Bei Aufstockung unbedingt Brandschutz einplanen!

Nachverdichtung gegen Wohnungsnot

Das Aufstocken von Wohn- oder Gewerbegebäuden im Bestand gilt als probates Mittel zur Schaffung neuen Wohnraums. Dabei muss jedoch der Brandschutz für das ganze Gebäude neu geplant werden.

Zur Linderung der Wohnungsnot in besonders begehrten städtischen Lagen wird oftmals die Nachverdichtung als ein leicht zu realisierender Ausweg zur Schaffung neuen Wohnraums diskutiert. Durch das Aufstocken bereits vorhandener Mehrfamilienhäuser, von Büro- und Verwaltungsgebäuden sowie das Überbauen von Super-Märkten oder Parkhäusern könnten bis zu 2,7 Millionen neuer Wohneinheiten entstehen. Das zumindest haben die Autoren der „Deutschland-Studie 2019“ ausgerechnet.

„Die Nachverdichtung der vorhandenen Bebauung ist ein guter Ansatz, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen“, sagt auch Jörg-Uwe Strauß, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für vorbeugenden Brandschutz (DIvB). Gleichzeitig weist er aber warnend darauf hin, dass „gerade bei der Aufstockung bestehender Gebäude der Brandschutz zwingend schutzzielorientiert überprüft und angepasst werden muss.“ In jedem einzelnen Fall sei zu bedenken, dass sich möglicherweise die Nutzungsart des Gebäudes verändere und sich mehr Menschen im Gebäude aufhalten. Oftmals wird aus statischen Gründen die Aufstockung in Holzbauweise ausgeführt. Das erhöht zusätzlich die Anforderungen an den vorbeugenden Brandschutz.

Das Prinzip des Sicherheitsaufzugs: Überdruck hält den Vorraum zum Lift im Brandfall rauchfrei, obwohl die Nutzungseinheiten schon total verqualmt sind.
Quelle: Systemair
Das Prinzip des Sicherheitsaufzugs: Überdruck hält den Vorraum zum Lift im Brandfall rauchfrei, obwohl die Nutzungseinheiten schon total verqualmt sind.

Aufzug als Rettungsweg

Konkret empfiehlt der DIvB ergänzend installierte Sicherheitsaufzüge als zweiten baulichen Rettungsweg – so sie denn vom Bauordnungsrecht als solcher anerkannt werden. Entsprechende rechtliche Änderungen und Erleichterungen sollten sich einfach realisieren lassen. Das Institut verweist auf ein zusätzliches Plus: „Solche Aufzüge unterstützen nicht nur die Selbstrettung der Bewohner, sondern ermöglichen ihnen zudem einen barrierefreien Zugang zur Wohnung und erhöhen so den Wohnkomfort.“ Dabei hielten sich die Mehrkosten für Aufzüge und die Wertsteigerung der Immobilie die Waage, rechnet das DIvB. Zudem biete eine Aufstockung die Chance, das komplette Gebäude auch energetisch auf den neuesten Stand zu bringen.

Montag, 13.05.2019