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Großer Auftritt für die Stromspeicher

Teil 1

Die Weltleitmesse für Solarenergie Intersolar Europe zog zum Monatswechsel Mai/Juni 2017 rund 40.000 Besucher in die bayerische Landeshauptstadt München. Auch wenn nur sieben der 16 Messehallen genutzt wurden, war bei den über 1.100 Ausstellern viel von Optimismus die Rede.

Dazu trägt zum einen der weltweite Solarboom bei, aber auch der wieder anziehende Markt in Deutschland. Gerade hier setzen viele Hersteller und Händler auf Batteriespeichersysteme und Steuerungen, von denen erstere die Nutzung von Solarstrom in sonnenarmen Zeiten ermöglichen und zweite zur Verknüpfung des Strom-, Wärme- und Verkehrssektors beitragen können. Die Innovationen fanden auf einer Fläche von eineinhalb Hallen im Rahmen der "ees – electrical energy storage" großes Interesse.

"Die Preise im Speicherbereich sind in letzter Zeit deutlich gefallen", stellt Dr. Franz-Josef Pfreundt, Bereichsleiter des Competence Center High Performance Computing am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM in Kaiserslautern fest. Bei Preisen von netto 500 € pro kWh Speicherleistung inklusive Wechselrichter-Leistung sei man derzeit an der Schwelle der Wirtschaftlichkeit.

Pfreundt sieht in der Branche aber auch "einen großen Marketinghype". Gerade dass bei der Sektorenkopplung viele Anbieter die Steuerungen nur auf ihre eigenen Produkte hin konfigurierten, sehe man kritisch. Aus diesem Grund habe sein Institut ein vielseitig einsetzbares Energiemanagementsystem entwickelt, das zu einem möglichst günstigen Preis Komponenten unterschiedlicher Hersteller miteinander verbindet. Unter dem Namen "Amperix" wird es bereits bei Pilotprojekten, etwa mit den Stadtwerken Speyer, eingesetzt und soll möglichst bald auch in Serie gehen.

Dr. Franz-Josef Pfreundt und das Energiemanagementsystem
Quelle: Martin Frey
Mit "Amperix" hat das Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM in Kaiserslautern ein vielseitig einsetzbares Energiemanagementsystem entwickelt, das Dr. Franz-Josef Pfreundt vorstellte.

Die Unternehmen, die Batteriespeicher präsentierten, setzen derzeit in der Mehrzahl auf die Lithium-Ionen-Technologie, die besonders hohe Speicherdichten auf kleinem Volumen ermöglicht. Im Speziellen handelt es sich dabei oft um Lithium-Nickel-Mangan-Kobaltoxid-Zellen mit hoher Speicherdichte. Sie stammen aus dem Automobilbau und angesichts der anziehenden Verkäufe von E-Autos erwartet man weiter sinkende Preise.

Akasol

Batteriesysteme mit integriertem Batteriewechselrichter präsentierte die Akasol GmbH aus Ravensburg. "Wir entwickeln eine neue Produktlinie und bewegen uns von dem reinen Batteriehersteller hin zum Komplettanbieter mit Leistungselektronik. Dies bedeutet für die Installateure einen großen Vorteil", berichtete Markus Michelberger, Leiter für Stationäre Energiespeichersysteme bei Akasol.

Markus Michelberger und ein Batteriesystem.
Quelle: Martin Frey
Markus Michelberger präsentierte Batteriesysteme mit integriertem Batteriewechselrichter der Akasol GmbH aus Ravensburg.

Auf der Intersolar wurde hierzu das erste Produkt "neeoBASIX" mit integriertem Batteriewechselrichter und Energiemanagement bei Speicherkapazitäten von 6,5 und 13 kWh vorgestellt. Ab dem Jahr 2018 solle dann das System "neeo" mit 19 kWh bis hin zu 65 kWh folgen. Davon seien bis zu zehn Systeme kombinierbar. Man erreiche so 650 kWh und eine Abgabeleistung von 240 kW. In dieser Größenordnung dürften die Systeme dann besonders für Gewerbe, Industrie oder EVUs interessant werden.

Automatic Storage Device

Auf Lithium-Eisenphosphat-Batterien mit Speicherkapazitäten von 6,4 bis 13 kWh setzt die ASD Automatic Storage Device GmbH aus Umkirch bei Freiburg. "Die Besonderheit ist die durchgängig parallele Schaltung der Zellen mit unserer »Pacadu«-Elektronik", betonte Frederik Fuchs, Leiter der Organisationsentwicklung.

Frederik Fuchs und eine Batterie mit
Quelle: Martin Frey
Die Automatic Storage Device GmbH aus Umkirch bei Freiburg verschaltet ihre Zellen parallel und versieht sie mit ihrer "Pacadu"-Elektronik, berichtete Frederik Fuchs.

Diese sei seit Anfang 2016 auf dem Markt und ermögliche es, den Nachteil der Reihenschaltung zu vermeiden, dass jeweils die schwächste Zelle die Kapazität und Leistung des gesamten Systems bestimme. "Für den Kunden bedeutet dies zwar eine höhere Anfangsinvestition, allerdings laufen auch unsere Speicher länger auf hohem Kapazitätsniveau", so Fuchs. Die fertigen Speicher inklusive der Hochleistungselektronik können Installateure direkt beim Unternehmen bestellen.

Deutsche Energieversorgung

Die Deutsche Energieversorgung GmbH aus Leipzig mit ihrer Tochter Senec stellte auf der Intersolar ihre "Senec-Cloud" vor, welche die Sektorenkopplung für Strom, Wärme und Mobilität ermöglicht. "Wir haben bereits 14.000 Speicher abgesetzt und als Energieversorger können wir auch den Kunden mit Reststrom beliefern", erklärte Dr. Thomas Pilgram, Mitglied der Geschäftsführung. Man stelle sich auf ein erhebliches Wachstum in diesem Bereich ein und biete für Handwerker als Hilfestellung ein Fachpartnerkonzept.

Dr. Thomas Pilgram und zwei Stromspeicher.
Quelle: Martin Frey
Die "Senec-Cloud", welche die Sektorenkopplung für Strom, Wärme und Mobilität ermöglicht, präsentierte Dr. Thomas Pilgram von der Deutschen Energieversorgung GmbH aus Leipzig.

Insgesamt sehe er die Entwicklung, dass die Aufgabenbereiche von Heizungsmonteur und Elektroinstallateur immer mehr zusammenwachsen. So habe man auch eine Steuerungsbox für einen Heizstab im Portfolio, um anlassbezogen PV-Strom verheizen oder billigen Börsenstrom nutzen zu können. Bei den Speichern verwendet man Lithium-Ionen-Zellen von Panasonic. Diese sind in Kapazitäten zwischen 2,5 und 10, bzw. zwischen 12 und 36 kWh erhältlich. Bis zu vier davon seien jeweils skalierbar.

E3/DC

Beim Speicheranbieter E3/DC GmbH aus Osnabrück herrschte Hochstimmung, wenn auch Geschäftsführer Dr. Andreas Piepenbrink vor allzu viel Euphorie warnte: "Die Photovoltaik zur Eigenerzeugung ist ein übersichtlicher aber moderat wachsender Markt." Von den rund 35.000 Speichern, die in diesem Jahr in Deutschland installiert werden, habe man immerhin einen Marktanteil von 14 Prozent. "Wir sind sehr optimistisch, es läuft im Moment für uns sehr sehr gut."

Dr. Andreas Piepenbrink vor dem Stand von E3/DC auf der Intersolar.
Quelle: Martin Frey
Dr. Andreas Piepenbrink vom Speicheranbieter E3/DC GmbH aus Osnabrück freute sich: "Wir sind sehr optimistisch, es läuft im Moment für uns sehr sehr gut."

Man habe eine Technologie entwickelt, mit der man Wärmepumpen extrem gut steuern könne. "Gerade da haben wir auch die höchsten Autarkiegrade bzw. Einsparungen." Man setzt dabei auf die Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen. Piepenbrink erwartet zunächst "keine radikalen Preissenkungen". Aber unstrittig sei, dass die Zellen in zehn Jahren die Hälfte kosten könnten.

Mittwoch, 09.08.2017

Von Martin Frey
Fachjournalist