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"Future Living" Berlin: Smartes Wohnen als realisierte Zukunft

In Berlin-Adlershof wird ein komplett über die drei Sektoren Strom, Wärme und Mobilität vernetztes, erneuerbares Energiekonzept realisiert.

Das Quartier
Quelle: GSW Sigmaringen
"Future Living" Berlin – das Projekt in der Vogelperspektive.

"Future Living" – zukünftiges Wohnen und Leben: An mehreren globalen Standorten investiert der japanische Elektronik- und Technologiekonzern Panasonic in nachhaltige Wohnlandschaften. Die Normalität von morgen besteht nach allgemeiner Ansicht in smarten Gebäuden und Quartieren für ein generationenübergreifendes Miteinander, das auf den drei Säulen der Nachhaltigkeit ruht: umweltschonend, sozial, ökonomisch.

Für das Attribut "umweltschonend" stehen grüner Strom aus der PV-Anlage, elektrisches Heizen mit Luft/Wasser-Wärmepumpe, Batteriespeicher zum Entkoppeln von solarem Angebot und häuslichem Bedarf – in Berlin alles aus einer Hand von Panasonic – und eine Bauphysik, die dem Standard KfW-"40 Plus" entspricht. Bekanntlich dürfen KfW-40-Heimstätten nicht mehr als 40 Prozent des EnEV-Referenzgebäudes verbrauchen, um die entsprechende hohe Förderung von der Kreditanstalt für Wiederaufbau zu erhalten. Das Plus-Paket für einen zusätzlichen Aufschlag enthält weitere Anforderungen, wie eben eine Strom erzeugende Anlage auf Basis erneuerbarer Energien, zum Beispiel PV, einen Stromspeicher, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und anderes.

Mit den Anmerkungen zum deutschen Effizienzhaus-Standard KfW-"40 Plus" ist indirekt gesagt, dass deutsche Unternehmen bei "Future Living" mitmachen: Etwa die GSW Gesellschaft für Siedlungs- und Wohnungsbau Baden-Württemberg mbH, eine Immobilientochter des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg e.V. Sie ist Bauherrin des Projekts "Future Living" Berlin. Die ersten Ideen des Modells für vernetzte Stadtquartiere entstanden 2013, quasi parallel zu den Panasonic-Entwürfen, an den Computern der GSW und der Unternehmensgruppe Krebs, Berlin, mit deren langjährigen Expertisen im Immobiliengeschäft. Den Anstoß gab die zunehmende Vernetzbarkeit von Produkten und Dienstleistungen für einzelne Wohnungen als auch Stadtquartiere.

Ein auf dieser Basis entwickeltes, alle Tagesabläufe umfassendes Wohnkonzept müsse zwangsläufig, so die Vorstellung, den Bewohnern mehr Komfort, Sicherheit und Zeitgewinn bringen und Jung und Alt, Singles und Familien unter einem gemeinsamen Dach zusammenführen. Diese Blickrichtung geht in Richtung der zweiten Säule der Nachhaltigkeit, der sozialen Komponente. Selbstverständlich sollte eine Erhöhung der Wohnqualität für das Gros der Bevölkerung bezahlbar, sprich: mietbar, bleiben müssen. Damit ist der dritte Baustein, die Baukosten bzw. die Wirtschaftlichkeit, angesprochen.

Das "Alexa"-Prinzip

"Future Living" Berlin zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass die Wohnungen für die zukünftigen Bewohner vorkonfiguriert und bei Einzug voll funktionsfähig sind. Über eine zentrale App oder Sprache kann die Wohnung gesteuert, individualisiert und um weitere smarte Produkte erweitert werden. Die Vernetzung gestattet es unter anderem, allen Bewohnern einen einfachen Zugriff auf ein geschlossenes "Community Car Sharing" im Wohnquartier zu eröffnen. Selbstverständlich basiert dieses Carsharing auf E-Mobilität ("Smarts" von Mercedes-Benz) und ist mit seiner Ladestation in das ganzheitliche Energiekonzept mit Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern eingebunden. Das Smartphone öffnet für einen gewählten Zeitraum zuvor gebuchte Fahrzeuge. Für Panasonic und GSW gibt Adlershof damit "konzeptionell und architektonisch Antworten auf einige der großen Herausforderungen unserer Gesellschaft, wie zum Beispiel den demographischen Wandel, die Energiewende und das veränderte Mobilitätsverhalten, und ist durch seinen umfassenden Lösungsansatz einzigartig in Europa."

Ein Smart steht neben einer E-Ladestation.
Quelle: Mercedes-Benz
PV-Strom für das Carsharing mit "Smarts".

Die Akzeptanz der assistiven Technologien, sozusagen das "Alexa"-Prinzip, also smarte Schalter, Wohnungsmanager, Fahrstühle oder Geräte, die per Sprachsteuerung reagieren, beschränkt sich ja schon lange nicht mehr auf etwa Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Das Internet der Dinge (IoT = Internet of Things) zieht in immer mehr Haushalte ein. Doch spielt das Nutzerverhalten eine entscheidende Rolle, um die angepeilten Energieersparnisse und den erwünschten Autarkiegrad zu erzielen. Akzeptieren die Bewohner eine Art "Gebrauchsanweisung des Wohnens" oder verdrehen sie die Regler so, dass das gesamte System aus dem Ruder läuft?

Weiterführende Informationen: https://www.gsw-sigmaringen.de/

Dienstag, 20.10.2020

Von Bernd Genath
Freier Journalist