute Wahl im Gebäudebestand. Wir haben Hybridsysteme im kleinen wie auch im großen Leistungsbereich, selbst über ein Megawatt, im Programm. Essenziell ist es aber, das System auf das Gebäude und das Nutzerverhalten abzustimmen. Bei Remeha sind wir im Heizbereich sehr breit aufgestellt und haben gerade in der Sanierung eigentlich immer die passende Lösung.

Können Sie uns dazu mehr sagen? Wie kann eine solide Lösung im Bestand aussehen?

Zu empfehlen ist hier sicherlich ein System, das – wie bereits erwähnt – auf das Gebäude und Nutzerverhalten abgestimmt ist. Ein Standardsystem für alle Anwendungen ist aus unserer Sicht nicht zielführend und auch nicht auffindbar. Daher kann ich die Frage so nicht beantworten. Kombinationen aus einem Gas-Brennwertgerät und zum Beispiel einer Wärmepumpe, thermischen Solarthermieanlage, einem BHKW oder einer Brennstoffzelle wären denkbar. Bei der Planung eines Systems stehen wir unseren Kunden beratend zur Seite.

Sie nennen die Einbindung von Wärmepumpen oder thermischen Solarthermieanlagen. Regenerative Energien erfreuen sich bei Entscheidern einer immer größer werdenden Beliebtheit. Welche Technik hat hier die Nase vorn?

Immer stärker rückt die Wärmepumpe in den Fokus. Diese ist sicherlich eine gute Möglichkeit, regenerative Wärme einzubinden. Stellen Sie sich ein Gebäude vor, welches ein Hybridsystem aus einem Gas-Brennwertkessel und einer Wärmepumpe erhält. Die Systemtemperaturen sind aktuell noch recht hoch und das Gebäude ist noch auf einem alten Stand, was die Gebäudedämmung angeht. Aber bereits jetzt kann die Wärmepumpe entsprechend effizient unterstützen. Der Kunde saniert Stück für Stück sein Objekt und die Systemtemperaturen können entsprechend abgesenkt werden. Nun kann die Wärmepumpe immer mehr der Jahresheizarbeit übernehmen. Im besten Fall kann diese den Gaskessel zeitweise vollständig ersetzen. Man sieht, der Modernisierer ist dadurch auch für die Zukunft gerüstet.

Die Wärmepumpentechnologie ist ein gutes Stichwort. Hörte man in früheren Jahren noch häufiger von Sole/Wasser-Geräten, so scheinen heute die Luft/Wasser-Wärmepumpen mehr in den Fokus gerückt zu sein. Deckt sich dies mit Ihrer Marktbeobachtung?

Durch die ständige Weiterentwicklung der Wärmepumpentechnologie rückt die Luft/Wasser-Wärmepumpe immer stärker in den Fokus. Diese sind mittlerweile sehr effizient und laufen den Sole/Wasser-Wärmepumpen den Rang ab. Das kann man durchaus so sagen.

Lassen Sie uns nochmals auf die Solartechnik zu sprechen kommen. Sehen Sie in diesem Bereich ebenfalls Potential?

Die Energie der Sonne ist kostenlos – also eine gute Möglichkeit. Sei es als thermische Solaranlage oder als Photovoltaik (PV). Die PV-Anlagen eignen sich sehr gut in Kombination mit einer Wärmepumpe. So kann der selbst erzeugte Strom mit für den Antrieb der Wärmepumpe genutzt werden. Besteht ein Stromüberschuss, ist es sogar möglich, dass die Wärmepumpe zum Beispiel die geforderte Puffertemperatur überfährt und somit Energie zu einem gewissen Teil speichern kann.

Auch Blockheizkraftwerke (BHKW) findet man häufig in Hybridanlagen. In diesem Zusammenhang stellt sich eine weitere Frage. Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach zukünftig selbst produzierter Strom? Und wie kann man ihn optimal im Eigenheim nutzen?

Immer mehr Eigenheimbesitzer streben einen hohen Grad an Autarkie an. Hier ist ein BHKW eine sehr gute Variante. Der selbst produzierte Strom kann beispielsweise genutzt werden, um eventuell ein Elektrofahrzeug zu laden. Ergänzt durch ein Batteriesystem ist es überdies möglich, die Grundlast eines Gebäudes zu einem sehr hohen Teil zu decken. Somit fließt auch ein Großteil der Investition wieder zurück. Perfekt ausgelegte BHKW amortisieren sich nach etwa fünf bis sieben Jahren. Im besten Fall sogar früher. Es kann sich also lohnen, über den Einsatz dieser Technologie nachzudenken.

Werfen wir mal einen Blick auf den Energieträger Wasserstoff. Auf der diesjährigen ISH digital war das „grüne Gas“ ja fast in aller Munde. Wie positionieren Sie sich bei diesem Thema?

Die Wasserstofftechnologie ist eine sehr gute Möglichkeit, in Zukunft den CO!SUB(2)SUB!-Ausstoß zu reduzieren. Auch hier entwickeln wir gerade Wärmeerzeuger, die mit 100 Prozent Wasserstoff betrieben werden können. Ein erster Feldversuch wurde im Jahr 2019 in Rozenburg in den Niederlanden umgesetzt. In diesem Jahr wird auch eine Anlage in NRW entstehen. Wir werden in naher Zukunft darüber berichten!

Eingangs haben Sie das Stichwort „Fachkräftemangel“ erwähnt. Welche Strategie verfolgt Remeha, um dieses Problem zu lindern?

Die Installateure und Planer benötigen immer mehr Unterstützung, da ihnen oft einfach die Zeit fehlt. Unsere Kollegen im Innen- und Außendienst sind Experten und stehen unseren Kunden beratend zur Seite. Dies ist uns sehr wichtig. Wir haben auch sehr gute Planungshandbücher, welche ebenfalls eine Hilfestellung bieten. Selbstverständlich beraten wir unsere Kunden auch vor Ort. Wir fahren beispielsweise gemeinsam die Objekte an, um bereits von Anfang an bei der Planung involviert zu sein.

Lassen Sie uns nun auf die finanziellen Förderungen blicken. Oft wird in diesem Kontext von einem „Förder-Dschungel“ gesprochen. Blickt man auf die Möglichkeiten und die zu erfüllenden Voraussetzungen, trifft diese Definition zu. Wie schätzen Sie die Thematik ein?

Ich gebe Ihnen hier absolut recht. Bei der Vielzahl an Fördermöglichkeiten ist es schwer, den Überblick zu behalten und vor allen Dingen immer auf dem neuesten Stand zu sein. Hierfür haben wir unseren Förderservice entwickelt und ein Tool auf unserer Homepage bereitgestellt. Dieser unterstützt unsere Kunden bei der Beantragung und Abwicklung der Förderung. Wir bieten den Förderservice für die BEG-Einzelmaßnahmen, die BHKW und auch den Förderservice für unsere Brennstoffzelle an. Im Bereich BHKW haben wir sogar einen Betreiberservice. Der Förderservice für eine Gas-Hybridheizung kostet beispielsweise 199 Euro (netto).

Weiterführende Informationen: https://www.remeha.de/fachpartner

Mittwoch, 29.09.2021