Intelligente Messtechnik für das installierende Fachhandwerk

"Digitalisierung" ist ein Schlagwort, das heute in kaum einer Diskussion der Branche fehlt. Dabei ist unbestritten, dass die Einführung digitaler Prozesse überwiegend Vorteile bringt. Zum Selbstzweck sollte sie jedoch nicht werden. Das gilt auch und in besonderem Maße für die Messtechnik. Unterschiedliche Messsituationen erfordern nämlich unterschiedliche Vorgehensweisen im SHK-Praxisalltag.

Eine Reihe von Zeichnungen von Werkzeugen.
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Die Digitalisierung sollte nicht zum Selbstzweck werden. Das gilt auch für die Messtechnik und das installierende Handwerk.

Auch bei der Profi-Wärme-Service GmbH (PWS) in Osnabrück steht dieses Thema regelmäßig auf der Agenda. Seit den Zeiten, als die drei Gründungsmitglieder 1993 mit dem U-Rohr-Manometer unterwegs waren, hat sich inzwischen einiges geändert. In diesem Frühjahr feierte die inzwischen 15 Kollegen zählende Truppe ihr 25-jähriges Firmenjubiläum. Die Stärke von PWS sind Komplettlösungen rund um Heizung und Bad. Zu ihrem Angebot gehören Planung, Installation und Wartung von Feuerungsanlagen für Gas, Heizöl oder feste Brennstoffe. Dabei sind die Geschäftsführer regelmäßig selbst vor Ort, um Kunden umfassend zu betreuen. Sie kennen also die Anforderungen der Praxis sehr genau.

Bei heute über 1.000 Wartungsverträgen mit Privathaushalten und einer Reihe großer Industriekunden zahlt sich inzwischen aus, dass die Profi-Wärme-Service GmbH schon früh darauf setzte, Arbeitsabläufe digital zu organisieren. "Die hohe Arbeitsauslastung zum aktuellen Zeitpunkt wäre anders gar nicht zu bewältigen", ist sich Geschäftsführer Jörg Berger sicher.

Kundendienstmonteur Christian Michel von der Profi-Wärme-Service GmbH misst die Abgas-Emissionen an einem Brenner.
Quelle: Wöhler
Kundendienstmonteur Christian Michel von der Profi-Wärme-Service GmbH nutzt bei den großen Anlagen der Stadtwerke Osnabrück intelligente Abgas-Messtechnik: in diesem Beispiel (Versorgung eines Hallenbades; 895 kW Gesamt-Heizleistung) liegt die Messöffnung in einiger Entfernung zum Brenner.

Kundendienstmonteur Christian Michel von der Profi-Wärme-Service GmbH sieht sich  die Messdaten eines Brenners per App auf seinem mobilen Endgerät an, während er die Einstellungen vornimmt.
Quelle: Wöhler
Der Monteur sieht sich die Messdaten des Brenners dann per App auf seinem mobilen Endgerät an, während er die Einstellungen vornimmt.

Allerdings darf die Digitalisierung nicht dazu führen, dass vorgegebene Arbeitsabläufe die Mitarbeiter einengen, denn der Betrieb setzt in hohem Maße auf die Eigenverantwortung der Kundendienstmonteure. Die organisieren ihre Termine durchaus selbstständig. Bei den vier Außendienstmitarbeitern, die große Industriekunden betreuen, wäre das auch gar nicht anders möglich. Die Monteure tragen über ihr Firmenhandy ihre Termine farblich markiert in den zentralen Kalender des Betriebes ein. Muss dann bei einem Kunden eine Störung kurzfristig behoben werden, ist sofort zu erkennen, wer den Einsatz übernehmen kann.

Dokumentation per Fingertipp

Das Sekretariat der PWS legt jeden Kunden mit Ausschreibungen, Angeboten und Aufträgen an. "LC-Top" heißt das Programm vom Softwarehaus Locher & Christ, mit dem der Betrieb hier arbeitet. Auch die Daten der Abgasmessung werden hier digital verarbeitet und gespeichert.

Von jeder Messung wird ein Messprotokoll in der entsprechenden Kundendatei hinterlegt und auch dem Kunden geschickt, so dass die Daten langfristig zur Verfügung stehen. Das sorgt einerseits für Transparenz beim Kunden und hinterlässt einen professionellen Eindruck. Andererseits verbessert diese Vorgehensweise die Qualität, wenn bei der Arbeit an einer Anlage auf den letzten Bericht zugegriffen werden kann, beispielsweise nach dem Einbau eines Ersatzteils.

Müssten die Messdaten immer noch per Hand notiert und im Büro übertragen werden, wäre der Prozess viel zu zeitaufwändig. Das ist heute zum Glück nicht mehr notwendig. Für die Profi-Wärme-Service GmbH ist die Entwicklung, Messdaten drahtlos auf den Rechner zu übertragen, nicht neu. Hier war der Betrieb vor zwölf Jahren schon Vorreiter. Bereits 2006 schaffte man für die Abgasmessung die Funkmesssonde Wöhler-"A 600" an. Einige Geräte sind davon heute noch im Einsatz beim PWS. Per Bluetooth sendete die Sonde damals schon drahtlos die Daten der Abgasmessung zum Laptop.

Datenübertragung per WLAN

Heute erfolgt die Übertragung der Messdaten per WLAN. Die Monteure führen die Messungen inzwischen mit dem Abgasmessgerät Wöhler-"A 450" durch, das 2017 auf den Markt kam. Je nach Messsituation lassen sie sich die Messdaten im Gerätedisplay oder in der dazugehörigen App anzeigen, die die Monteure auf ihr Handy oder Tablet geladen haben.

"Seit etwa einem Jahr haben wir uns daran gewöhnt, Messdaten konsequent unmittelbar nach der Messung ins Büro zu senden. Das ist ja jetzt mit nur einem Klick vom Handy aus möglich, so dass dabei keine Zeit verloren geht. Auch können Fehler bei der Messdatenübertragung so nicht mehr passieren. Bei einem großen Landmaschinen-Hersteller warten wir über 100 Anlagen in vier Wochen. Selbstverständlich stellen wir denen die Messprotokolle umgehend zur Verfügung. Da erspart uns das Versenden aus der App heraus enorm viel Aufwand."

Das Abgasmessgerät baut ein eigenes stabiles WLAN-Netz auf, so dass die Datenübertragung zum Smartphone oder Tablet auch auf der Baustelle und im Aufstellraum der Heizungsanlage stets sicher erfolgt. Der Monteur verbindet dann einfach sein Handy mit diesem WLAN-Netz und kann sich die Messwerte in der App anzeigen lassen.

Kundendienstmonteur Christian Michel nutzt bei den großen Anlagen der Stadtwerke Osnabrück die App schon während der Einstellungsarbeiten: Hier liegt die Messöffnung in einiger Entfernung zum Brenner. Der Monteur sieht sich die Messdaten dann auf seinem mobilen Endgerät an, während er die Einstellungen vornimmt. Er kann dabei die für ihn günstigste Arbeitshaltung einnehmen, ganz unabhängig von der Positionierung des Messgerätes. Ein langer Messschlauch ist somit nicht notwendig, so dass die Anzeige der Messwerte unverzüglich auf Schwankungen reagiert. Sobald die Werte stimmen, beendet er die Messung mit einem Klick in der App. Ein zweiter Klick ermöglicht schon den Versand des Messprotokolls in verschiedenen Dateiformaten (pdf, csv, jpg oder xml). Das kann dann per Mail oder Messenger-Dienst, z.B. "WhatsApp", geschehen. Christian Michel hat hier die Büroadresse voreingestellt. Bei Bedarf kann er gleich einen Kommentar oder ein Foto mitversenden, die dann in das Protokoll integriert werden.

Kundendienstmonteur Christian Michel von der Profi-Wärme-Service GmbH führt eine Abgasmessung an einer Gas-Brennwertheizung durch.
Quelle: Wöhler
An einer Gas-Brennwertheizung (20 kW) in einem Privathaushalt führt der Monteur die Abgasmessung ohne die App durch: Hier arbeitet er am schnellsten "ganz klassisch" mit dem großen Touchscreen.

"Ganz klassisch" per Ausdruck

Bei den kleineren Anlagen der Privatkunden nutzt Christian Michel die App nur zum Versenden des Messprotokolls ins Büro, jedoch nicht während der Messung. Hier arbeitet er lieber "traditionell", da er das große Farbdisplay des Abgasmessgerätes auch während der Messungen bequem einsehen kann. Es zeigt ihm alle wichtigen Messwerte übersichtlich auf einen Blick.

Die Messung kann dann mit einem Tipp auf den Touchscreen gesteuert werden. Der ist so robust, dass er auch Baustellenverhältnisse und schmutzige Finger verzeiht. Nachdem er die Messung gestoppt hat, druckt er die Messdaten auf einem kleinen Thermodrucker aus, damit das Messprotokoll dann bis zur nächsten Messung am Kessel verbleiben kann.

Einen Block mit Arbeitsberichten hat übrigens immer noch jeder Monteur der Profi-Wärme-Service GmbH dabei. Hier können zum Beispiel Arbeitsstunden, Fahrzeiten, verbaute Materialien eingetragen werden. Viele Noteinsätze erfolgen ja nicht während der üblichen Arbeitszeiten. "Am 1. Weihnachtstag ist auch bei uns das Büro nicht besetzt", so Jörg Berger. Und dann notiert der Monteur – ganz klassisch – mit Stift auf Papier.

Donnerstag, 30.08.2018