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Exklusiv-Interview mit Mag. Thomas Reiter, Geschäftsführer Etherma Elektrowärme GmbH

Vor 35 Jahren gründete Peter Reiter das Unternehmen Etherma, welches zu den Pionieren im Bereich elektrischer Flächenheizungen zählt. Auch sein Sohn, Mag. Thomas Reiter, der seit 2009 in zweiter Generation das Familien­unternehmen leitet, bleibt der Vision seines Vaters "Heizen mit sauberem Strom" treu. Im Exklusiv-Interview mit dem HeizungsJournal gibt Thomas Reiter Einblicke in die Produktwelt und zeigt Entwicklungsperspektiven auf.

Thomas Reiter
Quelle: Etherma
Mag. Thomas Reiter, Geschäftsführer Etherma Elektrowärme GmbH 

Eine Bitte zum Einstieg: Skizzieren Sie Ihr ganz persönliches Bild von der "Heizung der Zukunft".

Die 35 Jahre alte Vision meines Vaters gilt auch heute noch für mich – das Elektrohaus mit Strom für eine saubere und komfortable Zukunft. Ein Haus komplett mit Photovoltaik zu beheizen, ist aufgrund der saisonal schwächeren Produktion im Winter zwar nicht immer möglich, die Elektroheizung leistet aber einen großen Beitrag zur Energieautarkie.

Es gilt, den Eigenverbrauch auf 100 Prozent zu erhöhen: Das heißt, möglichst viele Verbraucher im Haus zeitlich intelligent gesteuert mit eigenem Strom zu versorgen. Die Weiterentwicklung der Batteriespeicher leistet hier einen weiteren großen Beitrag. Das Elektrohaus ist damit nicht mehr nur alleine ein Schlagwort: Die PV-Anlage auf dem Dach produziert den Strom und das Gebäudeautomatisierungssystem steuert, ob die zur Verfügung stehende elektrische Energie für den Eigenbedarf – etwa für die Elektroheizung – herangezogen wird, in den hauseigenen Stromspeicher abgespeichert oder zum Beispiel für das Elektroauto verwendet wird.

Warum setzt die Heizungstechnik aus Ihrer Sicht zukünftig (wieder) verstärkt auf den Primärenergieträger Strom?

Die Sonne schickt uns täglich 4.000 Mal mehr Energie, als wir auf der Erde verbrauchen – das heißt, wir haben kein Energieproblem! Wir müssen diese nur sinnvoll umwandeln und speichern. Nur durch eine Umstellung der Energiegewinnung auf Sonnen-, Wind- und Wasserkraft werden unsere Enkelkinder einen sauberen Planeten vorfinden.

Ein modern eingerichtetes Wohnzimmer.
Quelle: Etherma
Eine moderne Elektro-Infrarot- und -Fußbodenheizung ist laut Etherma nicht nur eine Alternative – elektrische Heizsysteme in Verbindung mit sauberem Strom seien die Chance, die Umwelt nachhaltig von der weltweiten CO2-Produktion zu entlasten.

Ich sehe auch den Biomasse-Hype sehr vorsichtig. Ein Baum braucht sechs Jahre, bis er gefällt werden kann, verbrannt wird er in einem Monat. So wird beispielsweise bei der Verbrennung von 1 m³ Holz etwa 1 t CO2 freigesetzt. Verarbeitet man dagegen das Holz zu langlebigen Produkten (Möbel, Häuser etc.), wird das CO2 nicht in die Atmosphäre abgegeben, sondern bis zum Ende der Nutzungsdauer des Produkts im Holz gespeichert. Bei der Weiterverwertung (Spanplatten, Papier etc.) bleibt das CO2 so über mehrere Nutzungszyklen hinweg gespeichert, bevor es verbrannt werden kann.

Eine moderne Elektro-Infrarot- und -Fußbodenheizung ist somit nicht nur eine Alternative – elektrische Heizsysteme in Verbindung mit sauberem Strom sind unsere einzige Chance, die Umwelt nachhaltig von der weltweiten CO2-Produktion zu entlasten.

Wie lauten Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, welchen sich die Branche der Energie- und Gebäudetechnik gegenübersieht?

Zukünftig wird es ein Zusammenspiel von optimalen Baustoffen, Energieerzeugung, -verteilung und -speicherung für das ideale Elektrohaus geben müssen. Eine isolierte Betrachtung der Heizung oder Speicherung von Energie führt nicht zum Ziel, erst eine gezielte Abstimmung von Produktion, Zukauf und Verteilung führt zu höchstmöglichem Komfort bei niedrigem Verbrauch aller Systeme eines Hauses.

Aber es sind auch andere Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, wie zum Beispiel die Frage: Was ist nun die optimale Elektroheizung? Denn Trittbrettfahrer verkaufen teilweise nur "heiße Luft", aber keine Infrarotheizungen. Durch den Einsatz einiger Marktführer wird es aus diesem Grund zeitnah eine Norm geben, die eine Produktprüfung vorsieht und dem Kunden Sicherheit geben wird.

Mit welchen Strategien (gerade im Hinblick auf das installierende Fachhandwerk) begegnet Ihr Unternehmen diesen Aufgaben?

Das Elektrohaus ist eine Riesen-Möglichkeit, langfristig Umsatzwachstum für das Handwerk zu generieren. Durch die Installation einer Photovoltaik-Anlage, einer modernen Infrarotheizung, eines Batteriespeichers und einer intelligenten Steuerung kann der Umsatz bei einem Haus um 20.000 bis 40.000 Euro pro Baustelle erhöht werden – inklusive glücklicher Kunden und der Schonung der Umwelt. Unser Ziel sind ganzheitliche Heizkonzepte, die moderne, intelligente und effiziente Elektroheizsysteme mit nachhaltiger Energieerzeugung und innovativen Speichersystemen kombinieren. Wir bieten unseren Kunden dabei ein umfangreiches Partner-Programm – das reicht von einem exklusiven Schulungsprogramm über den Verkauf unterstützender Maßnahmen bis hin zur Unterstützung bei Genehmigungs- und Förderthemen.

Weiterführende Informationen: http://www.etherma.com

Dienstag, 17.01.2017

Von Jörg Gamperling
Chefredaktion HeizungsJournal