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Trendanalyse der dezentralen Wohnraumlüftung

Experten-Interview mit Stefan Fröb, Geschäftsführer von getAir

Dynamisch, zukunftsweisend: Das am Niederrhein in Mönchengladbach ansässige Familienunternehmen getAir steht für technisch hochwertige und innovative Produktlösungen im Segment der dezentralen Wohnraumlüftung. Dank eines unternehmenseigenen Forschungs- und Entwicklungszentrums basieren alle Produktentwicklungen auf den neuesten technologischen Standards, weshalb getAir unter Experten auch als Technologieführer in der Lüftungsbranche gilt.

Foto von Stefan Fröb.
Quelle: getAir
Stefan Fröb, Geschäftsführer von getAir.

Wie bewerten Sie die aktuelle Marktsituation und die weitere Entwicklung der kontrollierten Wohnungslüftung in Deutschland?

Die aktuelle Marktsituation könnte für uns nicht vorteilhafter sein. Wir erleben seit einer halben Dekade durchschnittlich zweistellige Wachstumsraten im Bereich der dezentralen Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung (WRG). Bereits Anfang des Jahres konnten wir im Vergleich zum Vorjahr sogar ein Wachstum von über 50 Prozent feststellen (Quelle: BDH/FGK). Solche Wachstumsraten sind in der seit Jahren wirtschaftlich schwächelnden Baubranche einmalig.

Insgesamt verzeichnet der Markt für Kontrollierte Wohnungslüftung (KWL) ein durchschnittliches Wachstum im oberen einstelligen Bereich. Wofür aber – wie gesagt – primär die dezentralen Systeme verantwortlich sind, während bei den zentralen Anlagen mit WRG eine gewisse Marktsättigung erreicht scheint. Bei getAir erwarten wir für 2017 ein weit über dem Markt liegendes Wachstum. Der Erfolg unserer Systeme kann dabei – national wie international – an zwei wesentlichen Faktoren festgemacht werden: zum einen an der klaren Fokussierung auf dezentrale Systeme, zum anderen an unseren einmaligen Produktmerkmalen.

Wie schätzen Sie die Akzeptanz für eine dezentrale Wohnungslüftung ein – sowohl bei Hausbesitzern als auch bei Fachhandwerkern und Planern?

Allgemein ist die Akzeptanz für Wohnungslüftung gerade bei Planern und Handwerkern noch stark ausbaufähig. Wir konnten jedoch in den letzten zwei Jahren eine gestiegene Nachfrage in beiden Zielgruppen erkennen, was nicht nur an der grundsätzlich stärkeren Wahrnehmung für dezentrale Systeme liegt, sondern auch an deren flexibler Einsetzbarkeit sowie einfachem Auf- und Einbau (geringe Eintrittsbarriere). In der energetischen Sanierung führt heute fast kein Weg mehr an den kleinen, aber dennoch leistungsstarken dezentralen Geräten vorbei.

Vergleichsweise geringe Anschaffungs- und Folgekosten erhöhen die Nachfrage zudem deutlich. Mit Spannung beobachten wir auch die Verhaltensänderung beim Endverbraucher, der für uns bisher keine relevante Zielgruppe war. Wir nehmen seit einiger Zeit eine Entwicklung zum ‚mündigen Häuslebauer‘ wahr, der nicht mehr nur auf seinen Architekten oder Handwerker hört. Vielmehr möchte er sich vermehrt selbst mit Produkten und Systemlösungen auseinandersetzen und dann seine eigenen Entscheidungen treffen.

So kommen Handwerker und Architekten immer häufiger nicht aus freien Stücken, sondern auf Wunsch des Endkunden zu uns. Wir merken, dass durch diese Entwicklung ein Prozess des Umdenkens stattfindet, vor allem bei Handwerkern und Händlern, welche immer mehr zu Komplettausstattern werden und so zum Beispiel neben Heizungen auch dezentrale Lüftungen anbieten.

Neben Energieeffizienz spielt die Akustik im dezentralen Wohnraumlüftungssegment eine immer größere Rolle. Welche Bedeutung messen Sie diesem Thema bei?

Früher wurde nur nach Leistung und Größe (Kernbohrungsdurchmesser) gefragt. Heute erleben wir, dass den Kunden ein ‚leises Lüftungsgerät‘ mindestens genauso wichtig ist. Dabei ist das Wort ‚leise‘ natürlich ein sehr dehnbarer Begriff. Jeder nimmt die Intensität der Geräusche anders wahr.

Deswegen werden sensible Menschen Lüftungsgeräte schon ab einer geringeren Dezibelstärke als störend empfinden. In der Regel werden Lärmquellen ab 20 dB bewusst wahrgenommen. Dabei wird zwischen zwei Quellen unterschieden: Das ist zum einen das Lüftungsgerät selbst und zum anderen die Außenschalleinwirkung. Neben der direkten Geräuschentwicklung des Ventilators ist die Dämpfung und Weiterleitung von verursachten Schallwellen von Bedeutung. Durch Schwingungsentkopplung der Lüfter-Einheit und strömungsoptimierte Führung wird die Geräuschentwicklung auf ein Minimum reduziert.

Lärmquellen wie Hauptverkehrsstraßen, Bahntrassen oder Einflugschneisen tragen je nach Stärke einen beachtlichen Teil zur wahrnehmbaren Geräuschentwicklung bei. Der Einsatz von schallabsorbierenden Materialien sorgt wesentlich für eine Reduzierung dieser Störquellen.

Je häufiger der Schall auf seinem Weg umgelenkt und geschluckt werden kann, umso weniger davon erreicht das menschliche Ohr. Daher werden alle unsere ‚SmartFan‘-Lüftungssysteme nach diesen Anforderungen konzipiert und konstruiert. Wir erreichen so einen Schalldruckpegel ab 11 dB(A) und eine Normschallpegeldifferenz von bis zu 70 dB. Diese Werte erreicht in unserer Branche sonst kein anderer Hersteller.

Das Lüftungsgerät
Quelle: getAir
Beim Lüftungssystem "SmartFan" wird die Geräuschentwicklung durch Schwingungsentkopplung der Lüfter-Einheit und strömungsoptimierte Luftführung auf ein Minimum reduziert.

Für einen ordnungsgemäßen Betrieb sind regelmäßige Reinigung und Wartung notwendig. Inwieweit sehen Sie dies in der Praxis gebührend umgesetzt?

Reinigung und Wartung zählen zu den Serviceaufwendungen, die neben dem Produktpreis einen wichtigen und oft unterschätzten Kostenfaktor darstellen. Im Gegensatz zu zentralen Anlagen haben die meisten dezentralen Kompaktlüftungssysteme sehr geringe Serviceaufwendungen. Bei unserem ‚SmartFan‘-System benötigt der Endkunde beispielsweise keinen teuren Wartungsvertrag, sondern kann die Wartung und Reinigung komplett eigenständig vornehmen.

Da unsere Systeme auf dem Steck-Prinzip basieren und die jeweiligen Komponenten durch Pressung im Rohr fixiert werden, können diese problemlos über die abnehmbare Innenblende herausgezogen und gereinigt werden. So können Filter und Keramik-Wärmeübertrager problemlos von leichtem Schmutz befreit werden.

Lediglich der Filter sollte, je nach Verschmutzung, etwa alle zwei Jahre erneuert werden. Aufgrund der geringen Komplexität des ‚SmartFan‘-Systems sind somit die bestmöglichen Voraussetzungen für eine regelmäßige Reinigung und Wartung unserer dezentralen Geräte geschaffen worden.

Inwiefern sehen Sie noch Handlungsbedarf beim Thema Qualitätssicherung für Planung und Umsetzung?

Leider erleben wir als Hersteller immer noch einige Lücken bei der Planung und Umsetzung von Lüftungsanlagen. Wir stellen fest, dass es einigen Planern ganz einfach am nötigen Wissen über die dezentrale Wohnungslüftung fehlt. Sie sind häufig mit der Auslegung unserer Systeme überfordert. In der Praxis sieht es dann so aus, dass meist zu viele oder zu wenige Systeme für eine Wohneinheit angefordert werden. Daher bieten wir immer eine kostenlose Auslegungsempfehlung und Beratung an, die den Planern und Architekten die nötige Sicherheit gegenüber ihren Kunden geben soll.

Auch bei Installateuren sehen wir noch einige neue Beratungsansätze, gerade im Bereich der Verkabelung. Aufgrund der Einfachheit des Systems lässt sich jedoch im Vergleich zu anderen kontrollierten Lüftungssystemen ganz klar eine geringere Fehlerquote bei Einbau und Montage feststellen. So werden unsere Systeme ganz einfach nacheinander ins Rohr eingeschoben. Selbst die Außenblende sitzt werkzeuglos durch spezielle Pressung im Rohr fest – ganz ohne fassadenseitiger Bohrung und Verschraubung.

Weiterführende Informationen: http://www.getair.eu/

Mittwoch, 16.08.2017