Das degradiert SHK-Fachmann zum Schrauber!

Alptraum „Do-it-for-me-Job“

Sprengt der Online-Handel den klassischen dreistufigen Vertriebsweg im SHK-Handwerk? Wird der Sanitär- und Heizungsfachmann künftig nur noch als Monteur gebraucht?

Fakt ist auf jeden Fall: Seit geraumer Zeit nutzt der private SHK-Kunde das Internet erstens zum Preisvergleich und zweitens – für das Handwerk schwerwiegender – wählt und kauft er immer häufiger Armaturen, Sanitär-Keramik, ja selbst komplette Heizungsanlagen, direkt beim Online-Handel. Das wird von den Akteuren und Verbänden der SHK-Branche schon länger mit Argwohn beobachtet und warnend kommentiert, wie die Marktforscher von BauInfoConsult in einer aktuellen Umfrage berichten. Und tatsächlich: Wie dieser Trend zum E-Commerce die Geschäftsmodelle des SHK-Handwerks auch hier in Deutschland verändern wird, zeigt ein Blick auf andere europäische Länder, wo diese „negative“ Entwicklung schon deutlich weiter ist.

Denn: Deutsche Fachhandwerker lassen sich am wenigsten darauf ein, bloße „Einbaugehilfen“ für Produkte zu sein, die der private Kunde bereits – wo auch immer – erworben hat. Am häufigsten werden die Kollegen in Großbritannien mit solchen „Do-it-for-me-Jobs“ konfrontiert: nahezu 60 Prozent! Und derartige Jobs machen bereits ein Fünftel aller Aufträge aus. Insbesondere kleinere Handwerksunternehmen mit bis zu vier Mitarbeitern nehmen solche Aufträge mit, so die Umfrage.

Verglichen mit der britischen Insel leben die deutschen Kollegen aber (noch) auf einer „Insel der Seligen“. Lediglich 38 Prozent werden mit solchen Jobs „belästigt“. Daraus ergibt sich jedoch immerhin noch jeder zehnte Auftrag.

Warum in den sechs untersuchten Märkten Endverbraucher am liebsten Sanitärprodukte wie Bad- und Küchenarmaturen selbst kaufen, liegt für BauInfoConsult auf der Hand: Das Aussehen spielt eine größere Rolle als das für den Kauf notwendige technische Hintergrundwissen. Ein neuer Waschtisch ist schließlich lange nicht so komplex wie beispielsweise eine neue Heizungsanlage. Was aber Konsumenten – zumal in Großbritannien – nicht davon abhält, selbst Heizkörper zu kaufen.

Bald auch in Deutschland? Das sind die fünf Produkte, die Endverbraucher im Vereinigten Königreich selbst kaufen und dann vom HSK-„Schrauber“ montieren lassen…
Quelle: BauInfoConsult
Bald auch in Deutschland? Das sind die fünf Produkte, die Endverbraucher im Vereinigten Königreich selbst kaufen und dann vom HSK-„Schrauber“ montieren lassen…

Darüber hinaus verschafft das Internet Verbrauchern Vorteile bei Verhandlungen mit dem Handwerker – sie informieren sich im Netz vorab über die Preise. Vor allem niederländische und belgische Installateure beklagen das deswegen inzwischen gängige „zähe Feilschen“.

Und diese Preistransparenz wird die Margen der Handwerker schmälern, befürchtet BauInfoConsult. Sollten „Do-it-for-me-Jobs“ tatsächlich gängige Praxis in der SHK-Branche werden? Derzeit können Handwerker noch wählerisch sein. Durch die gute Auftragslage in allen untersuchten Ländern und den allgegenwärtigen Mangel an Fachkräften sitzt er am längeren Hebel: Er kann den Auftrag schlichtweg ablehnen – und der Privatkunde muss sehen, wie er seine billig im Netz „geschossene“ Heizungsanlage ans Wärmen bringt…

Dienstag, 08.06.2021

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