Wege zum vollelektrischen Haus

Bildschirm Screenshot: Geräte-Menü der Energy Market Solutions GmbH.
Quelle: Viessmann
Unkomplizierte, onlinebasierte und flexible Stromprodukte: Strom von der Viessmann-Tochter Energy Market Solutions GmbH.

Sie selbst werden aber nicht in die E-Installation hineingehen?

Nein, das macht keinen Sinn. Wir können nur die Betriebe, die entsprechendes Interesse haben, unterstützen. Die Nachfrage ist da. Eine Zahl dazu: Als im Frühjahr die Corona-Krise ihren Lauf begann, haben wir das komplette Schulungsprogramm unserer Akademie in Allendorf virtuell umgestellt. In den ersten drei Monaten registrierten wir 40.000 Schulungen. In acht Sprachen. Es zeigt, das Interesse an neuen Produkten und Innovationen, an Systemlösungen ist vorhanden.

Wo sehen Sie denn eine größere Innovationsfreudigkeit, bei den Elektroleuten oder im SHK-Fachhandwerk?

Es halten sich beide Gewerke die Waage. Es gibt auf beiden Seiten unglaublich innovative Betriebe wie ebenfalls Unternehmen mit Beharrungsvermögen: Ich brauche das nicht, ich weiß schon, wie ich mein Geschäft zu machen habe. Der Elektrobereich entdeckt jetzt, naturgemäß, etwas stärker das Thema Wallbox und das elektrische Komplettgebäude. Auch die Heizungsbauer merken: Ohne Elektro, ohne Batteriespeicher und ohne Wärmepumpe kann ich in Zukunft den Markt nicht mehr bedienen. Die Bundesländer Hamburg, Bremen und Baden-Württemberg haben bereits eine Photovoltaik-Pflicht für gewisse Neubauten eingeführt, die in den kommenden Jahren greifen soll. In Bayern und Berlin wird zurzeit an ähnlichen Regelungen gearbeitet. In Baden-Württemberg tritt die Vorschrift 2022 in Kraft, zunächst für Nicht-Wohngebäude mit geeigneter Dachfläche. Hamburg folgt ab 2023. Aktuell wird dies auch von der Bundesumweltministerin Svenja Schulze öffentlich gefordert.

Deshalb auch Ihr Engagement in elektrische Heizungen?

Ja. Wir verstärken uns in diesem Sektor. Im vorletzten Jahr haben wir Anteile an der Etherma GmbH gekauft, ein Hersteller von Elektroheizungen, wie Infrarotheizungen und elektrische Fußbodenheizung. Anfang dieses Jahres haben wir die Firma Kospel übernommen, ein polnischer Hersteller von Durchlauferhitzern, Elektrokesseln und Warmwasserspeichern mit 500 Mitarbeitern. Des Weiteren gehört zur Viessmann-Gruppe wibutler. Das Start-up-Unternehmen ist 2012 als Ausgründung der FH Münster entstanden. Es ist auf herstelleroffene Smart-Home-Lösungen spezialisiert. So können über eine Basisstation, die mehrere Funkstandards unterstützt, ganz unterschiedliche Produkte vernetzt und über eine App gesteuert werden. Wir sind für das vollelektrische Haus gerüstet. Darüber hinaus produzieren wir Stromspeicher, Wärmepumpen und Lüftungsgeräte seit vielen Jahren in unseren eigenen Werken.

Viessmann und E-Mobilität

Was tun Sie für die E-Mobilität?

Wir können in unsere „Gridbox“ auch Wallboxen einbinden. Die „Gridbox“ verbindet strombasierte Komponenten mit Wärmeerzeugern und bietet darüber hinaus den Einstieg in die E-Mobilität. Auf Tablet oder Smartphone hat der Anwender alle Energieflüsse im Blick. Zum Beispiel: Unsere „Gridbox“ liest über die Wallbox die Autobatterie aus und das Energiemanagement sorgt dafür, dass am nächsten Morgen genügend Strom für die gewünschte Reichweite zur Verfügung steht. Die Reichweite geben Sie wie benötigt ein, zum Beispiel 60 km oder 200 km. Die entsprechende Beladung hat dann Priorität.

Ich hatte kürzlich bei Tesla die Wärmepumpe als Heizungssystem im Modell „Y“ gesehen. Wegen ihres geringen Stromverbrauchs verlängert sie die Reichweite. VW baut eine Wärmepumpe im „ID 3“ ein, Hyundai ebenfalls in einem Typ. Sie sind Wärmepumpenspezialist: Befassen Sie sich auch mit dieser Anwendung?

Im Moment steht das nicht auf dem Plan. Wie gerade am Beispiel beschrieben, sehen wir das Thema Elektroauto eher bis zur Wallbox. Das Haus bietet noch Anwendungen genug. Wie gesagt, mit dem GEG ist die Zeit für Elektrosysteme sehr, sehr interessant geworden. Mit der Möglichkeit, die Photovoltaik vom eigenen Dach mit dem Primärenergiebedarf des Hauses zu verrechnen. Damit sind die Voraussetzungen für rein elektrische Anwendungen im Neubau gegeben. Das war vorher nicht der Fall. Unsere Partner im Handwerk sollten sich damit beschäftigen und den Endkunden zukunftsfähige Gesamtsysteme anbieten. Wir stehen Gewehr bei Fuß. Wir helfen bei Planungen, bei Installationen und geben Unterstützung. Und wir haben unter der Marke Viessmann die komplette Produktpalette, von der PV-Anlage, Wärmepumpe, Batteriespeicher, Elektrodurchlauferhitzer, Lüftungsanlage bis hin zum Energiemanagement wie auch zur Konnektierung mit Fremdprodukten durch wibutler.

Weiterführende Informationen: https://www.viessmann.de/

Samstag, 08.05.2021

Von Bernd Genath
Freier Journalist
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