Brennstoffzellenheizgeräte

legten in 2020 weiter zu

Brennstoffzellen für die Hausenergieversorgung waren in Deutschland im vergangenen Jahr gefragt wie nie. Aufgrund hoher finanzieller Förderung verbuchten die Anbieter von Brennstoffzellenheizgeräten mit rund 3.500 verkauften Geräten in 2020 einen neuen Absatzrekord. Zur Wahl standen die Marken Viessmann, Solidpower, Buderus, SenerTec, Remeha und Sunfire.

Für die Anbieter von Brennstoffzellenheizgeräten erwies sich das Corona-Jahr 2020 als Boom-Jahr. Nachdem man im Jahr 2018 etwa 2.500 Geräte und in 2019 rund 2.600 abgesetzt hatte, stieg die Nachfrage in 2020 um rund ein Drittel auf rund 3.500 verkaufte Geräte – ein neuer Absatzrekord (Abb. 1). Gleichwohl reden wir hier immer noch von einer Nische. Im Vergleich zu den insgesamt im Heizungsmarkt abgesetzten Wärmeerzeugern machten sie nur 0,4 Prozent aus. Die elektrische Leistung der im vergangenen Jahr in Deutschland verfügbaren Brennstoffzellenheizgeräte lag zwischen 0,75 und 1,5 kW, die thermische Leistung zwischen 0,85 und 1,25 kW (Abb. 2). Um Wärmebedarfsspitzen abzudecken, kam ein klassischer Spitzenlastkessel zum Einsatz, in der Regel ein Gas-Brennwertkessel. Bei reinen Einzelgeräten wurde dieser samt Warmwasserspeicher installationsseitig angeschlossen. Bei integrierten Lösungen war der Gas-Brennwertkessel samt Warmwasserspeicher bereits im Brennstoffzellenheizgerät enthalten.

Als Aktualisierung des umfangreichen Branchenberichts vom vergangenen Jahr (vgl. HeizungsJournal, Ausgabe 6-2020, https://tga.li/3sg) hat sich die Redaktion bei den Anbietern Viessmann und Solidpower, Bosch Thermotechnik (mit der Marke Buderus), BDR Thermea (mit den Marken SenerTec und Remeha, künftig soll auch Brötje hinzukommen) und Sunfire umgeschaut, wie sich die Corona-Krise auf das jeweilige Geschäft mit Brennstoffzellenheizgeräten ausgewirkt hat.

Die Förderbedingungen jedenfalls waren attraktiv – und sie sind es weiterhin. Die Investitionszuschüsse für den „Einbau innovativer Brennstoffzellensysteme in Wohn- und Nichtwohngebäude“ wurden in diesem Jahr sogar noch weiter verbessert. So wurde im Rahmen des Programms 433 „Energieeffizient Bauen und Sanieren – Zuschuss Brennstoffzelle“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) der Festbetrag von 5.700 Euro auf nun 6.800 Euro und der leistungsabhängige Betrag je angefangene 100 W elektrische Leistung von 450 Euro auf nun 550 Euro angehoben. Damit ergibt sich ein Investitionszuschuss von 11.200 Euro für Brennstoffzellenheizgeräte mit 0,75 kW elektrischer Leistung und von 15.050 Euro für Brennstoffzellenheizgeräte mit 1,5 kW elektrischer Leistung. Doch nun der Überblick auf die aktuelle Marktsituation:

Viessmann in Deutschland mit PEM-Geräten führend

Viessmann war auch im vergangenen Jahr mit dem Anfang 2014 eingeführten Brennstoffzellenheizsystem Vitovalor (mit PEM-Technik von Panasonic) erfolgreich. So konnte man in 2020 den Absatz um rund acht Prozent auf mehr als 2.700 Brennstoffzellenheizgeräte steigern. Nun will man mit der vierten Geräte-Generation diese jüngste Erfolgsgeschichte fortschreiben. Voraussichtlich im Herbst 2021 sollen die neuen Brennstoffzellen kommen. Ihre Besonderheit: Sie können mit einem Anteil von bis zu 20 Prozent Wasserstoff (H!SUB(2)SUB!) im Erdgas betrieben werden. Sowohl im Vitovalor PT2 (mit integriertem Gas-Brennwertspitzenlastkessel und Warmwasserspeicher ist es für den Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern ausgelegt) als auch im Vitovalor PA2 (ein Brennstoffzellenmodul zur Nachrüstung im teilsanierten Bestandsbau) werden dann die neuen, wasserstofftauglichen Brennstoffzellen mit einer elektrischen Leistung von 0,75 kW und einer thermischen Leistung von 1,0 kW aufwarten.

Auch die BDR Thermea Gruppe setzt mit dem Dachs 0.8 von SenerTec und dem eLecta 300 von Remeha auf die PEM-Brennstoffzelle von Panasonic. Zu den Absatzzahlen wollte man sich aktuell nicht äußern. Doch verriet man so viel, dass man weiterhin vertrauensvoll mit Panasonic zusammenarbeiten und partnerschaftlich am Markt agieren werde. Auch die BDR Thermea Gruppe arbeite an einer Nachfolgegeneration der Brennstoffzellenheizgeräte, die man übrigens dann auch unter der Marke Brötje vermarkten wolle. Im vierten Quartal dieses Jahres soll eine Fertigung in Rastede aufgenommen werden.

Solidpower brachte bereits 2012 das als Beistellgerät konzipierte Brennstoffzellenheizgerät Bluegen mit SOFC-Technik auf den Markt. Vor zwei Jahren folgte das neue Bluegen BG-15 mit Leistungsmodulation. Mit Aussagen zum Markterfolg in 2020 hält man sich zurück, doch man betont, dass insgesamt bereits mehr als 2.500 Geräte der Bluegen-Serie installiert seien. Vor Kurzem habe man in Italien „Europas größtes und weltweit eines der modernsten Werke zur Produktion von Brennstoffzellen-Stacks“ eröffnet, mit dem Ziel der industriellen Fertigung von Stacks für Brennstoffzellen-Systeme und Brennstoffzellen-Anwendungen in unterschiedlichen Bereichen. Vor zwei Jahren hatte Solidpower eine Kooperation mit Bosch Thermotechnik beschlossen, wonach das Bluegen BG-15 in Deutschland auch über die Marke Buderus vertrieben werden kann. Der Absatz bewegte sich im guten dreistelligen Stückzahl-Bereich, berichtet Buderus. Interessierte Kundengruppen seien vor allem Gewerbebetriebe mit einem jährlichen Strombedarf von über 10.000 kWh sowie der Ein-/Zweifamilienhausbereich mit hohen Strombedarfswerten. Planer würden für größere Objekte auch eine Kaskade von mehreren Bluegen BG-15 einsetzen (Abb. 3).

Im vergangenen Jahr hat Sunfire ihr Brennstoffzellenheizgerät Sunfire-Home im Markt eingeführt, das ebenfalls auf SOFC-Technik setzt. Da es auch mit Flüssiggas arbeiten kann, können damit nun auch Anwendungen ohne Erdgasanschluss bedient werden, betont das Unternehmen. Entsprechend liegt der Schwerpunkt der Sunfire-Home aktuell auf Anwendungen, in denen die alte Ölheizung durch ein zukunftsfähiges Brennstoffzellensystem ersetzt wird. So konnten in 2020 bereits zweistellige Installationszahlen erzielt werden.

Dienstag, 29.06.2021