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Die Energiewende treibt die Heizungsbranche

Ein weiteres auf Gas basiertes Zukunftsthema war die Zeolith-Wärmepumpe. Was ist aus diesem Projekt geworden?

Wir hatten die Zeolith-Wärmepumpe über einige Jahre im Verkauf. Mit den Fortschritten in Effizienz, Stückzahlen und Wirtschaftlichkeit, die sich bei den elektrisch betriebenen Wärmepumpen einstellte, hat die Zeolith-Wärmepumpe zunehmend an Attraktivität verloren. So entschieden sich beim direkten Vergleich der Produkte zuletzt viele Kunden dann doch für eine Stromwärmepumpe.

Nun setzen Sie auf die Stromwärmepumpe. Diese konnte nach einer wechselhaften Geschichte mit vielen Auf und Ab zuletzt richtig zulegen und 2017 gar einen neuen Absatzrekord hinlegen. Erwarten Sie, dass dies nun so weitergeht?

In diesem Jahr wird es jedenfalls wieder einen neuen Rekord für die Wärmepumpe geben. Die Branche geht, wie gesagt, von einem Absatzzuwachs von rund acht Prozent aus. Für die weitere Entwicklung müssen wir drei wesentliche Faktoren betrachten. Die Entwicklung des Bausektors, den Anteil der Wärmepumpen im Neubau und die Renovierung in Bestandsbauten. Ich erwarte, dass im Bausektor die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Hier gibt es zwar leichte Steigerungen, jedoch beim Volumentreiber Einfamilienhaus ist die Entwicklung flach. Die Wärmepumpe wird ihren Marktanteil im Neubau sicher noch weiter steigern. Im Einfamilienhaus ist sie bereits führend, im Mehrfamilienhaus wird sie es mittelfristig werden.

Das Thema Renovierung gilt es noch zu gestalten. Interessant ist, dass im Bestand nun auch alte Wärmepumpen im Rahmen einer Modernisierung zum Austausch kommen. Dieses Ersatzgeschäft ist ein sicherer Wachstumstreiber. Noch völlig unklar ist das Sanierungsgeschäft, bei dem im Wesentlichen Alternativen für Heizöl und Erdgas gesucht werden. Von technischer Sicht spricht nichts gegen die Wärmepumpe im Bestand. Dank neuer Technik und neuer Kältemittel werden wir höhere Vorlauftemperaturen erzielen können. Doch es stellt sich die Frage, wieviel Elektrifizierung wir in diesem Bereich haben wollen. Und welche Rahmenbedingungen die Politik für einen Austausch setzt. Um in die Renovierung rein zu kommen, sind die Betriebskosten entscheidend. Angesichts der durch die ganzen Umlagen getriebenen hohen Strompreise in Deutschland gestaltet sich die Situation im Moment eher unattraktiv. Da fällt es dem Verbraucher rein wirtschaftlich betrachtet schwer, eine Gasheizung durch eine Wärmepumpe zu ersetzen.

Stichwort Modernisierung: Aus der Praxis kam häufig Kritik, dass besonders Luftwärmepumpen an kalten Wintertagen an ihre Grenze gestoßen sind und die alten Häuser quasi nur noch mit Strom geheizt haben.

Die Lösung kann nicht sein, dass letztendlich nur "Heizstäbe" verkauft werden. Einerseits sind hier Planer und Handwerker bei der Auslegung der Anlagen gefragt. Andererseits sind wir Hersteller gefordert, eine Technologie anzubieten, die auch bei kälteren Temperaturen noch effizient ist. Die Technik ist aber mittlerweile soweit, auch die in Altbauten geforderte höhere Vorlauftemperatur bereitzustellen. Das Thema wird immer besser beherrschbar. Daher hat die Wärmepumpe aus technologischer Sicht auch in der Renovierung ihren Platz. Die Frage lautet, wie gesagt, eher, wie passen Investitionskosten und Betriebskosten zusammen, und wie werden sich die Kosten für Strom, Heizöl und Erdgas weiter entwickeln. Die Unsicherheit, wie sich die Energiewende weiter gestaltet, trägt sicher zur Unsicherheit bei den Verbrauchern bei, was dazu führt, dass sich die Leute gar nicht entscheiden.

Dr. Tillmann von Schroeter im Gespräch.
Quelle: Robert Donnerbauer
"Aktuell setzen wir unsere strategischen Schwerpunkte auf die Gas-Brennwerttechnik und die Stromwärmepumpe", betont der Geschäftsführer von Vaillant Deutschland.

Im Neubau drängt sich das Thema Schallschutz auf. So hatte sogar das Umweltbundesamt darüber informiert, dass die Beschwerden über tieffrequente Brummton-Geräusche deutlich zugenommen haben. Gerade in Wohngebieten mit kleinen Grundstücken und enger Bebauung wird das leise Dauerbrummen von Luftwärmepumpen zum Teil als störend wahrgenommen. Wie bewerten Sie das Thema?

Natürlich nehmen wir, wie die Branche allgemein, das Thema Schallschutz ernst. Unsere Kunden sollen keinen Ärger mit den Nachbarn bekommen, nur wegen ihrer Heizung. Für uns sehen wir dies als Chance, uns im Wettbewerb zu differenzieren. Denn Schall ist bereits zu einem starken Verkaufsargument geworden. So haben wir in diesem Jahr eine neue Luft/Wasser-Wärmepumpe "aroTherm Split" auf den Markt gebracht. Bei ihrer Entwicklung haben wir besonderen Wert darauf gelegt, dass wir damit die leiseste Wärmepumpe auf dem Markt haben, die man überall problemlos verbauen kann. Sie unterbietet alle gesetzlichen Grenzwerte.

Früher wurden mehrheitlich Erdwärmepumpen installiert. Da stellte sich das Thema nicht. Doch dann gab es eine Marktverschiebung. Ab 2010 übernahmen Luftwärmepumpen die Führung. Wieweit sehen Sie das Aus für die Erdwärmepumpe?

Luftwärmepumpen dominieren besonders im Neubau. Hier verlieren Erd- und Wasserwärmepumpen zwar Anteile, doch sie haben weiter ihre Berechtigung. Gerade im Winter punkten sie mit ihrer hohen Effizienz. Doch der Kunde muss den höheren Aufwand mit den Vorteilen bei der Effizienz abwägen. Ein Luftkollektor ist leichter zu installieren. Letztlich ist es auch eine finanzielle Frage. Die Bohrkosten sind weiter hoch, während die Effizienz der Luftwärmepumpe steigt.

Wie hat sich der Handlungsbedarf bei Kältemitteln für Wärmepumpen und Klimaanlagen entwickelt, der durch die am 1. Januar 2015 in Kraft getretene F-Gase-Verordnung entstanden ist?

Die F-Gase-Verordnung hat sich deutlich auf die Preisentwicklung bei den Kältemitteln ausgewirkt. Die Preise sind teilweise extrem gestiegen. Auch für einen besseren Umweltschutz besteht Handlungsbedarf. Wir arbeiten an alternativen Kältemitteln – dies sowohl aus ökologischen als auch aus technologischen Gründen. Ich glaube, es gibt keinen Wärmepumpenhersteller, der sich nicht mit diesem Thema beschäftigt.

Nach der Energiewende kommt jetzt die Digitalisierung. Wie es heißt, soll die Heizungsbranche damit jetzt auf einmal vor tiefgreifenden Herausforderungen stehen. Schaut man zurück, so hatte allein Vaillant schon im Jahr 2002 unter dem Namen "Vaitronic" den Produktbereich Hausautomation gestartet. Und im 2003 hieß es unter dem Namen "vrnetDialog": "Die Heizung geht online", womit das Fachhandwerk übers Internet Zugriff auf die Heizung bekam. Was ist denn jetzt wirklich neu?

Das Thema kommt jetzt erst richtig im Markt an. Wir sehen, dass sich derzeit alle Marktteilnehmer viel intensiver mit dem Thema beschäftigen. Es wird viel mehr verbaut, die Anschlussraten gehen hoch. Doch wir stehen immer noch am Anfang einer langen Reise. Die Digitalisierung kreiert neue Chancen, neue Geschäftsmodelle. Es stehen immer mehr Daten zur Verfügung, die dem Handwerk und uns als Hersteller helfen, das Verhalten der Anlagen unter unterschiedlichen Nutzungsbedingungen noch besser zu verstehen. Dann stellt sich die Frage, wie wir die Daten nutzen können, beispielsweise für neue Formen des Service. Da wird noch viel passieren. Grundlage hierfür sind die Daten – entscheidend sind der Nutzen und der Mehrwert, der aus diesen Daten entsteht.

Es heißt, digitale Plattformen und Dienste könnten dabei bald wichtiger werden, als die Produkte selbst. Aber können sie auch heizen, lüften, warmes Wasser erzeugen? Digitaltechnik heizt nicht die Wohnung. Wird das immer vergessen?

Die Frage ist, wie wichtig werden die zusätzlichen neuen Dienstleistungen? Wieweit können neuer Nutzen kreiert und neue Wettbewerbsvorteile in der Heiztechnik erschlossen werden? Wir arbeiten intensiv daran, aus der Kombination von Technik und Daten intelligente Dienstleistungen zu entwickeln, die dem Endkunden und dem Handwerker das Leben einfacher machen.

Wieweit geht es für die Hersteller auch darum, die Gefahr abzuwenden, zu schlichten Zulieferern von Online-Plattformen degradiert zu werden?

Die Digitalisierung bietet neue Chancen. Wir können wirklich Zusatznutzen für den Endkunden kreieren. Zum Beispiel, wenn die Daten darauf hinweisen, dass ein Bauteil demnächst ausfällt, kann der Handwerker seinen Kunden rechtzeitig darauf hinweisen und das Thema lösen. So kann dem Endkunden geholfen werden, bevor etwas passiert. Dies ist quasi eine Wärmegarantie, ein Komfortargument für den Verbraucher. Das ist eine Chance für uns als Hersteller. Aber es ist klar, dass auch andere, neue Anbieter dies erkennen. Ich sehe es als spannenden Wettbewerb, in dem wir unsere Chancen nutzen werden.

Wieweit wird bei der Digitalisierung dem Thema IT-Sicherheit, sprich Cyber-Kriminalität, genügend Beachtung geschenkt?

Das Thema Sicherheit steht bei uns seit Anbeginn an höchster Stelle, ob bei der Hausautomation, der Vernetzung oder der Ferndiagnose. Der Endkunde darf nicht das Gefühl haben, es ist unsicher. Es darf erst gar nicht der Eindruck entstehen, wir würden nicht sehr, sehr, sehr sorgsam mit der Datensicherheit umgehen. Das wäre schlicht inakzeptabel. Um unseren Kunden Datensicherheit zu gewährleisten, bieten wir sichere digitale Lösungen mit einer VDE-Zertifizierung an.

Weiterführende Informationen: https://www.vaillant.de

Mittwoch, 06.03.2019

Von Robert Donnerbauer
Redaktion, Heizungs-Journal Verlags-GmbH