Verteilung frisst Energie

Pfiffiges dezentrales Wärmepumpenkonzept im Mehrfamilienhaus

Viele Mehrfamilienhäuser haben deutlich zu hohe Heizkosten, meint Ulrich Konen, Heizungsfachmann und Partner des Wärmepumpenherstellers alpha innotec. Er hat ein Konzept entwickelt, mit dem eine durchschnittliche Wohnung mit weniger als 400 Euro Heizkosten im Jahr auskommt – einschließlich der Brauchwarmwasserbereitung.

Foto: Im neuen Mehrfamilienhaus in Meerbusch übernehmen dezentral installierte Sole/Wasser-Wärmepumpen die Beheizung und Brauchwarmwasserbereitung.
Quelle: alpha innotec
In diesem neuen Mehrfamilienhaus in Meerbusch nahe Düsseldorf mit 18 Wohneinheiten übernehmen dezentral installierte Sole/Wasser-Wärmepumpen die Beheizung und Brauchwarmwasserbereitung.

Ulrich Konen ist ein alter Hase im Heizungsfach. Wenn es um den Einsatz von Wärmepumpen geht, macht dem Inhaber und Geschäftsführer der Lumitronic GmbH in Kempen so schnell keiner etwas vor. Seit gut 20 Jahren installiert der Lumitronic-Chef mit seinem Team fast ausschließlich Wärmepumpen aus dem Hause alpha innotec. Im Jahre 2019 hatte ihn der Bundesverband Wärmepumpe e.V. (BWP) als „Wärmepumper des Jahres“ ausgezeichnet. Und ein von ihm realisiertes Projekt – Erdwärmeversorgung für einen denkmalgeschützten Altbau aus dem 18. Jahrhundert – hat der Verband zudem unlängst als „mustergültig“ ausgezeichnet und mit dem ersten Platz im Rahmen des BWP-Jubiläumswettbewerbs bedacht.

„Eigentlich ist es ganz einfach“, bringt Konen eine erfolgreiche Heizungs- bzw. Wärmepumpeninstallation auf den Punkt: „Alles weglassen, was Energieverluste erzeugt.“ Der entscheidende Hebel dabei sei die Wärmeverteilung. „Bei der Beheizung eines Gebäudes treten heute im Schnitt 25 bis 30 Prozent Wärmeverteilverluste auf.“ Beim Brauchwarmwasser liege dieser Wert nicht selten sogar zwischen 50 und 70 Prozent – „je nachdem wie ungeschickt man sich anstellt“, schmunzelt Konen.

Die logische Konsequenz: Man muss die Wärme möglichst nah an der Stelle erzeugen, an der sie verbraucht wird. Damit verringern sich die Verteilverluste automatisch. „Und es lassen sich noch einige durchaus erwünschte Nebeneffekte erzielen“, so Ulrich Konen.

Foto: Jede Wohnung besitzt eine eigene Erd-Wärmepumpe - dementsprechend ist jeder Wohnungseigentümer oder Mieter für den Betrieb sowie die Abrechnung selbst verantwortlich.
Quelle: alpha innotec
Jede Wohnung und jeder Wohnungseigentümer oder Mieter besitzt seine eigene Erd-Wärmepumpe und ist dementsprechend auch für den Betrieb sowie die Abrechnung selbst verantwortlich.
Foto: Meerbuscher Mehrfamilienhaus mit 18 Erdbohrungen - die Verteilung der Sole zu den Wärmepumpen erfolgt von der Tiefgarage aus.
Quelle: alpha innotec
Im Meerbuscher Mehrfamilienhaus wurden 18 Erdbohrungen vorgenommen. Von der Tiefgarage aus erfolgt die Verteilung der Sole zu den Wärmepumpen.

Wärme vor Ort erzeugen und nutzen

Jüngstes Beispiel, bei dem er dieses Konzept umgesetzt hat, ist ein Mehrfamilienhaus in Meerbusch nahe Düsseldorf mit 18 Wohneinheiten. Es ist seit Ende 2020 fertiggestellt. „Anstatt eine zentrale Wärmepumpe zu installieren, die alle 18 Wohnungen versorgt, haben wir unter der Tiefgarage, natürlich ehe sie gebaut wurde, 18 Erdbohrungen vorgenommen. Über die versorgen wir jeweils eine alpha innotec Wärmepumpe pro Wohnung mit Erdwärme.“

Das habe unabhängig von der Wärmeverteilung den Charme, „dass bei einer eventuellen Störung des Erdwärmeflusses nur eine Wohnung betroffen ist. Ein wichtiger Punkt für einen Erwerber oder Betreiber ist außerdem, dass die Heizungsanlage kein Gemeinschaftseigentum mehr ist: Jede Wohnung hat ihre Teilungserklärung und jeder Wohnungseigentümer oder Mieter hat seine eigene Heizung, um die er sich selbst kümmert. Er ist für den Betrieb seiner Wärmepumpe selbst verantwortlich und bezahlt den Strom, den er damit verbraucht, ganz einfach mit seiner Stromrechnung“.

Hinzu kommt, so Konen: „Gerade mit Wärmepumpen ist eine zentrale Brauchwarmwasserbereitung eine extrem sportliche Herausforderung.“ Denn die Versorgung über eine Großanlage ab drei Wohneinheiten unterliege strengen Auflagen. So verlange die Trinkwasserverordnung, dass das Wasser den Warmwasserspeicher mit mindestens 60 °C verlassen müsse und im Leitungssystem dürfe die Wassertemperatur um nicht mehr als 5 °C abfallen. Das alles müsse der Betreiber der Anlage sicherstellen und regelmäßig kontrollieren.

Ein dezentraler Warmwasserspeicher hingegen mit einem Volumen von 180 bis 200 Litern, wie er üblicherweise in einer kompakten Wärmepumpe integriert ist, gilt als Kleinanlage. Und solche Kleinanlagen fallen nicht unter die Bestimmungen der Trinkwasserverordnung und sind damit auch von der regelmäßigen Kontrollpflicht ausgenommen.

Eine dezentrale Brauchwarmwasserversorgung besitzt also mehrere Vorteile:

▪ Vorkehrungen, Vorgaben der Trinkwasserverordnung betreffend, entfallen in der Regel. Statt der sonst erforderlichen 60 °C reicht es in der Regel, wenn die Wärmepumpe Trinkwarmwasser mit einer Temperatur von 50 °C liefert.

▪ Die Bereitung von Brauchwarmwasser und die Abrechnung der dafür anfallenden Energiekosten obliegen dem jeweiligen Wohnungseigner oder -mieter.

Weiterführende Informationen: https://lumitronic.de/

Mittwoch, 04.08.2021

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