Kessel-Sharing im Trend

In der Eifel denkt man an den regionalen Brennstoff Holz

Wie regionale Energiewende funktionieren kann, zeigt der Ort Morschenich-Neu im Rheinischen Braunkohlerevier: Seit sechs Jahren versorgen dort zwei Holzpelletkessel rund 130 Gebäude eines Neubaugebiets mit nahezu CO2-neutraler Nahwärme. Störungen: keine; Zufriedenheit: hoch. Diese beiden Attribute brachten der Installation jüngst die öffentliche Belobigung der EnergieAgentur.NRW ein. Sie zeichnete die EE-Anlage zum Projekt des Monats April 2021 aus.

Foto: Zuverlässige Pelletkessel-Kaskade.
Quelle: LaSa-energy
Zuverlässige Pelletkessel-Kaskade: Im Bild verdeckt der vordere Wärmeerzeuger die zweite Anlage, erkennbar links unten am Schienenschlitten für den herausfahrbaren Brenner. Der Anbau links ist der Holzpellets-Verteiler auf die beiden Feuerungen.

Car-Sharing, Fahrrad-Sharing – und Kessel-Sharing am Nordrand der Eifel. „Braucht eigentlich jedes Haus eine eigene Heizungsanlage? Müssen Sie nur mangels Anschaffungskosten auf eine neue, umweltfreundliche Heizung verzichten? Nein. Moderne Wärmekonzepte bringen weder das Klima noch Ihren Geldbeutel ins Schwitzen. Wie das geht? Zum Beispiel mit Nahwärme aus nachwachsenden Rohstoffen.“ Mit solchen Verkündungen rütteln die Stadtwerke Düren (SWD) am Umweltgewissen der Gebäudeeigentümer im Nahbereich einer entsprechenden Wärmetrasse. Das Paradebeispiel Morschenich-Neu geht auf Details ein. Dort füllt SWD das Fernwärmenetz für 130 Gebäude jährlich mit Heizenergie aus zwei Pelletfeuerungen von zusammen 800 kW – mit rund 2,1 klimaschonenden Gigawattstunden.

Im Vergleich mit einer konventionellen Erdgasverbrennung entlastet das die Atmosphäre von circa 380 t Kohlenstoffdioxid pro Jahr. „Das Projekt der SWD zeigt, dass der Einsatz von Großfeuerungen auf Holzpelletbasis sehr förderlich für den Klimaschutz ist. Aber nicht nur das: Bei Holzpellets handelt es sich um einen genormten, effizienten und emissionsarmen Brennstoff, der aus der Region stammt. Somit wird auch die regionale Wertschöpfung gestärkt“, erklärt Heike Frinken, Leitung Themengebiet Biomasse der EnergieAgentur.NRW.

Im Wesentlichen besteht die Heizzentrale aus einer 300 kW und einer 500 kW Holzpellet-Anlage, inklusive Peripherie wie Pumpen und übergeordneter Steuerung sowie einem 30.000 Liter fassenden Pufferspeicher und dem Pelletbunker. Die beiden Kessel verschalteten die Anlagenbauer zu einer Kaskade, wobei die Anforderung über den Füllstand des Speichers erfolgt.

Die Regelung behält die Betriebsstunden jeder Einheit im Blick und achtet darauf, dass sich die Heizarbeit in etwa auf beide Wärmeerzeuger gleichmäßig verteilt. Eine 4,6 Kilometer lange Rohrtrasse verbindet die Kessel mit den Übergabestationen bei den Wärmeabnehmern. Die Wärmeübertrager bedienen sowohl das Heizungs- als auch das Warmwassernetz.

Vorsorge für den Störungsfall

Um einer Versorgungsunterbrechung durch einen störfallbedingten Ausfall der Heizzentale vorzubeugen, integrierten die SWD eine Noteinspeisung in Form der Anschlussmöglichkeit einer mobilen Station. Die turnusmäßige Wartung der Installation und einen 24/7-Entstörungsdienst gewährleisten SWD-Techniker. „Die Wärmebereitstellung mittels Holzpellets und der Einsatz von kompakten Wärmeübergabestationen in den Gebäuden bieten für unsere Kunden gleich mehrere Vorteile.

Beispielsweise werden hierdurch die Anforderungen an die Qualität der Wärmeversorgung für Neubauten erfüllt. Zudem sind die Wärmeübergabestationen durch einen geringen Platzbedarf und eine ruhige Betriebsweise im Vergleich zu dezentralen Versorgungsvarianten gekennzeichnet“, so Ingo Vosen, Vertriebsleiter bei den Stadtwerken Düren. „Dies liegt insbesondere darin begründet, dass beispielsweise keine Vielzahl von Brennstofflagerräumen mit periodischer Befüllung und einigen Beeinträchtigungen für die Anwohner benötigt wird“, ergänzt der Stadtwerker. Das sei auch ein wichtiger Aspekt dafür gewesen, warum die Morschenicher in der Bürgerbefragung in der Vorphase mehrheitlich für das SWD-Fernwärmekonzept abgestimmt hätten.

Das Investitionsvolumen des CO2-neutralen Wärmekonzepts betrug rund 2,1 Millionen Euro. Die Mittel stellten SWD und die Gemeinde Merzenich bereit. Vorab prüften die Investoren die Energiepotentiale, Standortfaktoren, den Einsatz der geeignetsten Technik sowie deren Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit für die Bewohner und Bewohnerinnen.

Die klimafreundliche Wärmeversorgung hat bis heute den Erwartungen entsprochen. Und zwar so überzeugend, dass sich die SWD für eine Pelletfeuerung für einen weiteren großflächigen Gebäudebereich in der Eifel entschied und gegenwärtig in Containerbauweise ebenfalls eine 800-kW-Anlage zur Wärmeversorgung eines Schul- und Internatkomplexes errichtet.

Freitag, 22.10.2021

Von Bernd Genath
Freier Journalist
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