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KWK-Branche setzt auf weiteren Ausbau

Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung lud zum sechsten Jahreskongress nach Berlin

Welche Rolle spielt die KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) in der künftigen Energiepolitik? Diese Frage beschäftigte Referenten und Teilnehmer auf dem diesjährigen Jahreskongress des B.KWK (Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung) Anfang Oktober in Berlin. Das Motto lautete: "KWK-Ausbau fortsetzen – effizientes Marktdesign mit EE und KWK".

Das Ziel bleibt bestehen. Im Jahr 2020 soll der KWK-Anteil an der Stromerzeugung bei 25 Prozent liegen. Doch ob es erreicht wird, ist ungewiss. Denn die Verbraucher sind angesichts der Gesetzgebung verunsichert. Für den Bereich der Mikro- und Mini-KWK mit einer elektrischen Leistung bis zu rund 50 kW wird für dieses Jahr mit einem Marktrückgang gerechnet.

Eine KWK-Anlage.
Quelle: Robert Donnerbauer
Wie geht es mit der KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) weiter? Die Verbraucher zeigen sich angesichts der Gesetzgebung verunsichert. Für den Bereich der Mikro- und Mini-KWK mit einer elektrischen Leistung bis zu rund 50 kW wird für dieses Jahr mit einem Marktrückgang gerechnet. Im Bild ein Mini-BHKW (Blockheizkraftwerk) mit einer Leistung von 18,3 kW elektrisch und 35 kW thermisch. Die für 2015 bevorstehende Novelle des KWK-Gesetzes soll dringend benötigte Impulse für den Aufschwung bringen.

"Wir spüren eine sehr starke Verunsicherung des Marktes, ob die Regierung weiter auf KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) setzt", konstatierte Hagen Fuhl, Vize-Präsident des B.KWK (Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung) und Leiter Marketing und Vertrieb bei SenerTec Kraft-Wärme-Energiesysteme Anfang Oktober in Berlin.

Hagen Fuhl
Quelle: Robert Donnerbauer
Hagen Fuhl, Vize-Präsident des B.KWK (Bundesverband KraftWärme-Kopplung) moderierte Anfang Oktober in Berlin den sechsten branchenübergreifenden KWK-Kongress des B.KWK unter dem Motto "KWK-Ausbau fortsetzen – effizientes Marktdesign mit EE und KWK".

Fuhl moderierte den sechsten branchenübergreifenden KWK-Kongress des B.KWK unter dem Motto "KWK-Ausbau fortsetzen – effizientes Marktdesign mit EE und KWK".

So müssen die Hersteller von BHKW (Blockheizkraftwerken) mit den Auswirkungen der Gesetzgebung klarkommen. Im Frühjahr wurde das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) verabschiedet und jetzt steht für kommenden Sommer das KWKG (Kraft-Wärme-Kopplung Gesetz) bevor. In dem Bereich der gasbetriebenen Mikro- und Mini-KWK mit einer elektrischen Leistung bis zu rund 50 kW werde der Markt denn auch in diesem Jahr einbrechen.

Die Zahlen von 2013, als laut BDH (Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik) rund 8.000 Anlagen in diesem Segment ab­gesetzt wurden, werde man 2014 wohl nicht mehr erreichen können. Schon im Frühjahr waren die Kunden irritiert, hielten sich zurück, so Fuhl. Trotz eines kurzen Hypes in den Sommermonaten, wo viele Kunden versuchten, Anlagen noch vor Inkrafttreten des novellierten EEG im August installiert zu bekommen, ist das Marktvolumen von Januar bis August 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6 Prozent auf 4.500 Stück geschrumpft.

"Wir brauchen Ruhe im Markt", mahnte Fuhl. So wünscht er sich möglichst nur wenige, in der Öffentlichkeit ausgetragenen Diskussion und Debatten, um die weitere Investitionsbereitschaft nicht zu gefährden. Auch helfe es der Branche nicht, wenn die Bundesregierung immer neue Novellen oder Über­arbeitungen ankündigt. "Wir brauchen verlässliche Planungssicherheit."

Wenige Tage vor dem diesjährigen Kongress hatte das BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) den Endbericht einer Potential- und Kosten-Nutzen-Analyse zu den Einsatzmöglichkeiten von KWK (Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie) sowie Evaluierung des KWKG vorgelegt. Darin wird unter anderem festgehalten, dass die KWK im vergangenen Jahr in Deutschland rund 96 TWh Strom und 200 TWh Wärme erzeugt hat. Damit hatte die KWK einen Anteil von 16,2 Prozent an der Nettostromerzeugung und rund 20 Prozent am Wärmemarkt. Unter Berücksichtigung der aktuellen Marktbedingungen werde die KWK-Stromerzeugung bis zum Jahr 2020 allerdings gegenüber dem heutigen Stand stagnieren. Das aktuelle Ziel von 25 Prozent KWK-Stromerzeugung im Jahr 2020 werde demnach deutlich verfehlt werden.

Dabei bestehe reichlich Potential. Denn aus einer Kosten-Nutzen-Analyse geht hervor, dass KWK gegenüber ungekop­pelten Systemen in bestimmten Anwendungsfällen betriebs- und volkswirtschaftliche Vorteile aufweist. Deshalb wurden für den weiteren KWK-Ausbau auch große Potentiale identifiziert, die hauptsächlich im Bereich der allgemeinen Versorgung (Fernwärme) und der Industrie liegen. In Gebieten ohne Fernwärmeanschluss weisen auch Objekt-KWK-Anlagen zusätzliche Potentiale auf. Das Gesamt­potential für die KWK-Stromerzeugung beträgt je nach Betrachtung zwischen etwa 170 und 240 TWh pro Jahr.

Um das im Koalitionsvertrag verankerte Ausbauziel zu erreichen, muss die gegenwärtig jährlich in KWK erzeugte Strommenge bis 2020 um circa 50 TWh gesteigert werden. Dies bedeutet einen Zubau von KWK-Anlagen mit einer Leistung von 10 GW, berichtete der Präsident des B.KWK, Berthold Müller-Urlaub (Geschäftsführender Gesellschafter der BMU1 Beratungs- und Vertriebsgesellschaft), in seiner Begrüßungsrede.

Berthold Müller-Urlaub bei seiner Begrüßungsrede zum diesjährigen KWK-Kongress.
Quelle: Robert Donnerbauer
"KWK ist die effiziente und verlässliche Partnerin der fluktuierenden erneuerbaren Energien Sonne und Wind in einem intelligenten und nachhaltigen Energiesystem", konstatierte B.KWK Präsident Berthold Müller-Urlaub in seiner Begrüßungsrede zum diesjährigen KWK-Kongress.

"Wir unterstützen die Empfehlung der Gutachter, das aktuelle Förderdesign des KWKG beizubehalten." Doch die Rahmenbedingungen hätten sich verschlechtert. Dies betrifft insbesondere KWK-Anlagen, die Strom in das Netz der allgemeinen Versorgung einspeisen. Die teilweise Belastung der Eigenerzeugung mit der EEG-Umlage wird den weiteren Zubau bremsen. "In der EEG-Reform wurde unseres Erachtens weder zielführend am Strompreis gearbeitet noch an Effizienzmaßnahmen." Hinzu komme, dass Biogas und Biomethan ("die derzeit einzigen regel- und speicherbaren unter den erneuerbaren Energien") de facto komplett ausgebremst wurden. "Die Branche kämpft derzeit ums Überleben."

Das für Müller-Urlaub vielleicht größte Problem der Energiewende: "Sie wird in den alten, zentralen Strukturen gedacht, mit der alten Energieerzeugungsphilosophie – getrennte Strom- und Wärmeerzeugung, Stromverteilung über größte Entfernungen. Das kann nicht funktionieren." Zudem werde gerne verschwiegen, dass die Energiewende nicht nur eine Stromwende ist. "Sie ist auch und vor allem eine Wärmewende. Dort liegen Potentiale, dort liegen die Schätze, die zu heben sind. Viel zu viel Strom wird ohne Nutzung der Abwärme erzeugt, also nicht in KWK. Wir verstehen nicht, warum die Bundesregierung diese ökonomischen und ökologischen Chancen einfach vergeudet."

"Nach dem EEG ist vor dem KWKG und dann schon wieder vor dem EEG", beschreibt Müller-Urlaub die aktuelle politische Situation. "Im Regulierungsprozess herrscht die Dynamik, die wir uns beim Ausbau der einzelnen Sektoren wünschen würden." Optimistisch erhoffe man von der bevorstehenden KWKG-Novelle 2015 dringend benötigte Impulse für den Aufschwung. Ein wichtiger Punkt sei die Unterstützung für Bestandsanlagen mit einem KWK-Zuschlag, um die sinkenden Großhandelspreise zu kompensieren. "Für viele Heizkraftwerke droht sonst das vorzeitige Aus." Weiterhin sollte die Vergütung für Anlagen bis zu einer Leistung von 2 MW flexibilisiert werden. Zudem solle wenn möglich der bisher fixe KWK-Zuschlag dynamisiert werden, was einer stärker strommarktorientierten Auslegung und Betriebsweise gerecht werde.

"KWK ist die effiziente und verlässliche Partnerin der fluktuierenden erneuerbaren Energien Sonne und Wind in einem intelligenten und nachhaltigen Energiesystem", konstatierte Müller-Urlaub. Mit dem bislang erreichten 16,2 Prozent KWK-Anteil an der Stromerzeugung und den ungenutzten Potentialen der Wärmenutzung gebe man sich nicht zufrieden. "Als Verband wollen wir etwas gegen das Verramschen unseres in hocheffizienten Anlagen hergestellten Stroms unternehmen. Wir werden allen, die eine hocheffiziente KWK-Anlage betreiben, eine Zertifizierung anbieten, also ein Gütesiegel für diesen Strom. Es kann doch nicht sein, das unser hocheffizient hergestellter Strom als Graustrom gemeinsam mit dem Atomstrom verramscht und nur der grüne Strom ein Umweltprädikat erhält!"

"KWK ist vielseitig und flexibel", unterstrich der B.KWK-Präsident. Sie sei die dezentrale Effizienztechnologie, die Ressourcen schont, zur Versorgungssicherheit ebenso beiträgt wie zur Netzstabilität, und die Systemverantwortung übernehmen kann.

Zur Einstimmung in den Kongress beleuchtete Prof. Dr. Miranda A. Schreurs, Leiterin des Forschungszentrums für Umweltpolitik, in ihrem Grußwort das Thema "Energieeffizienz als Schlüssel in der Klimapolitik".

Prof. Dr. Miranda A. Schreurs bei ihrem Grußwort.
Quelle: Robert Donnerbauer
Prof. Dr. Miranda A. Schreurs, Leiterin des Forschungszentrums für Umweltpolitik, hob in ihrem Grußwort zum Thema "Energieeffizienz als Schlüssel in der Klimapolitik" auch die Importabhängigkeit der deutschen Energieversorgung hervor.

Dabei hob sie auch die Importabhängigkeit der deutschen Energieversorgung hervor. So wurden im Jahr 2012 vom gesamten Primärenergieverbrauch in Höhe von 13.757 PJ immerhin 68 Prozent importiert. Die Importanteile betrugen 100 Prozent bei Uran, 98 Prozent bei Mineralöl, 86 Prozent bei Erdgas und noch 81 Prozent bei Steinkohle.

Schreurs verwies zudem auf eine Entwicklung im Stromsektor in Deutschland. Im Jahr 2010 (also vor den Ereignissen in Fukushima am 11. März 2011) hatte die Kernenergie am Strommix einen Anteil von 22 Prozent und Braunkohle von 24 Prozent. Erneuerbare Energien deckten rund 17 Prozent des Bruttostromverbrauchs. In 2013 dann konnten die Erneuerbaren ihren Anteil auf über 23 Prozent ausbauen. Zwar sank der Anteil von Kernenergie auf gut 15 Prozent, doch stieg der von Braunkohle auf knapp 26 Prozent. "Wir schaffen Teile der Energiewende. Wir sind gut auf dem Weg mit Ausstieg aus der Kernenergie und Ausbau der erneuerbaren Energien. Aber wir haben nicht genug gemacht bei den fossilen Energien."

Die erzielten Erfolge bei der CO2-Minderung nach 1990 seien besonders auf strukturelle Veränderung in den neuen Bundesländern im Zuge der Wiedervereinigung zurückzuführen. In den vergangenen Jahren gab es jedoch eine relativ stabile Entwicklung, meist anhängig von der Witterung. "Wir machen nicht genug." Das Problem: bis jetzt sei die Energiewende hauptsächlich eine erneuerbare Energie Wende gewesen. Der Bereich Energieeffizienz sei hingegen vernachlässigt worden. Zudem habe zunächst der Ausstieg aus der Kernenergie und damit der Stromsektor im Fokus gestanden, Möglichkeiten im Wärmesektor wurden zu wenig betrachtet.

Freitag, 05.12.2014

Von Robert Donnerbauer
Redaktion, Heizungs-Journal Verlags-GmbH