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Wärmepumpenbranche feiert Rekordabsatz

Marktbericht SHK/IFH - Teil 1

Wärmepumpen waren ein dominierendes Thema auf den diesjährigen Frühjahresmessen SHK Essen und IFH/Intherm Nürnberg. Dank effizienter Heiztechnik liegen sie bei Verbrauchern besonders im Neubausektor im Trend. Der Absatz konnte im vergangenen Jahr um 17 Prozent auf 78.000 Heizungswärmepumpen gesteigert werden – ein neues Rekordjahr. So ließ man sich diesmal die gute Stimmung auch nicht durch die F-Gase-Verordnung trüben. Dennoch rückt bei den Herstellern die Frage nach dem eingesetzten Kältemittel zunehmend ins Bewusstsein.

Die Silhouette eines Mannes rollt vor einem blauen Hintergrund einen Stein einen Berg hoch.
Quelle: NeuPaddy / https://pixabay.com
Der Absatz von Heizungswärmepumpen konnte im vergangenen Jahr um 17 Prozent auf 78.000 gesteigert werden.

Die Ausdauer der Hersteller von Heizungswärmepumpen hat sich gelohnt. Nach Jahren des Auf und Ab entwickelt sich der Markt in Deutschland zuletzt stetig. Nach dem Rekord von 2016 (in dem Jahr wurden 66.500 Heizungswärmepumpen verkauft, was einem Anteil von 9,6 Prozent am gesamten Wärmerzeuger-Markt entsprach), konnten 2017 mit einem Marktwachstum von 17 Prozent zum ersten Mal rund 78.000 Heizungswärmepumpen verkauft werden – ein neues Rekordjahr, berichtet der BWP (Bundesverband Wärmepumpe). Mit einem Marktanteil bei den Wärmeerzeugern von elf Prozent konnte zudem, nach zuletzt 2008, nun auch wieder die 10-Prozent-Schwelle überschritten werden.

Den größten Zuwachs konnte man bei Luftwärmepumpen verzeichnen: Insgesamt wurden 55.000 Stück abgesetzt, eine Steigerung von 20 Prozent zum Vorjahr. Dabei waren insbesondere Monoblockgeräte (31.000 Stück) gefragt, vor Splitgeräten (24.000 Stück). Erdgekoppelte Systeme legten mit 23.000 Geräten um elf Prozent zu. Davon profitierten vor allem Solegeräte (18.000 Stück), während Grundwasseranlagen Einbußen verzeichneten (5.000 Stück). Insgesamt sind in Deutschland nun rund 800.000 Heizungswärmepumpen installiert, konstatiert Dr. Martin Sabel, Geschäftsführer des BWP. "17 Prozent Plus sind ein hervorragendes Ergebnis für unsere Branche."

Die Grafik zeigt die Anzahl der abgesetzten Heizungswärmepumpen in Deutschland im Jahr 2017.
Quelle: BWP
Mit einem Absatz in Deutschland von 78.000 Heizungswärmepumpen (ein Plus von 17 Prozent) erwies sich 2017 als ein neues rekordjahr für die Branche.

Eine Premiere wurde auch bei den 2017 genehmigten Wohngebäuden verzeichnet. Mit einem Anteil von knapp 43 Prozent waren Wärmepumpen erstmals das beliebteste Heizungssystem (etwa acht Prozent davon nutzten Erdwärme, rund 35 Prozent Umweltwärme aus Luft oder Grundwasser). Wärmepumpen lagen damit erstmals knapp vor den Gas-Heizungen, die 42 Prozent der Bauherren in ihrem neuen Wohngebäude einsetzten. Als Quelle der Zahlen nennt der BWP das Statistische Bundesamt.

"Der positive Effekt der neuen Energieeinsparverordnung trägt sicher zu dieser Entwicklung bei, auch die Förderung von KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) hilft natürlich", erläutert Sabel. "Die Wärmepumpe wird von Bauherren, Planern und Fachhandwerkern mehr und mehr als das Standardheizsystem für den Neubau anerkannt. Die großen Fortschritte bei Geräteeffizienz, Nutzerfreundlichkeit und Design führen zu wachsender Nachfrage. Wir erwarten, dass der Anteil weiter deutlich steigen wird."

Die Grafik zeigt die Wärmepumpen-Marktanteile in Deutschland bei den Baugenehmigungen neuer Wohngebäude von 2013 bis 2017.
Quelle: BWP
Premiere: Bei den 2017 genehmigten Wohngebäuden lagen Wärmepumpen erstmals knapp vor den Gas-Heizungen.

Die Branche setzt weiterhin auf ein gesundes, nachhaltiges Wachstum. So rechnet der Verband für das laufende Jahr mit stabilen Verkaufszahlen. Wie Sabel einräumt, gebe es aber auch bereits Anzeichen, dass der Neubausektor nicht mehr so stark wächst wie in jüngster Vergangenheit.

Damit sich die Wärmepumpe auch in der Modernisierung durchsetzen kann und damit auch Projekte im größeren Stil (Großwärmepumpen, Wärmenetze, Quartierslösungen) umgesetzt werden können, seien zum einen die nachhaltige Aufklärung der Hausbesitzer, Architekten und Planer über die Vorteile eines erneuerbaren Heizsystems und zum anderen die Motivation und Entwicklung des Fachhandwerks entscheidend.

An dem passenden Marktangebot mangelt es jedenfalls nicht. Allein im BWP sind derzeit über 60 Wärmepumpenhersteller organisiert. Sie haben in den vergangenen Jahren die Wärmepumpentechnik weiterentwickelt (beispielsweise in Bezug auf Effizienz oder Schallschutz) und ihr Produktportfolio kontinuierlich ausgebaut.

Auf den Frühjahresmessen SHK Essen und IFH/Intherm Nürnberg traf man unter der Großzahl an Wärmepumpenherstellern angesichts des Absatzrekords des vergangenen Jahres denn auch insgesamt auf eine nach außen gezeigte gute Stimmung. Doch es rumort im Hintergrund. Grund sind die verwendeten Kältemittel.

Noch stehen bei den meisten der aktuell angebotenen Produkte die bekannten, in der Regel treibhausgaswirksamen Kältemittel klar im Vordergrund. Dabei handelt es sich um teilfluorierte Kohlenwasserstoffe, deren Treibhausgaspotential das von CO2 teilweise um das bis zu 4.000-fache übersteigt, informiert das UBA (Umweltbundesamt). "Daher ist es geboten, durch sorgsamen Umgang mit diesen Kältemitteln ein Entweichen in die Atmosphäre zu verhindern. Besser ist es, klimafreundliche Alternativen zu verwenden."

Wie auf den Messen auf Nachfrage allseits betont wurde, würde man Szenarien in Richtung alternative, sprich CO2-neutrale Kältemittel prüfen. Dabei drängt die Zeit. Das Thema an sich ist auch nicht neu. Schon 2006 gab es die europäische F-Gase-Verordnung (842/2006) über fluorierte Treibhausgase (F-Gase). Deutlichen Handlungsbedarf ergibt sich nun durch die am 1. Januar 2015 in Kraft getretene neue F-Gase-Verordnung (517/2014).

Um die Emissionen des Industriesektors an F-Gasen bis zum Jahr 2030 um 70 Prozent gegenüber 1990 zu verringern, wurden die Anforderungen erweitert. Insbesondere soll ein Anreiz zur Verwendung von Alternativen geschaffen werden.

Eine wesentliche Maßnahme dazu ist die schrittweise Beschränkung (Phase-down) der in der EU in Verkehr gebrachten Gesamtmenge an teilfluorierten Kohlenwasserstoffen (HFKW) bis zum Jahr 2030 auf ein Fünftel (21 Prozent) der Verkaufsmengen des Jahres 2015. Im ersten Schritt erfolgte 2016 eine Mengenbegrenzung auf 93 Prozent. In diesem Jahr nun wurde im zweiten Schritt die Menge auf 63 Prozent begrenzt. Die dritte Reduzierung erfolgt 2021 auf dann 45 Prozent.

Das Diagramm zeigt den Ablauf der schrittweisen Beschränkung (Phase down) der in der EU in Verkehr gebrachten Gesamtmenge an teilfluorierten Kohlenwasserstoffen bis zum Jahr 2030.
Quelle: UBA
Die neue, am 1. Januar 2015 in Kraft getretene europäische F-Gase-Verordnung über fluorierte Treibhausgase (F-Gase) sieht eine schrittweise Beschränkung (Phase down) der in der EU in Verkehr gebrachten Gesamtmenge an teilfluorierten Kohlenwasserstoffen bis zum Jahr 2030 auf ein Fünftel (21 Prozent) der Verkaufsmengen des Jahres 2015 vor.

Die Heizungsindustrie, speziell die Hersteller von Wärmepumpen, war sich bewusst, dass es durch den Phase-down zu einer Veränderung in der Preisgestaltung und der Verfügbarkeit von Kältemittel kommen kann, erläutert der BDH (Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie) auf Nachfrage. Daher habe man sich frühzeitig auf die neue Situation eingestellt. "Dennoch waren die Entwicklungen der letzten Monate in ihrem Ausmaß und der Schnelligkeit so nicht genau abzusehen, da sich einige Marktteilnehmer zum Jahreswechsel 2017/2018 mit größeren Mengen Kältemittel eingedeckt haben."

Hersteller berichten denn auch von Preissteigerungen um teilweise mehr als das Fünffache. Zeitweise sei es gar zu Versorgungsengpässen gekommen, besonders bei Kältemitteln mit hohem GWP (Global Warming Potential/Treibhauspotential) wie R404A oder R507. "Die Verfügbarkeit von Kältemittel (vorzugsweise R134a, R410A und R407C) für die Anwendung bei Wärmepumpen im Wohnbereich scheint aber für den Großteil der Wärmepumpenhersteller für 2018 geklärt zu sein", beruhigt der BDH.

Zudem sei die Wärmepumpenindustrie bei der Entwicklung von Neugeräten bereits seit Jahren bemüht, auf alternative oder natürliche Kältemittel mit deutlich niedrigerem GWP umzustellen. Eine Verbändeposition zum F-Gase Phase-down im Vorfeld der Frühjahresmessen weist dazu besonders auf die vielfältigen technologischen Herausforderungen hinsichtlich Anlageneffizienz und Anlagensicherheit hin. Zu den unterzeichneten Verbänden zählen neben dem BDH und dem BWP auch der BIV (Bundesinnungsverband des Deutschen Kälteanlagenbauerhandwerks), der BTGA (Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung), die EHPA (European Heat Pump Association), die EPEE (The European Partnership for Energy and the Environment), der FGK (Fachverband Gebäude-Klima), der VDKF (Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe) und der ZVKKW (Zentralverband Kälte Klima Wärmepumpen).

"Zum einen muss ein Kältemittel mit für den jeweiligen Einsatzfall geeigneten thermodynamischen Eigenschaften identifiziert und die Anlagenkomponenten auf dieses Kältemittel hin optimiert werden. Zum anderen stellen viele Alternativen, z. B. Propan, die Branchen aufgrund ihrer höheren Brennbarkeit vor neue Herausforderungen", heißt es in der Verbändeposition. Und bei Altanlagen stelle sich die Frage der Nachbefüllung von neuem Kältemittel bei Service und Wartung. "Die simple Nutzung eines anderen Kältemittels ist in vielen Fällen nicht möglich, da die Systemkomponenten nicht entsprechend optimiert werden können. Die Folge wären veränderte Einsatzgrenzen, schlechtere Anlageneffizienz und im schlimmsten Fall der Ausfall der Anlage."

"Lieferengpässe, die bei Herstellern aufgetreten sind oder auftreten, zeigen, dass zu spät auf die F-Gase-Verordnung reagiert wurde", meint dazu Volker Weinmann von Daikin Airconditioning Germany (die Deutschland-Tochter der japanischen Daikin Industries) auf Nachfrage. Für "Business as usual" stehe den Herstellern nicht genügend Kältemittel zur Verfügung. "Der Markt muss sich weiterentwickeln." Noch deutlich höhere Mengen als der Industriezweig der Heizungswärmepumpen benötige übrigens der Kälte- und Klimasektor.

Für die Kältemittelauswahl sei die gesamte Klima- und Wärmepumpenleistung im Lebenszyklus der Produkte entscheidend, unterstreicht Weinmann. So seien je nach Anlagentyp unterschiedliche Kältemitteleigenschaften gefragt. "Bei der Auswahl des geeigneten Kältemittels muss deshalb individuell entschieden und Investitions-, Installations- sowie Betriebskosten der jeweiligen Anlagen kritisch hinterfragt und bewertet werden", betont Weinmann. "Denn das richtige Zusammenspiel zwischen Kältemittel und Systemdesign ist entscheidend für die Gesamteffizienz der Anlage."

Als Mitglied der Daikin Gruppe stellte Rotex Heating Systems (eine Tochter von Daikin Europe) jetzt mit den beiden Produkten HPSU compact Ultra und HPSU Bi-Bloc Ultra eine neue Wärmepumpengeneration vor, die mit dem "umweltfreundlichen und zukunftsfähigen" Ersatzkältemittel R32 (Difluormethan) arbeitet. Damit sei man "zukunftssicher aufgestellt". Durch seinen geringen GWP erfülle R32 schon heute die Anforderungen der F-Gase-Verordnung für 2025. In Verbindung mit einem neuen Hocheffizienzkompressor der Außengeräte würden die neuen Wärmepumpen zudem beste Effizienzwerte erreichen.

Als Komplettlösung vereine die HPSU compact Ultra Wärmepumpentechnik mit einem integrierten Wärmespeicher für die Funktionen Heizen, Kühlen und Warmwasser in nur einem Gerät. Und der modulare Aufbau der HPSU Bi-Bloc Ultra, bestehend aus einem Außengerät, einem Innengerät sowie einem Wärmespeicher, ermögliche flexible Anwendungsmöglichkeiten. Beispielsweise ließen sich die kompakten Innengeräte einfach zu Kaskaden für Mehrfamilienhäuser kombinieren. Bei einer Vorlauftemperatur bis zu 65 °C sei der Betrieb ohne Einsatz eines Heizstabs möglich.

Die Außengeräte würden sich mit einem Schallleistungspegel im Nachtbetrieb von nur 35 dB(A) in 3 m Abstand ideal für die Aufstellung in reinen Wohngebieten mit dichter Bebauung eignen. Beide Wärmepumpen stehen in den Leistungsgrößen 4 kW, 6 kW und 8 kW zur Verfügung.

Die Wärmepumpe HPSU compact Ultra von Rotex Heating Systems .
Quelle: Robert Donnerbauer
Zukunftssicher aufgestellt sieht sich Rotex Heating Systems mit der neuen Wärmepumpengeneration mit dem Kältemittel R32. Regina Behrens von Rotex Heating Systems informierte über die Komplettlösung HPSU compact Ultra.

Dienstag, 24.07.2018

Robert Donnerbauer
Von Robert Donnerbauer
Redaktion, Heizungs-Journal Verlags-GmbH