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Biogenes Flüssiggas hat Marktpotential

Eine Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) zeigt: Biogenes Flüssiggas, kurz BioLPG, kann die Wärmewende hierzulande deutlich voranbringen.

Ein blühendes Feld.
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Die Anstrengungen zum Klimaschutz dürfen den ländlichen Raum nicht ausklammern. Immerhin ein Viertel der Bundesbürger lebt in eher dünn besiedelten Regionen ohne Zugang zum Erdgasnetz. Schätzungen der dena gehen aktuell von rund 3,4 Millionen Wohnungen und zusätzlich 100.000 Nichtwohngebäuden aus. Mit biogenem Flüssiggas (BioLPG bzw. Biopropan) gibt es für den ländlichen Raum einen neuen Energieträger. BioLPG kann eingesetzt werden, ohne dass Umbauten an der Heizanlage oder am Lagerbehälter nötig werden.

Wer heute mit konventionellem Flüssiggas heizt, könne schon morgen "grünes" Propan beziehen. Doch aktuell wird BioLPG nicht wie andere flüssige und gasförmige Biomasse gesetzlich berücksichtigt. Experten sehen hier Handlungsbedarf: So wie BioLPG mittlerweile in die 38. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes aufgenommen wurde, so sollte es auch im Wärmebereich (Gebäudeenergiegesetz, GEG) bedacht werden. Schließlich gilt der Einsatz erneuerbarer Energien neben Energieeffizienz und innovativer Heiztechnik als wichtigste Säule, um die Klimaziele im Wärmebereich zu erreichen.

Deutschland braucht eine Wärmewende, damit die Klimaziele der Bundesregierung nicht nur als ehrgeizig, sondern auch als realistisch gelten können: Die Treibhausgasemissionen sollen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 eingedämmt werden. Der erste, wichtige Meilenstein auf diesem Weg: verfehlt. Anfang 2018 hatten Union und SPD bekanntgegeben, dass das Ziel, die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, nicht zu erreichen sei. "Zurzeit machen wir keine ausreichenden Fortschritte beim Klimaschutz", wird ein Sprecher des Bundesumweltministeriums im Januar 2018 zitiert [1].

Einer der wichtigsten Hebel ist der Gebäudebestand. Laut Angaben der dena entsteht hier knapp ein Drittel der deutschen CO2-Emissionen. Die Bundesregierung plant, die Energieeffizienz über Heiztechnologie, den Einsatz erneuerbarer Energien und Dämmung drastisch zu steigern: Bis 2050 soll der Primärenergiebedarf im Gebäudebereich um 80 Prozent gegenüber 2008 gesenkt werden. Doch während sich Deutschland auf internationaler Ebene als Vorreiter in puncto Klimaschutz präsentiert, herrscht in den Heizungskellern hierzulande ein gravierender Modernisierungsstau. Hinzu kommt: "Grüne Wärme" wird noch immer schwach nachgefragt. Laut Angaben des Umweltbundesamts ist der Anteil erneuerbarer Energien am Wärmeverbrauch sogar rückläufig und lag 2017 nur bei 12,9 Prozent [2]. Der Einsatz erneuerbarer Energien sollte daher per Gesetz nicht nur gefordert, sondern auch aktiv gefördert werden.

Ländliche Räume ebenfalls betrachten

Kann Deutschland die Wärmewende also schaffen? Eine dena-Studie zeigt: Für den ländlichen Raum gibt es mit biogenem Flüssiggas (BioLPG bzw. Biopropan) einen neuen, klimaschonenden Hoffnungsträger. Überall dort, wo heute bereits Flüssiggas eingesetzt wird, könne BioLPG beigemischt werden oder es vollständig ersetzen. Das CO2-Einsparpotential ist enorm: Flüssiggas aus erneuerbaren Ressourcen emittiert bis zu 90 Prozent weniger Treibhausgase als konventionelles Propan. Damit ist klar: Die Anstrengungen zum Klimaschutz dürfen den ländlichen Raum nicht ausklammern. Immerhin ein Viertel der Bundesbürger lebt in eher dünn besiedelten Regionen ohne Zugang zum Erdgasnetz. Schätzungen der dena gehen aktuell von rund 3,4 Millionen Wohnungen und zusätzlich 100.000 Nichtwohngebäuden aus.

Die dena hat im Auftrag des Flüssiggasversorgers Primagas ermittelt, wie Hauseigentümer im ländlichen Raum die Energieziele der Bundesregierung erreichen können. Anhand beispielhafter Szenarien zeigt die Deutsche Energie-Agentur auf, wie verschiedene Heizsysteme mit einem Gemisch aus konventionellem Flüssiggas und Biopropan den Primärenergiebedarf senken. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick (vgl. Studie "Flüssiggas und BioLPG. Potentiale als Energieträger für die Energiewende im ländlichen Raum"):

  • Ein Einfamilienhaus kann schon bei mäßiger Dämmung mit einer Beimischung zwischen 40 und 90 Prozent BioLPG rund 80 Prozent des Primärenergiebedarfs einsparen – je nach Heiztechnologie.
  • Besitzer eines kaum gedämmten Hauses mit Brennwertkessel können ihren Primärenergiebedarf um 40 Prozent senken, wenn sie ihrem Flüssiggas etwa 55 Prozent BioLPG beimischen.
  • Neubauten, die beispielsweise mit einer Gas-Absorptions-Wärmepumpe ausgestattet sind, erreichen die Klimaziele bereits heute mit einer BioLPG-Beimischung von rund 20 Prozent.
  • In wenigen Jahren wird eine Jahresproduktion von etwa 200.000 Tonnen BioLPG möglich sein. Diese Menge könnte rund 17 Prozent des derzeit in Deutschland zum Heizen eingesetzten Flüssiggases ersetzen. Technisch bereitet das keine Schwierigkeiten, da die chemischen Eigenschaften von BioLPG und konventionellem Flüssiggas identisch sind. BioLPG kann eingesetzt werden, ohne dass Umbauten an der Heizanlage oder am Lagerbehälter nötig werden.

Das Fazit der Studie: BioLPG erfülle schon heute die Nachhaltigkeits­anforderungen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU, so die dena-Studie. Aber damit biogenes Flüssiggas einen Beitrag zu den energie- und klimapolitischen Zielen leisten könne, müssten attraktivere politische Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Status quo der Gesetzgebung

Da das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in der vergangenen Legislaturperiode nicht mehr realisiert wurde, wird BioLPG nicht wie andere flüssige und gasförmige Biomasse berücksichtigt. Selbst für die Autoren der dena-Studie ist der Grund "nicht ersichtlich". Denn Biopropan weise eine primärenergetische Bilanz wie Biomethan auf, ist aber flexibel und netz­unabhängig einsetzbar. Der ökologische Nutzen sei vergleichbar.

Biogenes Flüssiggas kann einen wichtigen Beitrag zur zukunftssicheren und ressourcenschonenden Wärmeversorgung leisten. Die gesetzliche Anerkennung wäre ein wichtiger Fortschritt in puncto Klimaschutz – und ein wichtiges Signal an die Verbraucher, die ihr Heizsystem fit für eine emissionsarme Zukunft machen möchten.

Literatur

[1] www.archiv.klimaretter.info/politik/hintergrund/24196-deutschland-verfehlt-auch-eu-klimaziel

[2] www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/ erneuerbare-energien-in-zahlen#statusquo

Donnerstag, 27.09.2018