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WOLF treibt Internationalisierung voran

Interview mit Dr. Thomas Kneip, Vorstand Centrotec Sustainable AG

Seit nunmehr elf Jahren ist WOLF Teil von CENTROTEC Sustainable. Längst zählt man zu den führenden Systemanbietern für Heiz- und Klimatechnik. Im Rahmen einer Markenneupositionierung will man sich gezielt dem Wunsch der Menschen nach persönlicher Wohlfühlatmosphäre widmen. Das Heizungs-Journal sprach mit Dr. Thomas Kneip, Vorstand der CENTROTEC Sustainable AG und Vorsitzender der Geschäftsführung der WOLF GmbH, in der Konzernzentrale in Brilon über Pläne zur verstärkten Internationalisierung von WOLF und die aktuellen Entwicklungen im Heizungsmarkt.

Dr. Thomas Kneip in der Konzernzentrale.
Quelle: Robert Donnerbauer
Dr. Thomas Kneip, Vorstand der CENTROTEC Sustainable AG und Vorsitzender der Geschäftsführung der WOLF GmbH, in der Konzernzentrale in Brilon.

Herr Dr. Kneip, die Centrotec Sustainable AG ist ein noch relativ junges Unternehmen. 1998 wurde es von Guido Krass (dem heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden) mit damals 14 Mio. Euro Umsatz als AG auf den Kapitalmarkt gebracht. Seitdem ist das Unternehmen kontinuierlich gewachsen, unter anderem dank zahlreicher Akquisitionen. So wurde zum Beispiel in 2006 die WOLF Gruppe komplett übernommen. In welcher Umsatzgröße sind Sie mittlerweile angelangt?

Mittlerweile bewegen wir uns bei einem Umsatz von 575 Mio. Euro – bezogen auf das Jahr 2016. Davon gehen knapp zwei Drittel auf das Konto der WOLF Gruppe.

Ihr Systemangebot an Heizung, Lüftung und Klima umfasst sowohl den Wohnbereich als auch Gewerbe, Industrie und Verwaltung. Welche Position nimmt der Konzern auf dem deutschen und europäischen Markt ein?

Bei dem Thema, Raumklima in jeder Art von Gebäuden zu optimieren, von der Privatwohnung bis zur Allianz-Arena, verfügen wir sicherlich über das umfassendste Portfolio im Markt. Schaut man auf die Umsätze, so liegen wir im klassischen Heizungsgeschäft in Deutschland auf Rang vier nach Bosch Thermotechnik, Vaillant und Viessmann.

Im Klimasektor mit Schwerpunkt auf Industrie- und Gewerbebauten gehören wir zu den absoluten Topspielern in Europa. Im Zubehörsektor, aber auch im Bereich Wohnraumlüftung, zählen wir ebenfalls zu den führenden Anbietern.

Die Themenwand Wohnraumlüftungs-Systeme auf der ISH 2017.
Quelle: Robert Donnerbauer
Themenwand Wohnraumlüftungs-Systeme von WOLF auf der ISH.

Welche Rolle nimmt WOLF nach nunmehr einem Jahrzehnt Konzernzuge­hörigkeit bei CENTROTEC ein?

Wie gesagt erwirtschaften wir unseren Hauptumsatz über WOLF. Als Experte für gesundes Raumklima ist WOLF quasi der Systemintegrator für die vielen Produkte des Konzerns im Bereich der Heiz- und Klimatechnik.

Wie kam es, dass Sie als Vorstand des Mutterkonzerns Centrotec im Juli 2016 quasi in Doppelfunktion auch den Vorsitz der WOLF Geschäftsführung übernommen haben?

Nach der Übernahme von WOLF von der TUI AG in 2006 und dem folgenden Restrukturierungsprozess wurde der Fokus auf das Geschäft in Deutschland gelegt. Dies war eine bewusste Managementstrategie, und zwar eine sehr erfolgreiche, wie die aktuelle Marktpositionierung zeigt. WOLF ist heute profitabel und schuldenfrei. Wir haben uns in Deutschland als starkes Unternehmen mit deutlich gesteigertem Marktanteil und vielen treuen Kunden positionieren können. Nun kommt der nächste Schritt.

Mit dem Heimatmarkt als starker Basis wollen wir die Interna­tionalisierung vorantreiben, hin zu einem globalen Konzern. Meine Aufgabe als WOLF Geschäftsführer ist es, die neue Strategie weiterzuentwickeln und umzusetzen und die damit verbundenen Kulturveränderungen im Unternehmen durchzusetzen.

Welche Bedeutung hat der Heimatmarkt aktuell noch für WOLF?

Im Bereich Heizung macht das Deutschlandgeschäft rund drei Viertel aus. Im Bereich Klima sind wir aber schon deutlich breiter aufgestellt. Ziel ist es, das Auslandsgeschäft zu erhöhen. Doch dabei wollen wir im Inlandsgeschäft nicht nachlassen. Ich sehe auch hier noch Raum für weiteres Umsatzwachstum.

Doch unsere Investitionspolitik in Entwicklung, Produkte, Service und Vertrieb setzt den Fokus nun neben den nationalen eben zusätzlich auf die internationalen Märkte.

Wieweit sind die Maßnahmen schon greifbar?

Um Ihnen ein Gefühl zu geben: Im vergangenen Jahr konnte WOLF durch die Entwicklung einer spezifischen Therme für europäische Auslandsmärkte und den Aufbau einer eigenen Vertriebsorganisation in China im Auslandsgeschäft schon zweistellig wachsen. Und das wollen wir fortsetzen.

Welche Schwerpunkte legen Sie bei der geografischen Expansion?

WOLF hat Tochtergesellschaften in den Niederlanden, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Russland. Neu in 2016 hinzugekommen ist China. In all diesen Ländern haben wir noch erhebliches Wachstumspotential, besonders in China.

Sind auch Produktionsstätten im Ausland geplant?

Im Centrotec Konzern verfügen wir bereits über eine Reihe von Produktionsstätten im Ausland. WOLF betreibt Fertigungen in Deutschland und Kroatien. Die anderen Konzern-Töchter fertigen in Deutschland, den Niederlanden, USA und China.

Zur Internationalisierungsstrategie möchte ich klarstellen, dass es kein Ziel ist, auch internationale Produktionsstandorte zu haben. Es müssen immer die spezifischen Vor- und Nachteile geprüft werden. Bei den großen Klimageräten wird zum Beispiel immer viel Luft über die Weltmeere geschippert. Da ist eine lokale Fertigung schneller zu rechtfertigen als bei kompakten Thermen.

Hier würde eine Fertigung in China zwar etwa 30 Prozent Kostenvorteile bringen, unter anderem durch Vermeidung von Transport und Zöllen. Aber man erzielt dann andererseits auch nur 30 Prozent niedrigere Verkaufspreise, weil das Produkt dann nicht "Made in Germany" ist. Aktuell ist jedenfalls von WOLF keine neue Produktionsstätte im Ausland geplant.

Wieweit bestehen unterschiedliche Anforderungen auf den unterschiedlichen Märkten?

Tatsächlich ist es so, dass die Anforderungen in Deutschland sich von vielen europäischen Märkten unterscheiden. Häufig geht es um Formfaktoren, da zum Beispiel Thermen in vielen Ländern in den Küchenschrank passen müssen.

Aber auch bei der Funktionalität gibt es zum Teil unterschiedliche Ansprüche. Dies spiegelt sich denn auch in unserer erfolgreichen ersten "europäische Brennwert-Therme" vom vergangenen Jahr wider. In Ländern außerhalb Europas gewinnen andere Themen an Bedeutung. In Russland spielt Brennwerttechnik noch keine so große Rolle.

Auch in China werden überwiegend noch herkömmliche Heizwertgeräte verkauft. Wichtiger als die Effizienz ist in China aktuell noch die Marke. Darüber hinaus müssen die Geräte mit der schlechteren Wasser-, Luft- und Gasqualität vor Ort zurechtkommen. Hier kommt es zunächst einmal auf die Robustheit der Geräte an. Die Geräte mit europäischem Standard werden diesen Anforderungen in der Regel nicht gerecht. Hierfür sind spezifische Entwicklungen erforderlich.

Schauen wir auf Deutschland: Seit über einem Jahrzehnt wird die Integration der einzelnen Gewerke Heizung, Lüftung und Klima postuliert. Wieweit konnte sich der Systemgedanke im Markt durchsetzen – beim SHK-Handwerk als auch beim Endkunden?

Ein Neubau ohne kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung ist eigentlich kaum vertretbar, denn eine ausreichende Entfeuchtung durch manuelles Lüften ist kaum möglich, ohne dabei die hohen Investitionen in die Energieeffizienz der Gebäudehülle ad absurdum zu führen.

Trotzdem wird noch immer in manchen Neubauten darauf verzichtet. Dies ist weniger eine Frage des Systemgedankens, als der Unkenntnis über die Vorteile und Nutzen für die Gesundheit der Bewohner und die Substanzerhaltung des Gebäudes geschuldet.

Ich bin aber überzeugt, dass sich die Notwendigkeit dieses Systems aus Heizung und Lüftung zunehmend durchsetzen wird. Im Zuge der Digitalisierung und dem Trend zu Smart Home mit der Bedienung über eine App gewinnt ihr Einsatz beim Endkunden zudem an Fahrt. Das Handwerk wiederum bevorzugt klar ein abgestimmtes Systemangebot aus einer Hand.

Wie stellt sich die Situation im Moder­nisierungsbereich dar?

Bei der Modernisierung denken viele Verbraucher zunächst an die Gebäudehülle. Dagegen wäre die Erneuerung der Heizung in den meisten Fällen deutlich wirkungsvoller und erheblich günstiger. Wer die Gebäudehülle dämmt und vor allem die Fenster erneuert, sollte zudem auch eine kontrollierte Wohnraumlüftung einplanen. Die Einbausituation für ein zentrales Lüftungssystem ist hier jedoch manchmal schwierig.

Hier empfehlen sich dezentrale Anlagen, doch das Angebot effizienter und leiser Anlagen mit synchronem Zu- und Abluftbetrieb ist noch sehr überschaubar und die Effizienzangaben im dezentralen Bereich sind nicht standardisiert gemessen, was den Markt sehr unübersichtlich macht.

Bei Geräten mit wechselnden Luftrichtungen leidet der Komfort durch Zugerscheinungen und Umschaltgeräusche besonders, was dem Image von dezentralen Systemen nicht gerade zuträglich ist.

Thomas Kneip vor Lüftungsrohren.
Quelle: Robert Donnerbauer
Kneip: Die kontrollierte Wohnraumlüftung kommt immer noch nicht in jedem Neubau zum Einsatz.

Für den Bewohner ist das Wohlfühlklima aus Wärme, Kälte, Frischluft und Luftmenge entscheidend. Wieweit hat das in Deutschland dominierende Wärmeverteilsystem auf Basis von Wasser und Heizkörpern noch eine Zukunft? Nimmt stattdessen das Lüftungssystem die neue Schlüsselrolle ein?

Die Lüftung wird die neue Heizung? Das sehe ich sehr skeptisch. Der Wohlfühlanspruch in Deutschland ist sehr hoch, auch im europäischen Vergleich. Hierzulande haben es Häuser mit Luftheizung schwer. Sie werden dem gewohnten Komfortanspruch nicht gerecht. Stichworte sind Luftbewegung, kalte Fuß­böden, Geräusche. Ich glaube nicht, dass sie sich durchsetzen können. Die Vorteile der wassergeführten Heizung überwiegen.

Die ErP-Richtlinie stellt seit September 2015 Mindestanforderungen an die Energieeffizienz von Heizkesseln. Wieweit hat sich dies auf Ihr Produktsegment ausgewirkt? Bieten Sie zum Beispiel noch Niedertemperaturkessel an?

Ja, wir haben zum einen Bedarf auf internationalen Märkten wie China, zum anderen gibt es auch in Europa noch einen Markt für bestimmte Anwendungen in Mehrfamilienhäusern.

Sie sprechen die Ausnahmeregelung für Niedertemperaturkessel bei der Gasetagenheizung an. Niedertemperaturtechnik kann weiter verkauft werden, wenn mehrere Gasthermen mit einer Nennwärmeleistung von jeweils bis zu 10 kW für Heizzwecke und bei Kombiheizgeräten bis zu 30 kW für die Warmwasserbereitung an ein gemeinsames Abgassystem angeschlossen sind. Wie bewerten Sie diese Sonderbehandlung des Gassektors?

Ich verstehe dies nicht als Sonderbehandlung für die Gaswirtschaft, sondern als Investitionsschutz für Wohnungseigentümer. Natürlich ist die Effizienz extrem wichtig. Doch es wäre nicht verhältnismäßig, wenn alle Eigentümer in einem Haus verpflichtet würden, ihre vielleicht noch recht junge Therme auszutauschen, nur weil eine Partei im Haus ihre defekte Therme auf Brennwert umstellen muss – mit dem dann notwendigen Austausch des Abgassystems im ganzen Gebäude.

Für die Heizgeräteindustrie bedeutet dies im Bestand ein Plateau von geschätzt etwa 4 Mio. Gasthermen, die weiter in Heizwerttechnik ausgeführt sind.

Es wird sicherlich noch einige Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis hier eine Übergangslösung gefunden wird.

Blicken wir kurz auf die mit Stütztemperatur betriebenen alten Kessel-Schätzchen aus den 60er- und 70er-Jahren. Womit lässt sich der Endkunde Ihrer Meinung nach hier eher zu einer Modernisierung bewegen – mit politischen Vorgaben, dem Thema Klimaschutz, mit Energieeffizienz oder über Fördermittel?

Über Klimaschutz reden alle, solange sie nicht dafür bezahlen müssen. Auch das Argument der Energieeffizienz wird erst dann wieder ernst genommen, wenn steigende Öl- und Gaspreise zu erhöhten Heizkosten führen.

Meiner Meinung nach helfen von politischer Seite ausschließlich regulatorische Vorgaben. Fördermittel haben zudem einen Abwrackprämieneffekt. Das ist verschenktes Steuergeld. Davon halte ich gar nichts, dies bringt nur die Hersteller in Bredouille – mit Kapazitätsengpässen, übrigens auch beim Handwerk.

Robert Donnerbauer
Von Robert Donnerbauer
Redaktion, Heizungs-Journal Verlags-GmbH