Technologieoffenheit ist mehr als eine Floskel

Interview mit Adrian Willig, Geschäftsführer des Instituts für Wärme und Mobilität e.V. (IWO)

„Klimaschutz wird auch in der nächsten Legislaturperiode eines der ganz großen Themen sein. Um die Ziele von Paris zu erreichen, sind technologieoffene Ansätze besonders Erfolg versprechend. Technologische Vorfestlegungen sind dagegen eher kontraproduktiv, denn sie schränken die Handlungsoptionen der Menschen ein. […] Klimaschutz braucht Vielfalt“, betont Adrian Willig, Geschäftsführer des Instituts für Wärme und Mobilität e.V. (IWO), im Exklusiv-Interview mit dem HeizungsJournal und erklärt unter anderem die Beweggründe für die kommende Neuausrichtung bzw. Neuorganisation des Verbands im Herbst 2021.

Quelle: NASA/Unsplash

Herr Willig, unser letztes Interview (https://tga.li/LfO) konnten wir vor gut zwei Jahren führen. Seitdem hat sich, nicht nur gesellschaftlich, sehr viel getan. Das IWO wird organisatorisch neue Wege gehen. Was können Sie dazu schon verraten?

Mit Blick auf das Erreichen der Klimaziele stellt sich die deutsche Mineralölwirtschaft neu auf. Dafür wurde die Gründung eines neuen Verbands, dem en2x – Wirtschaftsverband Fuels und Energie e.V., mit Sitz in Berlin, beschlossen. Dieser löst das IWO und den Mineralölwirtschaftsverband (MWV) ab. Der neue Verband unterstützt seine Mitgliedsunternehmen bei der Transformation – weg von heute überwiegend fossilen Erzeugnissen hin zu klimaneutralen Energien. Die Branche will ihren Kunden künftig zunehmend neue Produkte anbieten: von grünem Wasserstoff über moderne Biokraftstoffe und E-Fuels bis hin zu Ökostrom. Ziel ist Klimaneutralität 2045. Mehr dazu werden wir voraussichtlich noch in diesem Herbst mitteilen können, wenn en2x seine Arbeit aufgenommen hat.

Der Heizungsmarkt konnte 2020, im ersten „Corona-Jahr“, bekanntlich um stolze 13 Prozent wachsen (https://tga.li/cDI8): Alle Technologien verzeichneten ein gutes Plus, überproportional zugelegt hat das Spektrum der erneuerbaren Wärme. Lediglich der Bereich Öl-Heizgeräte/-Kessel schrumpfte. Sind das Zeichen eines deutlichen technologischen Wandels im Heizungskeller?

Die Fördermittelpolitik der Bundesregierung hat hier sicherlich Wirkung gezeigt. Hinzu kommt eine gewisse Verunsicherung bei Hauseigentümern, für die eine Modernisierung mit Öl-Brennwerttechnik eine Option ist. Manche Meldungen in den Medien haben ja den Eindruck erweckt, Ölheizungen müssten 2026 abgeschafft werden – was nicht stimmt. Ölheizungen dürfen laut dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) weiter betrieben und auch modernisiert werden. Bis einschließlich 2025 können bestehende Heizkessel wie gewohnt gegen moderne Öl-Brennwertgeräte ausgetauscht werden. Nur für Hausbesitzer in Baden-Württemberg und Hamburg gelten landesspezifische Regeln. Hauseigentümer, die nach 2025 eine neue Ölheizung einbauen wollen, müssen dann in der Regel zusätzlich auf erneuerbare Energien, wie zum Beispiel Solaranlagen, setzen.

Offensichtlich kommt der „schlafende Riese Wärmemarkt“ in Bewegung und die thermische Nutzung der einzelnen Energieträger verschiebt sich deutlich – „getrieben“ durch Fridays for Future, Corona-Lockdowns, CO2-Bepreisung, finanzielle Förderanreize, Klimaschutzgesetz & Co. Oder wie beurteilen Sie diese Situation? Welche Strategien verfolgt das IWO?

Entscheidend ist ganz klar, dass die Klimaziele erreicht werden. Darum ist der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energie absolut zu begrüßen. Gerade im Gebäudesektor sind die Voraussetzungen aber höchst unterschiedlich. Darum ist gerade auch dort wichtig, in Sachen Klimaschutz auf einen möglichst vielfältigen Einsatz von Lösungsoptionen zu setzen. Gerade weil die angestrebte Reduktion des CO2-Ausstoßes eine riesige Herausforderung ist, macht es Sinn, Hauseigentümern möglichst zahlreiche Optionen für das Erreichen der Klimaziele zu ermöglichen – vor allem bei Bestandsimmobilien. Es geht nicht um ein „Entweder-oder“, sondern um ein „Sowohl-als auch“. Das zeigt sich zum Beispiel auch bei Hybridheizungen: Die Einbindung erneuerbarer Energien in Ölheizungen hilft, unabhängig von den ab 2026 geltenden Vorgaben, grundsätzlich, die CO2-Emissionen eines Hauses zu verringern und ist daher eine sinnvolle Maßnahme.

Weiterführende Informationen: https://www.zukunftsheizen.de/startseite.html

Dienstag, 19.10.2021

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