Fleißig ist nicht gleich wirtschaftlich

Wie zwei Handwerksunternehmer mit einem Coach ihren Gewinn und die Lebensqualität verbessert haben

Bettina (44) und Michael Weber (48) sind sich einig: Wenn sie vor zwei Jahren so weiter gemacht hätten wie die letzten zwei Jahrzehnte, hätte das eine unsichere Zukunft bedeutet.

Ihre Elektro-Firma im oberbayerischen Feldkirchen-Westerham war auf 40 Mitarbeiter gewachsen, sie hatten ein neues Firmengebäude errichtet, Aufträge gab es genug – doch das Betriebsergebnis war schwach. "Wir rechneten hin und her, fanden aber keine Lösung. Wir waren ausgelaugt, ratlos, erdrückt vom Tagesgeschäft", beschreibt das Betriebsleiter-Ehepaar.

Ein Mann wirft einen Stapel Papier in die Luft.
Quelle: www.pexels.com

Viele Handwerksunternehmer kennen das. Meistens haben sie als Ein-Mann-Betrieb begonnen oder das Geschäft vom Vater übernommen. Mit der Zeit wurden es mehr Kunden – und mehr Mitarbeiter. Dabei wurde vergessen, die Strukturen anzupassen. Das Ergebnis: Der Chef ist Mädchen für alles, ohne ihn läuft nichts. Er arbeitet abends lang und auch am Wochenende – und ist mit dem Ertrag dennoch nicht zufrieden. In der Meisterschule wurde er auf Situationen wie diese kaum vorbereitet.

Deshalb beschlossen Michael und Bettina Weber, die Herausforderung mit Unterstützung eines Externen anzugehen. Über Kontakte stießen sie auf Walter Raab, Unternehmercoach aus dem niederbayerischen Vilshofen.

Man lernte sich kennen, fand sich sympathisch und entschied, das von Raab entwickelte Konzept im Betrieb umzusetzen und die gestellten "Hausaufgaben" zu erledigen.

"Mein Ziel war es, den Webers das Leben leichter zu machen. Gemeinsam haben wir erreicht, dass ihre Mitarbeiter jetzt für sie mitdenken. Mittlerweile macht das Unternehmen einen angemessen hohen Gewinn", erklärt Walter Raab.

Er stammt selbst aus einem Handwerksbetrieb und kennt die Probleme der Branche. "In vielen Firmen herrscht das Ideal, fleißig zu sein. Dabei heißt fleißig zu sein nicht automatisch gleich Geld zu verdienen", sagt der Coach. Die Essenz seines Konzeptes besteht darin, den Fokus auf die Wirtschaftlichkeit aller im Betrieb anfallenden Tätigkeiten zu lenken.

Ein Mann zeichnet ein Schaubild auf eine weiße Tafel.
Quelle: www.pexels.com

In einer Reihe von Beratungsterminen erarbeitete Raab mit den Webers ein strategisches Ziel in Zahlen und eine schrittweise Vorgehensweise, um dieses Ziel zu erreichen. In weiteren Treffen wurden die Mitarbeiter in die neue Unternehmenskultur eingebunden. Konsequent setzten die Webers Raabs Vorschläge um. Über regelmäßige Telefonate und Vorort-Termine unterstützt er den Betrieb auch weiterhin, so dass die gute Entwicklung nachhaltig gesichert wird.

Was hat sich seit dem ersten Treffen bei der Elektro Weber GmbH verändert?

"Zuerst haben wir uns selbst verändert, also unsere Denkweise", berichtet Bettina Weber. "Wir haben eingefahrene Abläufe hinterfragt, eine zweite Führungsebene etabliert, organisatorische Hilfsmittel eingeführt, unrentable Geschäftszweige abgebaut, zukunftsträchtige gestärkt. An den Zahlen hat man das bald gesehen", erzählt Michael Weber. Die Inhaber und ihre Mitarbeiter ziehen jetzt mehr an einem Strang.

Ähnliches zeichnet sich bei der Haustechnik Voßwinkel GmbH im nordrheinwestfälischen Kürten ab. Im Dezember 2016 fing Geschäftsführer Martin Voßwinkel an, mit Coach Walter Raab zusammenzuarbeiten.

Mittlerweile fühlt sich der gelernte Kaufmann wesentlich sicherer in der Handwerksbranche. "Mein Blick hat sich geweitet. In den Köpfen hat eine Veränderung begonnen. Ich weiß jetzt, wie meine zwölf Mitarbeiter denken, und dass es an mir liegt, sie zu wirtschaftlichem Handeln zu motivieren. Walter Raab hat eine Erklärungsmethode gefunden, die jeder versteht, egal ob Meister, Geselle oder Azubi. Zahlen und komplizierte Kalkulationen spielen darin keine Rolle. Und trotzdem wissen jetzt alle, um was es geht", berichtet Martin Voßwinkel. Dass sich die Veränderungen positiv auf das Betriebsergebnis auswirken, daran hat er keinen Zweifel.

Ein Taschenrechner liegt auf einer Tabelle, daneben eine Hand, die einen Kuli hält.
Quelle: www.pexels.com

"Das Aufatmen kam relativ schnell", bestätigen die Webers in Oberbayern. "Wir arbeiten jetzt nicht mehr im Unternehmen, sondern am Unternehmen." Das heißt: Die Inhaber kümmern sich um die strategische Ausrichtung, die zweite Führungsebene organisiert das Tagesgeschäft. "Das bringt uns mehr Gewinn und ein Riesenplus an Lebensqualität", lautet das Fazit von Michael Weber. Über so eine Rückmeldung kann sich Coach Walter Raab nur freuen.

Montag, 18.09.2017

Von Simone Kuhnt
Freie Journalistin