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Bosch Thermoteknik mot nya horisonter!

Dr. Thomas Finke über die Wärmepumpen-Strategie von Bosch Thermotechnik.

Ein Sonnenuntergang über einem Wald.
Quelle: Jordan Wozniak/Unsplash
Im Bereich "Residential Heating" (Wärmeerzeuger für Wohngebäude) wächst die Wärmepumpentechnik, im Vergleich mit den anderen (fossilen und regenerativen) Systemen, aktuell am schnellsten. Logisch, dass sich ein führender Hersteller wie Bosch Thermotechnik hier klar und zielstrebig positionieren muss. Die Erwartungen an das Geschäftsfeld sind indes groß: In Europa sollen, nach Schätzungen, im Jahr 2025 Wärmepumpensysteme mit einem Gesamtwert von über 3 Mrd. Euro verkauft werden – das Marktvolumen im mitteleuropäischen Raum soll sich im Zeitraum von 2018 bis 2025 verdoppeln. Um diese erheblichen Potentiale durch auf die jeweiligen (sehr unterschiedlichen) Märkte abgestimmte Heizlösungen heben zu können, sind nicht nur performante und praxisgerechte Produkte nötig, sondern auch eine "neue Denke".

Die Stichwörter "Dezentralisierung", "Dekarbonisierung" und "Digitalisierung" – die "drei Ds" – gewinnen in der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnikbranche mehr und mehr an Bedeutung. Oder sollte man sagen: Man hört sie (fast) überall. Doch was verbirgt sich konkret dahinter? Welche Strategien? Welche Produkte und Lösungen? Und – vor allem – wie gehen die Hersteller selbst mit den vielfältigen Paradigmenwechseln in der Branche um? Leitfragen und gute Gründe genug, um beim Produktgruppenleiter Wärmepumpen von Bosch Thermotechnik und Geschäftsführer der schwedischen Bosch Thermoteknik AB (Tranås), Dr. Thomas Finke, einmal nachzufragen.

Ein Mann lehnt sich an eine Wärmepumpe.
Quelle: Bosch Thermotechnik
"Wir bauen keine Wärmepumpen, sondern Heizlösungen. Systeme, mit welchen wir selbstverständlich auch neue Kundengruppen, jenseits des deutschen Heimatmarktes, ansprechen wollen. Beispiel Schweden: Hier sprechen wir im Vertrieb unserer Sole/Wasser-Wärmepumpen eher über die Praktikabilität des Produkts als über die Effizienzwerte", erläutert Dr. Thomas Finke, Produktgruppenleiter Wärmepumpen von Bosch Thermotechnik und Geschäftsführer der schwedischen Bosch Thermoteknik AB, die europäische Perspektive.

Die kurze Einleitung und die beiden Überschriften zu diesem Beitrag legen ja die Vermutung nahe, dass das Treffen zwischen Dr. Thomas Finke und der HeizungsJournal-Redaktion irgendwo "ganz weit weg" in fremden Gefilden stattgefunden haben muss. Dem ist jedoch nicht so. Stattdessen traf man sich bei Butterbrezel und Co. (so wie es sich hier eben gehört) im schwäbischen Heimatländle; konkret: in Wernau bei Stuttgart, dem Sitz der bekannten Marke "Junkers", welche seit diesem Jahr nun ganz offiziell und vollständig zu "Bosch" transformiert wurde. Übrigens auch gar kein einfacher Schritt, so eine tief verwurzelte und eingefleischte Marke(nbotschaft) schrittweise innerhalb von vier Jahren in eine neue Form zu gießen. Auch wenn der Name "Bosch" freilich zu ebenso lebendigen Assoziationen einlädt. Nun ja, aber darum soll es hier jetzt eigentlich nicht gehen. Wobei das Stichwort "Transformation" in diesem Artikelzusammenhang mindestens zwei wichtige Bögen spannt:

1.) allgemein: die Transformation des Energiesystems und der Hausenergieversorgung,

2.) speziell: die Transformation eines marktführenden Systemtechnikherstellers der Heiztechnik.

Immer schön der Reihe nach. Lassen Sie uns zunächst einmal einen genaueren Blick werfen auf den Gesprächspartner, Dr. Thomas Finke, der vor nicht ganz 15 Jahren über seine Diplomarbeit und das Promotionsprogramm der Stuttgarter Robert Bosch GmbH in das Technologieunternehmen eingestiegen ist. Der Chemiker hat im weiteren Verlauf seiner Laufbahn und seines Berufslebens bei Bosch sehr spannende Positionen und Funktionen innegehabt: Beispielsweise war er zwei Jahre lang Assistent des Bosch Thermotechnik Bereichsvorstands Entwicklung in Wetzlar und leitete im Anschluss daran das Produktmanagement "Internet of Things and Services" (Internet der Dinge und Dienste) in Lollar. Von 2014 bis 2016 führte der Weg schließlich wieder nach Süddeutschland (Wernau und Stuttgart), wo Finke zunächst das Bosch Thermotechnik Projekt "Smart Home" leitete und in der neu gegründeten Robert Bosch Smart Home GmbH dann unter anderem verantwortlich für Vertrieb und Strategische Partnerschaften zeichnete. Seit über drei Jahren wirkt er nun 1.500 Autokilometer entfernt von der "Butterbrezel-Heimat" im südschwedischen Tranås – der historischen Heimat des berühmt-berüchtigten Lausbuben "Michel aus Lönneberga" – als Produktgruppenleiter Wärmepumpen und Geschäftsführer der Bosch Thermoteknik AB.

Von Mensch zu Mensch

Über die "Schnitzkünste" von Dr. Finke ist in seinem offiziellen Lebenslauf (leider) nichts überliefert. Wohl aber die wichtige Information, dass er als Chemiker eine wichtige Fertigkeit mitbringt, die gerade im Geschäft mit der Thermotechnik von Vorteil sein kann: Er kennt das Periodensystem der Elemente und weiß, wie diese miteinander (re)agieren können. Auf das "Business" übertragen, heißt das dann: Er weiß, wie Menschen miteinander (re)agieren können. Und darum geht es doch im Wesentlichen bei jeder Art von Transformation. Denn Transformation ist definitionsgemäß ein "Wandlungsprozess", eine "Veränderung", welche nun einmal Menschen betrifft.

Bekannt ist auch: Menschen reagieren äußerst unterschiedlich auf Veränderungsbewegungen. Greifen wir uns an dieser Stelle doch nur kurz das Meta-Thema "Digitalisierung" heraus. Erfahrungsgemäß kann man fünf Menschen mit diesem Stichwort konfrontieren und erhält (mindestens) fünf völlig unterschiedliche Antworten, Definitionen und Einschätzungen. So kann es vorkommen, dass (um beim Bild der Chemie zu bleiben) eine Person beispielsweise "exotherm" reagiert, das heißt, unter Freisetzung von Wärme und durchaus emotional aufgeladen das weite Themenfeld "Digitalisierung" für sich beansprucht – das ist dann, im wahrsten Sinne des Wortes, ein "glühender" Vertreter, der für seine Sache "brennt". Das andere Extrem: die endotherme Fraktion. Hier muss man, gerade wenn es um die "Digitalisierung" geht, große und größte Mengen an Energie und Arbeit hineinstecken, um zum gewünschten Ergebnis (z.B. Minimum-Ziel: "Er/Sie sitzt jetzt mit im Boot") zu gelangen. Dazwischen gibt es selbstverständlich viele, viele Reaktions-Kombinationen und -Muster.

Aber genug der "Phrasendrescherei"! Um was soll es denn eigentlich hier konkret gehen? Kurze, klare Botschaft: Es geht im Kern um Kulturwandel in Unternehmen!

Gerade das Schlagwort "Digitalisierung" lässt sich doch anders gar nicht richtig packen. Oder kennen Sie etwa erfolgreiche Unternehmen, welche die Lösung für die Herausforderung "auf Rezept" bestellen und ihren Mitarbeitern einfach "verschreiben"? Richtig. Die "schmerzfreie Schluckimpfung" dafür wurde noch nicht erfunden, vermutlich existiert sie auch nicht. Und genau deshalb ist auch die chemische Reaktion "Nichtstun" in diesem Kontext ja das Allerschlimmste.

Dasselbe gilt im Übrigen für die beiden anderen (gesellschaftlichen) Mega-Trends „Dezentralisierung“ und "Dekarbonisierung", wobei letzterer Punkt in nächster Zeit an Dynamik gewinnen wird – versprochen. Hier anzunehmen, die Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnikbranche hätte einen "Sonder-Status" inne und diese "drei Ds" ("Dezentralisierung", "Dekarbonisierung" und "Digitalisierung") würden spurlos an allen Marktpartnern im Fachhandwerk, Fachhandel und in der Industrie vorüberziehen, wäre fatal.

Klare Kommunikation und Ziele

Also: Kulturwandel als ein evolutionärer Akt. Wie gehen das nun ein "global player" namens Bosch im Allgemeinen und ein Marktführer namens Bosch Thermotechnik im Speziellen an?

Nun ja: "(Selbst-)Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung", heißt es im Volksmund. Im übertragenen Sinne und in betriebswirtschaftlichen, konkreten Zusammenhängen gesprochen, heißt das, ein langfristig tragfähiges Leitbild (eben kein "Feindbild") und eine klare Ziel-Vision aufzubauen und entsprechend über Führungskräfte – wie den Chemiker Dr. Finke – zu multiplizieren und zu etablieren. Hört sich alles einfach an, ist es aber in der Tat nicht. Nochmal: Das Gegenüber ist und bleibt (vorerst) menschlich. Kulturwandel bedingt Kommunikation. Und Kommunikation braucht Zeit.

"Wir haben unsere Zielfahnen gesteckt. Wir wollen mit Bosch Thermotechnik im Bereich »Residential Heating« (Anm.d.Red.: Wärmeerzeuger für Wohngebäude) Weltmarktführer bleiben, sprich: diese Position im internationalen Wettbewerb festigen. Wir wollen im Wärmepumpengeschäft zum wichtigsten und einflussreichsten Spieler aufsteigen", betont Dr. Thomas Finke im Gespräch mit dem HeizungsJournal selbstbewusst die Ziel-Visionen und ergänzt: "Vor allem der letztgenannte Punkt stellt ein hehres Ziel dar!"

"Durchaus!", möchte man ihm da zurufen, wohlwissend, dass sowohl der europäische als auch der deutsche Markt für Heizungswärmepumpen (mittlerweile) sehr hart umkämpftes Terrain ist – mit neuen und "alteingesessenen" Wettbewerbern, mit kleineren Spezialisten in technologisch-diffizilen Nischen und größeren Volumen-Herstellern vor allem aus dem Kälte- und Klimatechnik-Spektrum. Wohlwissend, dass Bosch Thermotechnik, selbst mit seiner eingefleischten Traditionsmarke Buderus, eben nicht zu den "Wärmepumpen-Pionieren" gehört. Oder anders – im "Start-up-Sprech" – ausgedrückt: Den sogenannten "First Mover Advantage" (frei übersetzt: Marktvorteil für Unternehmen, die mit einem Produkt, einer Technologie als erstes an den Start gehen) kann Bosch Thermotechnik hier nicht auf sich verbuchen. Bosch Thermotechnik wird im globalen Markt heute als Systemspezialist für die Wärmetechnik wahrgenommen und geschätzt, angefangen bei der heiz-/warmwassertechnischen Kleinstleistung auf der Etage bis hin zu hochperformanten und hochverfügbaren (fossilen) Feuerungen in Wärmenetzen. Als Systemtechnikhersteller setzt Bosch Thermotechnik natürlich entsprechende Impulse in den Bereichen "Energiemanagement" und "Digitale Heizung". Das ist der Status quo.

Zwei Männer sitzen sich in Sesseln gegenüber.
Quelle: Bosch Thermotechnik
"Ein erfolgreiches Wärmepumpengeschäft setzt auch besondere Fähigkeiten und Qualifikationen bei den Mitarbeitern voraus – in der Forschung und Entwicklung, im Vertrieb etc. Hieran arbeiten wir bei Bosch Thermotechnik sehr gewissenhaft und jeweils an den unterschiedlichen Anforderungen der europäischen Absatzmärkte orientiert", so Dr. Thomas Finke (li.) im Gespräch mit HeizungsJournal-Chefredakteur Jörg Gamperling.

Das zeigt auch ein kurzer Rückblick auf die Umsätze 2018 – nach Bosch Thermotechnik Geschäftssegmenten – deutlich: Denn hier sticht der besagte Bereich "Residential Heating" als Umsatzträger heraus. Mit 2,345 Mrd. Euro entfielen stolze 73 Prozent des Umsatzes auf dieses Geschäftssegment (ohne Handelsware). Es folgen die Bereiche "Residential Water" (Warmwassergeräte für Wohngebäude) mit 375 Mio. Euro (zwölf Prozent), "Commercial/Industrial Heating" (Wärmeerzeuger für Nichtwohngebäude) mit 370 Mio. Euro (elf Prozent) und "Commercial Air-Conditioning and Ventilation" (Raumluft- und Klimatechnik für Nichtwohngebäude) mit 130 Mio. Euro (vier Prozent).

Donnerstag, 02.01.2020

Von Jörg Gamperling
Chefredaktion HeizungsJournal