Mehr Bauland, mehr Abschreibung gegen Wohnungsnot

Klare Forderungen an Politik (I)

Deutschland baut Wohnungen am Bedarf vorbei. So klang es unisono auf dem 11. Wohnungsbau-Tag. Der Mangel sei zu beheben, stellt das Verbändebündnis Wohnungsbau fest. Wie ein „Mehr“ an Qualität und Quantität zu erreichen sei, wird in zehn Handlungsempfehlungen an die Politik formuliert.

Zu wenig – zu teuer – zu weit weg… So baut Deutschland Wohnungen, folgt man der Studie „Wer baut Deutschland?“. Das kann keinesfalls die Antwort auf die aktuelle soziale Frage Wohnen sein, meint das Verbändebündnis Wohnungsbau. An Bund, Länder und Kommunen richtet das Bündnis deswegen zehn deutliche Forderungen zur zügigen Behebung des Wohnungsmangels. Das Bündnis lud am 9. Mai zum Wohnungsbau-Tag in Berlin.

Mangel an Fläche droht Wohnmarkt auszutrocknen

Dringlichste Forderung der Verbände: Das zügige Aktivieren von Baufläche durch die Kommunen – zumal an den heiß begehrten Standorten. Das beuge der drohenden „Austrocknung“ der Wohnungsmärkte durch nachlassende Flächenausweisung vor. Dafür müssen unbedingt die Regional- und Flächennutzungspläne angepasst sowie der Ankauf bedarfsgerechter Flächen unterstützt werden.

Mehr Neubau geht nur über mehr Ausbau – nämlich der personellen und technischen Kapazitäten des Baugewerbes. Nur so lässt sich der dringend erforderliche zusätzliche Wohnraum schnell bereitstellen, betonen die Verbände. Dafür braucht die Branche jedoch dauerhafte und verlässliche Rahmenbedingungen, die über befristete Maßnahmen wie Sonderabschreibung und Baukindergeld deutlich hinausgehen. Konkrete Forderung: Eine sachgerechte und dem tatsächlichen Werteverzehr angemessene Erhöhung der linearen Abschreibung von zwei auf mindestens drei Prozent, um Investitionen die nötige Planungssicherheit zu geben.

Der Soziale Wohnungsbau sei außerdem weitaus entschiedener zu fördern. Um den jetzigen Bestand zu erhalten und sogar zu erhöhen, müssten jährlich 80.000 Sozialwohnungen fertig gestellt werden.

Vor allem muss Bauen wieder preisgünstiger werden. Das könne konsequent durch Folgekostenabschätzungen in den Gesetzgebungs-, Normungs- und Bauplanprozessen durchgeführt und natürlich auch berücksichtigt werden, fordert das Bündnis der Verbände.

Die Erhöhung der Geschossflächenzahl und damit der baulichen Dichte ermögliche Mietpreissenkungen, so das Bündnis Wohnungsbau.
Quelle: Martin
Die Erhöhung der Geschossflächenzahl und damit der baulichen Dichte ermögliche Mietpreissenkungen, so das Bündnis Wohnungsbau.

Höher, dichter, digitaler…

In Aufstockung und Verdichtung im Bestand der Ballungszentren sieht das Bündnis interessanterweise ein hohes Potenzial für Mietsenkungen: Modellrechnungen zeigen, dass eine Erhöhung der baulichen Dichte in Ballungszentren durch die Steigerung der Geschossflächenzahl (GFZ) von 1,0 auf 2,0 den Mietpreis um 20 Prozent und mehr pro Quadratmeter sinken lasse.

Unbedingt zu unterstützen ist die Digitalisierung des kompletten Bauprozesses. Sie ermögliche Fehler- und damit Kostenvermeidung, Prozessbeschleunigung und nachhaltiges Planen, Genehmigen und Ausführen. Das erfordere die Einbeziehung aller an der Prozess- und Genehmigungskette Beteiligten.

Die 10-Punkte-Forderung im Wortlaut.

Montag, 20.05.2019