KWK im Betrieb: Die Oerather Mühle

Blockheizkraftwerk plus Brennstoffzelle plus Service-Contracting

Energiekosten steigen, der Strombedarf auch, ebenso wie der Anspruch an die Umwelfreundlichkeit der Energie. Deshalb braucht es hier neue Konzepte. Der Gastronomiebetrieb Oerather Mühle hat seine optimale Lösung bereits gefunden: KWK mit Brennstoffzelle und Service Contracting. Lernen Sie in unserem Artikel mehr über die Vorteile des KWK und wie die Oerather Mühle ihr Konzept umsetzt

Ein neues Energiekonzept mit KWK

In Erkelenz zwischen Düsseldorf und Aachen tut eine einmalige Energietechnik im Keller des Gastronomiebetriebs Oerather Mühle Dienst. Strom und Wärme nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung aus einem Klein-BHKW, unterstützt und ergänzt von einer ganzjährig arbeitenden Brennstoffzelle und weitgehend im Contracting finanziert von der Tochter eines kommunalen Versorgers. Die Mutter, das Stadtwerk, mischt sich in den Vertrag nicht ein. Der Kunde ist nicht gezwungen, bei ihr das Erdgas für die Maschinen und die Unterdeckung an Elektrizität, den Reststrom, einzukaufen. Trotzdem gehe die Rechnung für jeden auf, versichern alle Beteiligten.

Die Oerather Mühle.
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KWK in der Oerather Mühle: Klein-BHKW plus Brennstoffzelle.

Wozu überhaupt neue Energiekonzepte?

"Warum brauchen wir neue Energiekonzepte? Weil die Kaltmiete seit 1995, also seit 20 Jahren, um rund 25 Prozent geklettert ist, die Energiekosten aber um 150 Prozent gestiegen sind. Weil wir ferner bei der herkömmlichen Energieeffizienz die neun oder zehn Milliarden Menschen im Jahr 2050, die dann zudem noch höhere Ansprüche stellen werden als heute, aus unseren Energiequellen kaum noch versorgen können, ohne die Umwelt irreparabel zu schädigen." Diese und andere Gründe für neue Energiekonzepte trug Jürgen Hohnen, SHK-Meister aus Heinsberg/Aachen, auf einer Tagung des NRW-Netzwerks Brennstoffzelle und Wasserstoff Anfang Oktober vergangenen Jahres an der Uni Duisburg vor. Er fordert nicht nur, er handelt. Sein Tätigkeitsschwerpunkt liegt auf der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK).

Jürgen Hohnen
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Der Schwerpunkt des SHK-Betriebs von Jürgen Hohnen liegt bei KWK in vielen Kombinationen.

Wozu effektive Konzepte bei der Elektrizität?

Warum brauchen wir effiziente Elektrizitätskonzepte? Weil der Strombedarf wegen der mehr Fernsehgeräte, mehr PCs, mehr Lüftungs- und Klimatechnik und auch wegen der Elektromobilität steigen wird. Früher ging die Faustformel von 4.000 kWh pro Jahr für den Vier-Personen-Haushalt aus. Heute tendiert der Bedarf mehr in Richtung 5.000 kWh pro Jahr. Ohne Elektroauto.

"Sie dürfen bei der Planung 40 kWh je Quadratmeter Wohnfläche und Jahr im Einfamilienhaus ansetzen", so der Handwerksmeister und bekennende Anhänger der Kraft-Wärme-Kopplung - KWK verbrennungsmotorisch wie auch mit Brennstoffzelle. Von der Kraft-Wärme-Kopplung mit Brennstoffzelle hat er 30 verbaut, von den erstgenannten rund 140. Mit den 40 kWh/m² Strombedarf zur Dimensionierung der TGA habe er fast immer richtig gelegen, was eine lange Laufzeit der Maschinen und damit ihre Wirtschaftlichkeit angehe.

Die Gegenwart mit zentralen Kohlekraftwerken und dem verlustreichen Ferntransport der Elektrizität sei doch ein unhaltbarer Zustand: "Er, der Verlust an Primärenergie bei der Stromerzeugung und Stromverteilung, ist doppelt so hoch wie der Wärmebedarf der versorgten Haushalte", hat er nachgerechnet. Das heißt: "Mit der einen Hälfte nur des Energieverlustes könnten wir die Gebäude heizen und mit der anderen Hälfte das Auto betreiben." Besser lasse sich Charme und Pflicht zur Wende nicht darstellen. Und die Betriebskosten sprächen sowieso für sich: "Das Elektroauto kommt mit 60 Cent je 100 km aus. Ein Drei-Liter-Diesel tut es nicht unter vier Euro." Na ja, die 60 Cent dürften der Idealfall sein. Nach einem kürzlichen Test musste ein "BMW i3" nach 100 km 15,5 kWh nachtanken. Das stand auf dem Stromzähler an der Schuko-Steckdose. Nehmen wir 9 Cent total für die BHKW-Kilowattstunde, kommt selbst ein sparsames Klein-Elektroauto auf über 1 Euro je 100 km. Aber die spezifische Treibstoffkosten-Relation von 1:4 (Strom zu Sprit) dürfte stimmen.

Was ist das Problem?

Was läuft falsch angesichts dieser Situation und dieser Attraktivität? Nichts weiter als die mangelnde Risikobereitschaft in einer Zeit, in der Risiko kein besseres Geschäft verspricht, weil die Auftragsbücher mit risikolosen, lukrativen Aufträgen, vor allem im Sanitärbereich, überquellen.

Mittwoch, 27.07.2016

Von Bernd Genath
Freier Journalist