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Wohnungslüftung: Komfort "sticht" Energieeinsparung

Oft wird das Thema Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung vorrangig unter dem Aspekt der Energieeffizienz betrachtet. Darunter leidet häufig der wesentliche Sinn einer kontrollierten Wohnungslüftung: ein gesundes Raumklima sicherzustellen. Wie unser Artikel zeigt, ergibt sich aber eine gute Energieeffizienz bei Lüftungsanlagen automatisch, wenn Anlagenwahl und Regelung vor allem auf Komfort ausgerichtet sind.

Blauer Himmel mit Wolken.
Quelle: Pexels / https://www.pexels.com/
Im Wohnungsneubau und nach einer energetischen Sanierung ist der Einbau einer ventilatorgestützten Wohnungslüftung praktisch unumgänglich.

In welche Richtung sich die Haustechnik für energieeffiziente Gebäude bewegt, ist deutlich am vereinfachten Nachweisverfahren für neue Wohnhäuser (inoffiziell: "EnEV easy") abzulesen. Damit wird umgangssprachlich das Modellgebäudeverfahren für nicht gekühlte Wohngebäude bezeichnet, mit dem seit November 2016 die Erfüllung der Energieeinsparverordnung (EnEV) nachgewiesen werden kann – und zwar bis zur Erstellung des Energieausweises. Das Planen mit vorgegebenen Gebäudemodellen und Ausstattungsvarianten erspart somit die Berechnung des tatsächlichen Primärenergieverbrauchs des Hauses.

Unabhängig von der Beurteilung, ob diese zusätzliche Verfahrensweise eine tatsächliche Vereinfachung darstellt: Die Wahl der richtigen Anlagentechnik und die Beurteilung der Wechselwirkung mit der Bauphysik wird dadurch auf keinen Fall "easy". Insbesondere nicht, wenn eine kontrollierte Wohnungslüftung zu planen ist, die in der "EnEV easy" in sechs von 13 zur Wahl stehenden Anlagenkonzepten gefordert wird.

Die Kriterien zulässiger Lüftungsanlagen beschränken sich dabei jedoch auf sehr rudimentäre energetische Vorgaben. Damit spiegelt die "EnEV easy" eine extrem eindimensionale Denkweise wider, die in vielen Förderbindungen und Gesetzesvorgaben zu Effizienzhäusern zu finden ist.

Die originäre Aufgabe einer Wohnungslüftung lautet jedoch: ein behagliches Innenraumklima sicherstellen. Wird das nicht erreicht, kann in der Praxis auch keine Energie eingespart werden.

Wohnungslüftung – notwendiges Übel?

Die "EnEV easy" macht in den Anlagenvarianten mit Wohnungslüftung folgende energetische Vorgaben:

  • eine oder mehrere Lüftungsanlage(n) mit Wärmerückgewinnung,
  • Wärmerückgewinnungsgrad mindestens 80 Prozent,
  • Leistungszahl aus rückgewonnener Wärme zu Endenergieaufwand des Betriebs der Anlage mindestens 10,
  • die anlagentechnische Belüftung muss das gesamte beheizte Gebäudevolumen direkt oder durch Überströmung erfassen.

Investoren, aber auch nicht ausreichend informierte private Bauherren, sehen damit eine verpflichtende ventilatorgestützte Wohnungslüftung eher als notwendiges "Kosten-Übel". Denn da in der "EnEV easy" auch sieben Ausstattungsvarianten ohne Wohnungslüftung angeboten werden, wird der Eindruck vermittelt, es ginge auch ohne.

Doch abseits der ökologisch-energetischen Betrachtung eines Hauses ist es fraglich, ob Gebäude nach heutigen Dämmstandards tatsächlich ohne kontrollierte Wohnungslüftung auskommen. Eine Berechnung der Nennlüftung nach DIN 1946-6 wäre also auf jeden Fall erforderlich [1].

In der Realität erfolgt die Planung einer entsprechenden Anlage aber vielfach nach der Maxime: "Wenn schon eine Wohnungslüftung gefordert ist, wie lässt sie sich mit möglichst geringen Investitionskosten realisieren?"

Doch entscheidend für die optimale Nutzung einer Wohnungslüftungsanlage – und damit nicht zuletzt auch für die tatsächliche Energieeffizienz – sind Komfortmerkmale.

Ein Beleg aus der Praxis dafür ist, dass Bewohner eine Lüftung häufig aufgrund der Geräuschbelastung ausschalten. Diese störende Lärmbelastung ist aber vornehmlich bei dezentralen Lüftungsanlagen der Fall, denn hier ist in jedem Wohnraum ein Ventilator direkt in der Wand eingelassen – mit entsprechender Geräuschkulisse.

Statt mit der vorhandenen, maschinellen Lüftung wird dann häufig lieber herkömmlich über das Fenster gelüftet. In Häusern mit dichter Gebäudehülle reicht das aber erstens nicht aus. Und zweitens entweicht die Wärme dann doch zum Fenster hinaus. Lüftungsanlagen hingegen, die auf den Komfort ausgerichtet sind, senken sogar die Geräuschbelastung für die Bewohner. Nämlich dann, wenn die Wohnungslüftung nicht zu hören ist, die Fenster geschlossen bleiben können und somit zugleich der Verkehrslärm gedämpft wird.

Ein zweites Praxisbeispiel für "sparen am falschen Ende" ist der Verzicht auf eine bedarfsgerechte Regelung der Wohnungslüftungsanlage. Eine manuelle Vorwahl von Lüftungsstufen durch den Bewohner passt jedoch selten zum tatsächlich erforderlichen Luftwechsel. Der lässt sich aber über Sensoren, die den CO2-Gehalt und die Luftfeuchtigkeit in den Räumen messen, exakt ermitteln.

Steigt durch Kochen oder Duschen die Luftfeuchtigkeit an bzw. erhöht sich die CO2-Konzentration, weil sich mehrere Personen im Raum aufhalten? Stufenlos regelbare Ventilatoren mit EC-Motoren laufen analog zu diesen Messwerten mit genau der Drehzahl, die für den Luftwechsel in der jeweiligen Situation erforderlich ist. Das stellt sowohl eine gleichbleibend gute Raumluft als auch die bestmögliche Energieeffizienz im Betrieb sicher.

Eine zentrale Lüftungsanlage in einer Wohnung.
Quelle: Systemair
Regelungstechnik für Lüftungsanlagen, die den Volumenstrom nach hygienischen Parametern wie relative Raumluftfeuchte und CO2-Konzentration steuert, weist gleichzeitig eine optimale Energieeffizienz auf.

Förderliche Raumluftfeuchte sicherstellen

Zur hygienischen Qualität des Innenraumklimas gehört zudem die Rückgewinnung der Luftfeuchtigkeit im Winter. Denn zu dieser Jahreszeit kann die Raumluft schnell austrocknen, wenn die Lüftungsanlage kalte Außenluft, die nur eine geringe Luftfeuchtigkeit enthält, zuführt und andererseits mit Feuchte angereicherte Innenraumluft abführt. Trockene Raumluft führt zur Reizung der Schleimhäute, worunter insbesondere Allergiker leiden. Dem können Lüftungsanlagen mit Feuchterückgewinnung entgegenwirken.

Für die Wohnungslüftung bietet der Markt dazu im Wesentlichen zwei Systeme: Enthalpie-Gegenstromwärmeübertrager, die über Membranen eine Diffusion der Luftfeuchtigkeit von der Abluft zur Außenluft zulassen. Und Rotationswärmeübertrager, die nach dem Kondensationsprinzip arbeiten.

Ein Rotationswärmeübertrager.
Quelle: Systemair
Ein Rotationswärmeübertrager gewinnt nicht nur bis zu 90 Prozent der Wärme aus der Abluft zurück, sondern auch die Feuchtigkeit.

Dort, wo Minusgrade im Winter oder hohe Luftfeuchtigkeit im Sommer möglich sind, ist Rotationswärmeübertragern der Vorzug zu gegeben: Sie sind frostsicher bis -20 °C, während Gegenstromwärmeübertrager je nach Bauart unterhalb der Frostgrenze mit Heizregistern gegen einfrierendes Kondensat zu sichern sind. Bereits kurze Kälteperioden können dann die Energiebilanz der Wohnungslüftungsanlage drastisch verschlechtern. Das Lüftungsgerät "SAVE VSR 500" (Hersteller Systemair) mit Rotationswärmeübertrager ist daher beispielsweise Passivhaus-zertifiziert.

Doch das Wichtigste ist der Komfort- und Hygienegewinn: Eine Überfeuchtung der Innenräume ist mit Rotationswärmeübertragern praktisch ausgeschlossen, was ansonsten insbesondere Asthmatiker belasten würde.

Die Grafik erklärt die Feuchterückgewinnung mittels eines  Rotationswärmeübertrager.
Quelle: Systemair
Feuchterückgewinnung ist ein wichtiger Aspekt bei der Wohnungslüftung, denn zu trockene Raumluft mit weniger als 30 Prozent Luftfeuchtigkeit ist der menschlichen Gesundheit und dem Wohlbefinden abträglich.

Weiterführende Informationen: https://www.systemair.com/

Dienstag, 20.02.2018

Von Carsten Dittmar
System & Application Manager/Vertrieb, Wohnungslüftung, Systemair GmbH